Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter: Temperaturen bis zu 23 Grad – doch in gleich mehreren Regionen wird es frisch
Deutschland zerfällt in zwei Wetter-Welten: im Süden drückt die Sonne die Temperaturen Richtung 23 Grad, im Norden kämpft der Hochnebel dagegen an. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Der Blick auf die Wetterkarte lässt Meteorologen-Herzen schneller schlagen: Knapp westlich von Irland thront ein wahres Schwergewicht. Hoch Uli pumpt den Luftdruck auf über 1040 Hektopascal, ein Wert, den wir selbst im Hochwinter selten sehen.
Uli blockiert die atlantische Tiefdruckmaschinerie bis weit in den Mai hinein und lenkt die Luft im Uhrzeigersinn. Die Folge: Ganz Deutschland liegt an seiner Ostflanke, und die Strömung klemmt stabil auf Nord bis Nordost fest.
Zwei-Klassen-Wetter von der Nordsee bis zu den Alpen
Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die kühle Meeresluft, die Uli auf seiner Ostflanke nach Süden pumpt, nimmt auf ihrem Weg über die noch eiskalte Nordsee (aktuell 7 bis 9 Grad) reichlich Feuchtigkeit auf. Direkt hinter der Küste kondensiert die zu zähem Nordseestratus, jener grauen Hochnebeldecke, die sich im Norddeutschen Tiefland bis an die Mittelgebirge frisst.
Der Osten kriegt dagegen die Sonne ab: Dort strömt die Luft mehr aus Nordost übers Baltikum heran, ist knochentrocken und lässt die Wolken gar nicht erst entstehen. Der Süden sitzt ohnehin längst südlich der Wolkenbremse. Am Oberrhein und im Breisgau knacken wir am Samstag die 23-Grad-Marke. In Hamburg hängen wir dagegen bei zähen 14 Grad unter der Graudecke fest.
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Warum der Nordosten bibbert, obwohl die Sonne lacht
Der zweite Haken: Zwischen Hoch Uli im Westen und einem Resttrog über Osteuropa schärft sich der Druckgradient über der Osthälfte Deutschlands spürbar. Ergebnis ist ein mäßiger, in Böen frisch pfeifender Wind aus Nordost. An den Küsten kommt der Wind auflandig von der kalten Ostsee herein, in Brandenburg und Sachsen zerrt er über die offenen Felder. Gefühlt verliert man so schnell drei bis fünf Grad. Wer dort zum Kaffee auf den Balkon will, braucht trotz strahlender Sonne noch die Fleecejacke.
Der Wetter-Fahrplan bis zum ersten langen Mai-Wochenende
Die gute Nachricht: Am Wochenende zieht Uli seinen Kern zu den Britischen Inseln, der Hochnebel löst sich auch im Norden besser auf. Nach aktuellem Modell-Trend bleibt uns das ruhige, meist trockene Hochdruckwetter bis zum Maifeiertag erhalten. Die Temperaturen klettern in der neuen Woche Richtung 23 Grad am Oberrhein, an den Küsten bleibt es wegen des auflandigen Winds bei frischen 10 Grad. Nur ein Kaltlufttropfen aus dem Nordosten könnte den 1. Mai noch ein wenig durcheinanderwirbeln – aber das ist Detail-Kosmetik. Grillen geht!
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