Vitaliy Berestyan wartet auf den Feuersturm

Mit Hammer Schutzwesten: Ukrainer (39) will unbedingt zurück nach Kiew

Barbara Dippel-Wagner (79) trifft den Hammer Ukrainer Vitaly Berestyan.
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Schutzweste aus Armee-Beständen: Barbara Dippel-Wagner (79) trifft den Hammer Ukrainer Vitaly Berestyan und übergibt die Weste ihres Mannes. Fünf Westen wurden ihm allein am Donnerstag von Privatleuten übergeben. Ferner bekam er 1000 Euro für den Ankauf weiterer Westen geschenkt. Berestyan: „Wenn ich 20 oder 30 Westen zusammenhabe, dann fahre ich sie nach Kiew.“

Vitaliy Berestyan wird nicht müde. Kugelsichere Westen, Helme und Trinkwasseraufbereitungsanlagen will der Mann auftreiben und so schnell es geht von Hamm nach Kiew bringen. Zum Schutz für die Zivilbevölkerung.

Hamm/Kiew – „Die russische Armee zielt auf die Gebäude. Deren Ziel ist es, das ganze Volk in der Ukraine auszurotten“, sagt der 38-Jährige aus dem Hammer Norden (hier klicken für unser Sonderressort zum Thema). Mehrmals täglich telefoniert Vitaliy Berestyan, der erst am Montag nach viertägiger Autofahrt aus Kiew wieder in Hamm angekommen war, mit seinem Bruder. Der ist 50 Jahre alt und sitzt in der ukrainischen Hauptstadt fest, um Kiew gegen den russischen Angriff zu verteidigen. (Sonderressort „Hamm und der Ukraine-Krieg“: hier klicken.)

„Noch ist es bei ihm ruhig. Die Wasserversorgung funktioniert noch und es gibt auch noch Lebensmittel“, sagt Vitaliy Berestyan. Minus zwei Grad sei es am Mittwoch in Kiew gewesen. Der Fernsehturm, der am Dienstag von den Russen beschossen wurde, stehe übrigens weiterhin. „Aber auch dabei sind Menschen ums Leben gekommen.“

Wie berichtet, hatte Berestyan die Rückfahrt nach Hamm zusammen mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern unternommen. Mit im Auto hatte ferner die 20-jährigen Tochter seines Bruders gesessen, die aus Kiew mit nach Hamm gekommen war. „Sie ist jetzt im Kleingarten in meiner Gartenlaube untergekommen. Es geht ihr einigermaßen gut“, sagt Vitaliy Berestyan am Mittwoch.

Unschönes Erlebnis in Hamm

Lediglich 182 Ukrainer leben in Hamm. Eine aktive Community, feste Treffpunkte, gibt es anscheinend nicht. Vitaliy Berestyan kam 1998 nach Deutschland und hat einen deutschen Pass. Über seine in der Stadt lebenden Landsleute sagt er, dass sie wohl alle Angst hätten und sich nicht öffentlich äußern wollten. Auch er selbst hatte ein erstes unschönes Erlebnis gehabt. In der Nacht nach seiner Ankunft in Hamm hatte irgendjemand eine Metallleiste vor seiner Haustür angebracht. Der Stab wurde am Boden und an seiner Türklingel verkeilt. Das Resultat war, dass bei ihm Sturm geklingelt wurde. Auch davon hat Vitaliy Berestyan ein Handy-Video gemacht.

„Wir sind hier selbst nicht mehr sicher“, hatte er dem WA am Dienstag erklärt. 24 Stunden später hatte sich die Aufregung etwas gelegt. „Bislang ist nichts mehr passiert.“

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