Bahnverkehr

NWL prüft Übernahme der Eurobahn

Bahnbetreiber in Finanznot: Ein Zug der Firma Eurobahn fährt in den Hauptbahnhof in Oberhausen ein.
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Ein Zug der Firma Eurobahn fährt in den Hauptbahnhof in Oberhausen ein.

Um die angeschlagene Eurobahn zu retten, plant der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) die Übernahme des Unternehmens. Der Verband soll dort übergangsweise einsteigen, um den Betrieb zu sichern. Seit April gilt auf mehreren Linien ein Notfahrplan.

Hamm – „Der NWL prüft aktuell alle möglichen Handlungsoptionen inklusive einer eigenen Übernahme der Eurobahn“, teilte der Verband jetzt mit. Das Bahnunternehmen gehörte einst dem französischen Keolis-Konzern, der Anfang 2022 nach Millionen-Verlusten ausstieg.

Seitdem verwaltet die Münchner Kanzlei Noerr die Eurobahn-Anteile und sucht nach einem strategischen Investor. Es soll Gespräche mit Interessenten gegeben haben; ein selbst gesetztes Ziel, innerhalb von zwei Jahren einen neuen Eigentümer zu finden, war aber verstrichen. Wie es um die Eurobahn aktuell steht, wollte Noerr auf Anfrage nicht preisgeben.

Das Personal wandert zur Konkurrenz ab

Die Eurobahn leidet laut NWL wie andere Bahnunternehmen unter der allgemeinen Teuerung und Finanzierungsproblemen. Der Fachkräftemangel trifft sie aber wohl noch stärker als die Mitbewerber. Aufgrund der unklaren Lage des Unternehmens suchten sich die Beschäftigten Jobs bei der Konkurrenz, heißt es in der Branche

Die personalbedingten Zugausfälle führen in Ostwestfalen-Lippe bereits zu drastischen Einschnitten. Dort gilt seit Anfang April auf fünf Linien ein Notfahrplan. In anderen Teilen des Landes läuft der Betrieb zwar noch nach dem regulären Fahrplan, doch auch hier fallen immer wieder Fahrten wegen Personalmangel aus.

Notfahrplan hilft den Fahrgästen

Der Notfahrplan sei für die Passagiere eine gute Sache, sagt Lothar Ebbers, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Das Angebot sei zwar reduziert, aber immerhin verlässlich: Man stehe nicht umsonst am Bahnsteig.

Doch für das Unternehmen verschärft der Notfahrplan die wirtschaftliche Schieflage: Nicht erbrachte Leistungen werden laut NWL nicht vergütet und ziehen obendrein Strafzahlungen nach sich.

NWL-Vorsitzender fordert Lösung

Matthias Goeken (CDU), Vorsitzender der NWL-Verbandsversammlung, fordert deshalb, eine „Lösung zu finden, mit der dauerhafte Leistungsausfälle und die entsprechenden wirtschaftlichen Folgen vermieden werden können.“ Und das liefe, so heißt es in der Branche, auf eine Übernahme hinaus. Vorbild könnte ein ähnlicher Fall in Baden-Württemberg vor zwei Jahren sein.

Die Strecken neu auszuschreiben würde für den Verband und die dahinterstehenden Kommunen wohl deutlich teurer werden, als selbst einzusteigen, sagen Branchen-Kenner. Um wie viel Geld es geht, ist allerdings unklar.

Drei Städt und 16 Landkreise müssen zustimmen

Allerdings müssen nicht nur die Verbandsversammlung, sondern auch die drei Städte und 16 Landkreise, die den NWL tragen, einer möglichen Übernahme zustimmen. Das weitere Vorgehen und das genaue Verfahren würden gerade abgestimmt, sagte NWL-Sprecherin Anne Zimmermann. Eine Entscheidung strebe man für die zweite Jahreshälfte an.

In Hamm will man den Eurobahn-Standort sichern. Zu einer möglichen Eurobahn-Übernahme selbst könne man sich aber nicht äußern, sagte Stadtsprecher Tom Herberg. Auch für den Kreistag in Unna ist die Sache noch kein offizielles Thema: Erstmal müsse sich der NWL positionieren, sagte Kreissprecher Max Rolke.

Eurobahn: Prozess ist offen, Entscheidung noch nicht gefallen

Bei der Eurobahn stößt das Interesse des NWL auf Gegenliebe. „Wir stehen dem positiv gegenüber“, sagte Unternehmenssprecherin Elke-Katharina Sajovitz. Der Prozess sei aber offen, es gebe noch keine Entscheidung.

Die Eurobahn GmbH & Co. KG ist eine private Bahngesellschaft mit rund 900 Beschäftigten. Unternehmenssitz ist Düsseldorf, Verwaltung und Betriebsstätten befinden sich in Hamm, ein weiteres Betriebswerk in Bielefeld. Von 2007 bis 2022 war das Unternehmen unter dem Namen Keolis Deutschland GmbH & Co. KG eine Tochter des französischen Verkehrskonzerns Keolis, der wiederum zur französischen Staatsbahn SNCF gehört.

Ein Drittel aller Fahrten in Westfalen

Mit dem Markennamen Eurobahn gewann Keolis mehrere Ausschreibungen in Nordrhein-Westfalen und betreibt aktuell vier Regionalexpress- und elf Regionalbahnlinien. In Westfalen übernimmt die Eurobahn rund ein Drittel aller Fahrten im Regionalverkehr. Für Keolis hatten sich die Investition allerdings nicht rentiert. Der Geschäftsbericht für 2020 verzeichnet einen Verlust von 148 Millionen Euro. Nach einer Finanzspritze aus Paris schloss das Unternehmen 2021 mit einem Plus von 5,7 Millionen Euro ab. Keolis stieg anschließend aus, die Kanzlei Noerr sucht bisher erfolglos neue Investoren.

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