Aktive Regionen kehren zurück
Fachleute verfolgen verdächtige Sonnenaktivität – Gibt es neue Polarlichter über Deutschland?
Eine aktive Sonnenregion, die 25 Flares in nur sieben Tagen hervorbrachte, nähert sich wieder der Sonnenvorderseite. Stehen neue Polarlichter bevor?
Frankfurt – Im Mai 2024 konnten Menschen in großen Teilen Europas ein unglaubliches Farbenspektakel am Himmel erleben: Ein Sonnensturm hatte die Erde getroffen und für farbenfrohe Polarlichter gesorgt. Seitdem gab es zwar mehrmals Polarlicht bis in mittlere Breiten zu sehen – doch ein Spektakel wie im Mai 2024 blieb bisher aus. Ob man in absehbarer Zeit so etwas erneut erleben kann, können Fachleute nicht vorhersagen. Doch ob die Seite der Sonne, die der Erde zugewandt ist, Aktivität zeigen wird, kann in einem gewissen Rahmen prognostiziert werden.
Dazu schauen sich die Fachleute an, was auf der Rückseite der Sonne passiert – zumindest, soweit sie es beobachten können. Genau wie die Erde dreht sich auch die Sonne um sich selbst. Das kann man besonders gut daran erkennen, wie Sonnenflecken über die Sonnenoberfläche wandern: Sie tauchen auf der linken Seite der Sonnenscheibe auf, wandern innerhalb von ein paar Tagen in die Mitte und benötigen noch einmal genauso lange, um auf der rechten Seite zu „verschwinden“. Tatsächlich verschwinden sie jedoch nicht, sondern befinden sich auf der erdabgewandten Seite der Sonne.
Die Aktivität der Sonne kann auf der Erde für Polarlichter sorgen
Manche Sonnenflecken und aktive Regionen auf der Sonnenoberfläche bleiben lange Zeit bestehen und tauchen danach auf der linken Seite der Sonnenscheibe wieder auf. Und genau das erwarten Fachleute derzeit. „Eine der aktiven Regionen produzierte innerhalb einer einzigen Woche 25 Flares der Klasse M, während sie sich auf der der Erde zugewandten Seite der Sonne befand“, berichtet Kiran Jain vom National Solar Observatory (NSO) in den USA auf Anfrage von fr.de von Ippen.Media. Auf der Rückseite der Sonne habe sie weiterhin „energiereiche Ereignisse erzeugt“, so die Expertin.
Insgesamt haben Fachleute mehrere aktive Regionen im Visier. „Helioseismische Fernbildaufnahmen deuten darauf hin, dass es sich um mittelgroße bis große Regionen handelt“, betont Jain. „Wenn sie in den kommenden Tagen wieder in das Blickfeld der Erde zurückkehren, können sie intensive Flares, koronale Massenauswürfe und möglicherweise Polarlichter erzeugen – je nachdem, ob die CMEs auf die Erde gerichtet sind“.
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Wenn geladenes Sonnenplasma auf das Erdmagnetfeld trifft, entsteht Polarlicht
Jain spielt damit auf den Zusammenhang zwischen der Sonnenaktivität und Polarlichtern an: Ein koronaler Massenauswurf (CME) schleudert geladenes Plasma ins Weltall. Trifft dieses Plasma auf das Magnetfeld der Erde und interagiert mit ihm, nennt man das einen geomagnetischen Sturm – und dieser kann farbenfrohe Polarlichter auslösen. Je heftiger der Sonnensturm ist, desto weiter von den Polen der Erde entfernt kann man die Polarlichter sehen.
Solar Activity Report: Oct 13–19, 2025 ☀️
— National Solar Observatory (@NatSolarObs) October 21, 2025
Solar activity remained moderate this week, with M-class flares occurring daily. Active Region 14246 dominated, producing 25 of 28 M-class flares, including the strongest event—M4.8 on Oct 15. pic.twitter.com/50claRoYoH
Allerdings ist das nicht alles, was ein geomagnetischer Sturm auf der Erde und im erdnahen Orbit auslösen kann: Satelliten können Probleme bekommen, wenn sie von einem solchen Sonnensturm getroffen werden. Auch Funksignale und Radaranlage können Fehlfunktionen haben, wie ein besonders drastischer Fall aus dem Kalten Krieg zeigt. Auf der Erde kann vor allem das Stromnetz in Mitleidenschaft gezogen werden – außerdem dürften die durch einen Sonnensturm ausfallenden Satellitendaten für größere Probleme sorgen.
Sonnenzyklus hat seinen Höhepunkt bereits überschritten
Die Sonne hat einen etwa elf Jahre dauernden Aktivitätszyklus. „Der aktuelle Sonnenaktivitätszyklus ist nach seinem Höhepunkt vor etwa einem Jahr in seine Abklingphase eingetreten“, erklärt Jain. „Im Gegensatz zur anhaltenden magnetischen Aktivität, die für das Sonnenmaximum typisch ist, ist die Abklingphase durch zeitweilige Aktivitätsschübe gekennzeichnet, wobei sich hochaktive und ruhende Regionen abwechseln.“ Die Forschung beobachtet die Sonne daher immer – und nicht nur während des Zyklus-Höhepunkts. (Quellen: eigene Recherche, NSO-Anfrage) (tab)
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