Experteneinschätzung
„Stimmung im Handel angespannt“: Iran-Krieg hat Folgen für die NRW-Wirtschaft
Die Verbraucherstimmung in NRW bleibt gedrückt. Kurzfristige Preissteigerungen nach Iran-Konflikten beunruhigen die Branche. Ein Experte hat auch gute Nachrichten.
Der Nahe Osten steht in Flammen: Israel und die USA haben den Iran militärisch angegriffen, Teheran schlägt mit Raketenangriffen auf Israel und US-Stützpunkte zurück. Iran hat die Straße von Hormus gesperrt – eine der weltweit bedeutendsten Schifffahrtsrouten für Öl und Güter. Mehrere Länder, darunter Irak, Israel, Jordanien und Kuwait, haben ihren Luftraum ganz oder teilweise geschlossen. Und all das hat in einer globalisierten Welt ebenfalls Auswirkungen auf die Menschen vor Ort, in Nordrhein-Westfalen.
Die Eskalation trifft eine globale Wirtschaft, die ohnehin unter Druck steht – und wirft Fragen auf, was das für den Handel in Nordrhein-Westfalen bedeutet. Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen Westfalen-Münsterland, hat sich gegenüber der Redaktion von wa.de zu den Auswirkungen geäußert – und gibt eine nüchterne Einschätzung.
Konsumstimmung in NRW ist gedämpft trotz geringer Abhängigkeit von iranischen Rohstoffen
Unmittelbar spürbare Folgen für den NRW-Handel gibt es laut Schäfer noch nicht – aber die Vorzeichen sind trüb: „Die ohnehin schlechte Verbraucherstimmung wird sich dadurch nicht aufhellen. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass die Stimmung trotz besseren Wetters auf niedrigem Niveau verharren und die Sparneigung hoch bleiben wird.“
Hinzu kommt die angespannte Lage innerhalb der Branche selbst: „Die Stimmung im Handel ist angespannt, da die hohen Kosten insbesondere bei Energie, Lieferung, Beschaffung und Personal durch die schwache Umsatzentwicklung nicht kompensiert werden können“, so Schäfer.
Wie viele Arbeitsplätze in NRW direkt von iranischen Rohstoffen oder Handelsrouten abhängig sind, kann Schäfer nicht beziffern. Er geht aber davon aus, „dass, wenn überhaupt, nur geringe Abhängigkeiten zu iranischen Rohstoffen bestehen“. Eine langfristige Störung der Handelsrouten könne zwar Kosten erhöhen, „dürfte sich aber nicht unmittelbar auf hiesige Arbeitsplätze im Handel auswirken“.
Notfallpläne seit Corona vorhanden – Energiepreise in NRW unter Beobachtung
Wer sich um die Versorgungssicherheit sorgt, kann laut Schäfer beruhigt sein: „Alle Handelsunternehmen der kritischen Infrastruktur haben bereits seit längerem – spätestens seit Corona – Notfallpläne entwickelt, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Insoweit besteht kein Anlass zur Sorge für die Bevölkerung.“ Schäfer geht zudem nicht davon aus, „dass es zu echten Lieferengpässen kommen wird“.
Beim Thema Energie zeigt sich Schäfer differenziert. „Angesichts der seit längerem hohen Energiekosten haben sich alle Unternehmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach alternativen Energiequellen umgesehen und diese, soweit verfügbar, und soweit der Handel im Eigentum einer Immobile betrieben wird, auch eingeführt“. Einschränkend fügt er hinzu: Dort, „wo der Handel als Mieter oder Pächter tätig ist, ist er auf die Maßnahmen des Vermieters/Verpächters angewiesen“.
Kurzfristig steigende Öl- und Gaspreise sieht Schäfer nicht als dauerhaftes Problem – er geht davon aus, „dass die aktuell hochschnellenden Preise bei Öl und eventuell auch bei Gas sich nicht langfristig negativ auswirken werden“. Allerdings warnt er: „Sie werden aber dazu beitragen, dass die davon ebenfalls betroffenen Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Konsumverhalten weiter anpassen.“
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