„Buy now, pay later“
Jeder Vierte zahlt Online-Einkäufe erst später – wie sie die Schuldenfalle umgehen
„Buy now, pay later“ ist ein beliebtes Finanzierungsmodell, bei dem das Produkt erst zu einem späteren Zeitpunkt gezahlt werden muss. Doch das kann Risiken bergen.
Mit nur wenigen Klicks den Warenkorb füllen, zur Kasse gehen und direkt bestellen – Online-Einkäufe sind bequem und können auch dann abgewickelt werden, wenn der Kunde knapp bei Kasse ist. Die „buy now, pay later“-Zahlungsmodelle, die in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden sind, ermöglichen auch bei kleinen Beträgen einen Kauf auf Rechnung oder in Raten. Für letzteres ist weder ein Kreditantrag noch eine Bonitätsprüfung nötig. Das erleichtert den Einkauf, kann aber auch zur Schuldenfalle werden.
26 Prozent der Deutschen nutzen „buy now, pay later“
26 Prozent der Deutschen haben im vergangenen Jahr die „buy now pay later“-Option beim Einkaufen genutzt. Zwei Drittel von ihnen zahlen regelmäßig mit der zeitverzögerten Option: im Schnitt 4,5 Einkäufe pro Monat. Das zeigen die Ergebnisse aus dem Retail Report vom Zahlungsdienstleister Adyen, der dem Wirtschaftsmagazin Capital vorliegt. Besonders jüngere Kunden machen von „buy now pay later“ Gebrauch: 34 Prozent der Millennials (27-42 Jahre) sowie 27 Prozent der Generation Z (16-26 Jahre) gaben an, die Option der späteren Zahlung zu nutzen. Letztere geben dabei deutlich mehr Geld aus: Eine durchschnittliche Transaktion, die Befragte der Gen Z mit „buy now, pay later“ bezahlen, beläuft sich auf 911 Euro.
Besonders wenn die Kunden häufig und unbedacht mit „buy now, pay later“ zahlen, ist die Gefahr, den Überblick zu verlieren und Schulden anzuhäufen, groß. Dass das besonders junge Menschen betrifft, zeigt nicht nur der Retail Report, sondern auch der Schuldneratlas von Creditreform. Demnach sind Verbraucher zwischen 18 und 30 Jahren die einzige Gruppe, bei denen 2023 mehr Personen überschuldet waren als im Jahr 2022. Auch die Wirtschaftsuniversität Wien beschäftigte sich mit dem Thema und bestätigte, „dass auch junge Menschen schon mit Verschuldungssituationen konfrontiert sind“, wie Forscherin Barbara Dunkl dem Standard erläutert.
Versteckte Kosten und hohe Zinsen
Jungen Menschen fokussieren sich auf den sofortigen Konsum, ohne die Konsequenzen für die Zukunft zu bedenken, so die Kritik der Forscher. Das „buy now pay later“-Modell begünstigt Impulskäufe und die Anhäufung von Schulden. Die verspäteten Zahlungen bergen aber noch mehr Risiken. „Buy now, pay later“ wird in der Regel von Zahlungsdienstleistern wie Klarna oder PayPal angeboten. Die Zahlung wird also von einem Dritten und nicht dem Verkäufer selbst abgewickelt. Dabei lässt sich zwischen zwei Optionen unterscheiden:
- Rechnungsmodell: Der Betrag wird nach 14 oder 30 Tagen der Betrag von Ihrem Konto abgebucht.
- Ratenmodell: Dabei schließen Sie einen Darlehensvertrag mit dem Zahlungsdienstleister ab. Die Rückzahlung erfolgt in Raten über einen Zeitraum von bis zu 48 Monaten. Die Raten werden jeden Monat von Ihrem Konto abgebucht.
Bei der Ratenzahlung können Zinsen anfallen. Diese sind je nach Anbieter unterschiedlich hoch und können bei bis zu 15 Prozent liegen, warnt die Verbraucherzentrale. Die Zinsen verteuern den Einkauf. Werben Anbieter mit einer Ratenzahlung für 0 Prozent, ist dennoch Vorsicht geboten. Häufig fallen trotzdem hohe Zinsen an, zum Beispiel, weil der Aktionszeitraum nur begrenzt war oder andere Regelungen gelten, die nur in den AGBs nachzulesen sind. Ebenfalls wichtig zu wissen: Bei Krediten unter 200 Euro oder bei einer Rückzahlung innerhalb von drei Monaten greift das Verbraucherkreditrecht nicht.
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Diese Kredite zwar können ohne Bonitätsprüfung vergeben werden. Es gibt aber auch kein Recht auf Widerruf. Genauso wenig ist schriftlicher Vertrag nötig, in dem die Kosten für Zinsen und weitere Leistungen geregelt sind. Um versteckte Kosten und Schulden zu vermeiden, rät die Verbrauchernzentrale, „buy now, pay later“ nur in Ausnahmefällen zu nutzen. Dazu braucht es Disziplin – schließlich ist die in der Zukunft liegende Zahlung eine verlockende Option. So können Sie das Zahlungsmodell trotzdem umgehen:
- Impulskäufe umgehen: Wenn Sie dazu neigen, überstürzte Kaufentscheidungen zu treffen, sollen Sie am besten eine Nacht darüber schlafen, bevor Sie die Ware oder die Dienstleistung tatsächlich bestellen. Überlegen Sie, ob Sie das Produkt wirklich brauchen. Mit zeitlichem Abstand können Sie oftmals überlegter Entscheidungen treffen.
- Nur das ausgeben, was Sie auf dem Konto haben: Versuchen Sie, nicht über Ihren Verhältnissen zu leben und sich beim Geldausgeben auf die Summe zu beschränken, die Ihnen tatsächlich zur Verfügung steht.
- Geld sparen: Egal, ob plötzlich höhere Kosten auf Sie zukommen oder Sie sich etwas gönnen möchten – wenn Sie Geld zur Seite gelegt haben, müssen Sie nicht befürchten, dass Sie sich die Ausgaben nicht leisten können. Nach der 50-30-20-Regelung sollten Sie im Bestfall 20 Prozent Ihres Einkommens zur Seite legen. Aber auch kleinere Beträge sparen lohnt sich.
Wenn Sie trotzdem die verzögerte Zahlungsoption nutzen, sollten Sie folgende Tipps beachten, um nicht in eine Schuldenspirale zu geraten:
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- Rechnung bezahlen, bevor Sie den nächsten Ratenkauf tätigen: Achten Sie darauf, nicht zu viele Einkäufe gleichzeitig mit dem „buy now, pay later“-Modell zu bezahlen. Am besten stottern Sie Ihre aktuelle Rechnung oder den Ratenkauf ab, bevor Sie erneut auf Pump kaufen. So verlieren Sie weder den Überblick noch häufen Sie zu viele Fälligkeiten an.
- Zinsen und Gebühren vermeiden: Lesen Sie die Konditionen des Anbieters genau durch. Wenn Zinsen oder Gebühren angallen, sollten Sie lieber auf eine andere Zahlungsmethode zurückgreifen.
- Konto deckeln: Legen Sie das Geld für die Rate zu Beginn eines jeden Monats zur Seite. So können Sie sich sicher sein, dass zum Zeitpunkt der Abbuchung genug Geld auf dem Konto ist.
Zudem versucht auch die Politik, den rechtlichen Rahmen für Onlinekäufe strikter zu gestalten. Im Oktober 2023 haben die EU-Länder eine neue Verbraucherkreditrichtlinie auf den Weg gebracht: Kreditinformationen müssen künftig verständlicher dargestellt werden und auch die Vorschriften für Werbung werden strenger.
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