Geomagnetischer Sturm
Polarlichter über NRW: Himmelsphänomen mit bloßem Auge fast überall zu sehen
Am 19. Januar erstrahlten Polarlichter über NRW. Das seltene Phänomen lockte viele Menschen nach draußen. Ein geomagnetischer Sturm machte es möglich.
Hamm – Ein Himmelsspektakel verzauberte am späten Montagabend, 19. Januar, die Menschen in Nordrhein-Westfalen: Polarlichter, die normalerweise nur in den entlegenen Regionen des hohen Nordens zu bewundern sind, erstrahlten plötzlich über dem Münsterland, dem Sauerland, dem Ruhrgebiet und anderen Teilen von NRW – und auch in der Region Hamm oder über Soest und Warstein waren sie mit bloßem Auge zu erkennen.
Was Millionen von Menschen normalerweise nur auf teuren Reisen nach Island oder Norwegen erleben, bot sich direkt vor der Haustür: grüne, rötliche und violette Lichtschleier, die wie mystische Vorhänge über den Nachthimmel tanzten. Das Phänomen war dabei so intensiv, dass es sogar mit bloßem Auge deutlich erkennbar war – ein seltenes Geschenk der Natur an die Bewohner unserer Breiten, das viele Hobby- und Profifotografen trotz der niedrigen Temperaturen noch vor die Tür nach draußen lockte.
Polarlichter in Deutschland – ein kosmisches Geschenk
Die Entstehung von Polarlichtern gleicht einem kosmischen Austausch zwischen Sonne und Erde. Unser Zentralstern schleudert kontinuierlich einen Strom geladener Teilchen – hauptsächlich Elektronen und Protonen – mit enormer Geschwindigkeit ins All. Doch unser Planet ist nicht schutzlos diesem Teilchenbombardement – Sonnenwind heißt er – ausgesetzt: Das Erdmagnetfeld fungiert wie ein gigantischer unsichtbarer Schutzschild, der die meisten dieser energiegeladenen Partikel um unseren Planeten herumleitet .
Was die Polarlichter so faszinierend macht, ist ein physikalischer Prozess von beeindruckender Eleganz. Während das Erdmagnetfeld die Sonnenwindteilchen größtenteils ablenkt, sammeln sich einige in der sogenannten Plasmaschicht und werden entlang der Magnetfeldlinien zu den Polen geleitet. Dort, etwa 150 Kilometer über der Erdoberfläche, treffen diese energiegeladenen Elektronen auf die Moleküle unserer Atmosphäre – hauptsächlich Sauerstoff und Stickstoff. Bei dieser kosmischen Kollision geben die Teilchen ihre Energie ab und regen die Gasmoleküle zum Leuchten an. Je nach betroffenem Gas und Höhe entstehen unterschiedliche Farben: Sauerstoff erzeugt das charakteristische Grün in etwa 300 Kilometern Höhe oder Rot in größeren Höhen, während Stickstoff für violette und blaue Töne verantwortlich ist.
Polarlichter leuchten über NRW – ganz viele Bilder vom Himmelsphänomen




Normalerweise bleiben Polarlichter auf die Regionen nahe der magnetischen Pole beschränkt. Doch in der Nacht zum 20. Januar wurde ein außergewöhnlicher geomagnetischer Sturm der Stufe G4 registriert. Solche Sonnenstürme entstehen, wenn die Sonne besonders aktiv ist und massive Teilchenwolken ins All schleudert – ein Phänomen, das derzeit häufiger auftritt, da sich die Sonne 2025 im Maximum ihres elfjährigen Aktivitätszyklus befindet.
Diese kosmischen Unwetter können das Polarlichtoval dramatisch erweitern und die farbigen Lichterscheinungen bis weit in mittlere Breiten wie Deutschland sichtbar machen. So wird aus einem normalerweise arktischen Privileg ein Naturschauspiel, das plötzlich Millionen von Menschen in dicht besiedelten Regionen wie NRW erleben können – wie jetzt auch in dieser Nacht.
Rubriklistenbild: © Daniel Schröder