Seltenes Phänomen
Meteor über NRW begeistert Experten – „Das war ein absolut freudiges Ereignis“
Eine Meteorsichtung über NRW sorgte für Schlagzeilen und Aufregung im Internet. Eine Expertin erklärt, was es genau mit dem Phänomen auf sich hatte.
Der Lichtblitz, den am Sonntag, 8. März, zahlreiche Menschen von NRW aus gesichtet haben, sorgt auch am Folgetag noch für eine Menge Gesprächsstoff. Diversen Medienberichten zufolge handelte es sich um einen Meteoriten – der ein Bundesland weiter, in Rheinland-Pfalz, auf ein Haus gestürzt ist und dort minimale Schäden angerichtet hat. Aber was genau ist da vom Himmel gekommen? Eine Expertin aus NRW erklärt das Phänomen.
„Das war ein absolut freudiges Ereignis. Es ist ja niemand zu Schaden gekommen“, sagt Prof. Dr. Susanne Hüttemeister vom Planetarium Bochum im Gespräch mit wa.de. Die Astronomin und Astrophysikerin hat die Entwicklungen aufmerksam verfolgt – sie selbst habe das Ereignis aber um knappe zehn Minuten verpasst. „Wir haben hier aber relativ schnell Videos gesehen. Mein erster Gedanke war: Da muss unten was angekommen sein“, sagt sie.
Meteorit schlägt in Koblenz ein: Keine Verletzten
Damit sollte sie Recht behalten: In Koblenz in Rheinland-Pfalz wurde ein Hausdach von einem Meteoriten getroffen. Der Brocken habe erst das Dach durchschlagen und sei dann im Schlafzimmer des Hauses gelandet, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Verletzt wurde dabei niemand. „Für die Person ist es vielleicht eher noch ein Glücksfall, wenn er das Meteoritenstück behalten darf“, sagt Hüttemeister. Die Expertin vermutet anhand der Bilder, dass es sich dabei um einen sogenannten Chondrit handelt – den häufigsten Meteoritentyp.
Dass über Deutschland, geschweige denn NRW, ein solches Lichtspektakel zu sehen ist, sei eine absolute Seltenheit. Dennoch verbreiteten sich schon kurze Zeit später eine Menge Videoaufnahmen. Wenngleich es sich bei dem Stein, der in Koblenz gefunden wurde, zweifelsohne um ein Meteoritenteil handle, müsse man dennoch eine wichtige Unterscheidung machen. Hüttemeister erklärt: „Das, was man am Himmel gesehen hat, ist kein Meteorit. Das, was die Leute da gesehen haben, heißt Meteor. Das ist die Leuchterscheinung. Der Meteorit ist das Steinchen, das unten ankommt.“
Wenn der Gesteinsbrocken noch im Weltall unterwegs ist, heißt er übrigens Meteoroid. Trifft ein solcher auf die Erdatmosphäre, zerfällt er meist in kleine Stücke. Viele von ihnen verglühen, andere fallen in Form von Meteoriten auf die Erde. Beim Eintritt in die Atmosphäre entsteht dann der Lichtblitz, den am vergangenen Sonntag so viele Menschen beobachtet haben. „Man sah ja auch, dass da was abgeplatzt ist. Da gab es eine Art Explosion“, sagt Hüttemeister. Nach dem Aufleuchten fallen die Gesteinsreste aber nicht einfach geradeaus auf den Boden. In der sogenannten Dunkelphase kann die Flugbahn sie noch viele Kilometer weitertragen – ins nächste Bundesland zum Beispiel.
Flugbahn eines Meteoriten kann genau berechnet werden
Dokumentiert wird die Flugbahn unter anderem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dafür sind in ganz Europa Kameras verteilt, die solche Ereignisse festhalten. „Man muss mindestens von drei Stationen die Daten sehen, um die Bahn zu errechnen“, erklärt Hüttemeister. Die Daten dieses sogenannten Feuerkugelnetzwerks seien vor allem dann wichtig, wenn der Meteorit nicht gerade ein Haus treffe und dadurch die Flugbahn schon sehr genau eingrenze. Hüttemeister geht davon aus, dass noch weitaus mehr Steine auf die Erde gefallen sind. „Da werden in den nächsten Tagen hobbymäßig viele Menschen auf die Suche gehen“, sagt sie.
Eine Gefahr sei von dem Ereignis übrigens nicht ausgegangen, sagt Hüttemeister. Viele hielten den Lichtblitz am Sonntag für ein abstürzendes Flugzeug oder gar eine Rakete. Dass die Menschen mit Besorgnis auf die Feuerkugel reagiert haben, sei daher verständlich. Berichte darüber, dass schon einmal ein Mensch durch einen Meteoriten tödlich verletzt worden ist, finden sich zwar im Internet – sie gelten jedoch als nicht gesichert. Klar ist aber, dass die Gefahr, durch einen Meteoriten verletzt zu werden, äußerst gering ist. Das Pech hatte übrigens die US-Amerikanerin Ann Hodges, die nachweislich im Jahr 1954 von einem Meteoriten getroffen wurde, dies aber überlebte.
Erst vor Kurzem sorgte ein anderes Himmelsphänomen über NRW für große Begeisterung: Im Januar waren im gesamten Bundesland Polarlichter mit bloßem Auge erkennbar.
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