Lange Schlangen vor der Zapfsäule

„Machen richtig Kohle“: Tankpreise explodieren nach Iran-Eskalation – wer profitiert?

Die Eskalation im Nahen Osten sorgt schon jetzt für Preisanstiege an den Tankstellen in Hamm. Dabei dürfte das Rohöl längst gekauft gewesen sein.

Seit der Eskalation im Nahen Osten ist an den Tankstellen einiges los. „Die Nachfrage nach Sprit ist seit dem Wochenende auf jeden Fall stark angestiegen, insgesamt hat sie sich fast verdoppelt“, sagt Georg Buckreus, Betreiber der gleichnamigen Tankstelle im Hammer Osten, im Gespräch mit wa.de. Offenbar befürchten viele Autofahrer, dass die Preise für Benzin und Diesel in den kommenden Wochen weiter steigen könnten. Auch Buckreus hält das für möglich: „Ich glaube, dass der Liter in Zukunft bis zu drei Euro kosten könnte, wenn das so weitergeht.“

Diesel für über zwei Euro: Das Ende der Fahnenstange könnte bei den Tankpreisen noch vor uns liegen.

Aus den Fingern zieht sich der erfahrene Tankstellenbetreiber diese Befürchtung nicht. Der Iran schränkt seit dem Beginn des Krieges die Schifffahrt auf einer der wichtigsten Handelsrouten für Öltanker ein, der Straße von Hormus. Rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten Rohstoffs wird durch diese 55 Kilometer schmale Meerenge zwischen Oman und Iran transportiert, welche den Persischen Golf mit dem offenen Ozean verbindet. Der Konflikt bringt den Markt in Wallung. Das wirkt sich schon jetzt auch auf die Tankpreise im rund 5 000 Kilometer entfernten Deutschland aus.

Eskalation im Nahen Osten treibt Spritpreise in Hamm in die Höhe

2 Euro und 3 Cent zahlten Autofahrer an den Tankstellen in Hamm am frühen Mittwochnachmittag durchschnittlich für einen Liter Diesel. Das geht aus den Daten des Vergleichsportals clever-tanken.de hervor, dessen Macher sich auf die Zahlen der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beziehen. Zum Vergleich: Am vergangenen Donnerstag – also vor den Angriffen von Israel und den USA auf den Iran – war dieser Durchschnittspreis noch 30 Cent niedriger. Der Preissprung bei Super E10 ist mit rund 15 Cent plus zwar geringer, dürfte aber trotzdem für Frust an den Zapfsäulen sorgen.

Auch weil der aktuell verkaufte Sprit meist noch zu den günstigeren Konditionen gekauft worden sein dürfte. Wer profitiert also von der Krise? „Ich bin es nicht, ich bekomme nicht mehr pro Liter“, stellt Buckreus klar. Tatsächlich ist der Gewinn für die Tankstellenbetreiber überwiegend vertraglich fixiert und dadurch unabhängig von den Preisschwankungen. Die Steuerung erfolgt zentral von den Mineralölkonzernen. „Jetzt gerade machen die Gesellschaften richtig Kohle“, vermutet Buckreus. Die Unternehmen rechtfertigten diese umstrittene Praxis in der Vergangenheit mit dem Umstand, dass man vorsorgen müsse, um das frische Rohöl zu gestiegenen Weltmarktpreisen einkaufen zu können.

Die meisten Kunden wüssten aber, dass weder er noch seine Mitarbeiter etwas für die Preissprünge an den Anzeigetafeln können, erzählt Buckreus. „Früher war das anders, da wurden wir dafür verantwortlich gemacht. Mittlerweile sagen die Kunden aber: ‚Sie machen doch nicht die Preise‘, und genau so ist es auch.“ Man merke angesichts der sich zuspitzenden Weltlage aber schon, dass einige Kunden „ein wenig nervös“ wirken. Buckreus nimmt’s gelassen: „Ich bin jetzt schon 48 Jahre hier. Eine solche Situation erlebe ich also nicht zum ersten Mal.“

Seinen Kunden gebe er einen Rat, wenn sie das eigene Fahrzeug auch bei den aktuellen Preisverhältnissen noch vergleichsweise günstig tanken wollen. „Ich sage immer: Wenn ihr tanken wollt, dann müsst ihr früh aufstehen. Ich öffne morgens um sechs Uhr. Ab da gibt es ein Zeitfenster von zehn Minuten, in welchem noch die Preise vom späten Abend gelten“, so Buckreus. „Wenn meine Uhr 6.10 Uhr zeigt, gehen die Werte auf den Anzeigen rapide wieder nach oben.“

Rubriklistenbild: © Andreas Rother/Andreas Rother

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare