Blutige Woche im Iran
Dramatische Eskalation bei Iran-Protesten: 29 Tote gemeldet
Die iranische Regierung hüllt sich bezüglich der Unruhen im Land in Schweigen – Informationen zu möglichen Opfern bleiben aus. Die Iran-Proteste nehmen zu.
Update, 6. Januar, 5:39 Uhr: Die Gewalt im Iran nimmt weiter zu: Mindestens 29 Menschen sind mittlerweile bei den Demonstrationen gegen die Wirtschaftskrise ums Leben gekommen. Das US-amerikanische Menschenrechtsnetzwerk HRANA berichtet von mehr als 1.200 Festnahmen im Zuge der landesweiten Proteste gegen die autoritäre Staatsführung. Aktivisten dokumentierten Protestkundgebungen in mindestens 88 Städten aus 27 der 31 Provinzen. Nach gewaltsamen Eingriffen der Sicherheitskräfte vor allem in ländlichen Gebieten erreichten die Demonstrationen erneut Metropolen wie Teheran und Maschhad. UN-Generalsekretär António Guterres an die Führung in Teheran appelliert, das Recht auf „friedlichen Protest“ zu respektieren.
Proteste im Iran: Gewalt nimmt weiter zu – Viele Tote gemeldet
Erstmeldung: Teheran – Mindestens 19 Tote in knapp einer Woche – die Bilanz der anhaltenden Proteste im Iran wird täglich dramatischer. Was als wirtschaftlicher Protest begann, fordert nun Menschenleben und stellt das Regime vor die Frage, wie weit es bei der Niederschlagung der Demonstrationen gehen will. Das geistliche Oberhaupt des Iran steht dabei vor einem Dilemma.
Ayatollah Ali Chamenei bezeichnete die Forderungen der Demonstranten als „berechtigt“, warnte gleichzeitig aber vor „Aufrührern“, die „in die Schranken verwiesen werden“ müssten. Diese zwiespältige Reaktion spiegelt die Herausforderung wider, mit der sich das Regime konfrontiert sieht, während die Proteste in die zweite Woche gehen.
Proteste im Iran: Mindestens 19 Menschen getötet
Die Proteste im Iran gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage haben sich in der zweiten Woche intensiviert und sind zunehmend gewaltsamer geworden. Bei den Unruhen im Iran sind nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation inzwischen mindestens 19 Demonstranten getötet worden. Hunderte weitere seien verletzt und festgenommen worden, teilte Iran Human Rights mit Sitz in Oslo in seinem jüngsten Bericht mit.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran




Was zunächst als Protest von Händlern in Teheran begann, hat sich mittlerweile auf mindestens 40 vor allem mittelgroße Städte im Westen des Landes ausgeweitet. Studierende in zahlreichen Städten schlossen sich der Protestbewegung an. Die Demonstranten skandierten regierungskritische Slogans, darunter „Tod dem Diktator“, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete.
Besonders dramatisch war die Situation in Malekschahi, einem Landkreis im Westiran mit etwa 20.000 Einwohnern, in dem viele kurdische Iraner und Angehörige der Minderheit der Loren leben. Nach Angaben der norwegischen Menschenrechtsorganisation Hengaw schossen die Revolutionsgarden dort auf Demonstranten und töteten mindestens vier kurdische Iraner. Dutzende weitere Menschen seien verletzt worden. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete den Tod eines Mitglieds der Revolutionsgarden „bei der Verteidigung der Sicherheit des Landes“ sowie eines Basidsch-Milizionärs „durch Messerstiche und Schüsse“.
Proteste im Iran eskalieren: Rufe nach Rückkehr der Monarchie
In Teheran selbst blieb die Lage am Sonntag tagsüber zunächst ruhig. Die meisten Geschäfte waren geöffnet, wichtige Verkehrsknotenpunkte wurden von Sicherheitskräften überwacht. In der Nacht zuvor waren jedoch nach Angaben der US-amerikanischen NGO HRANA Menschen in der Hauptstadt, der südlichen Stadt Schiras und im Westiran auf die Straßen gegangen. Neben der massiven Kritik an der gegenwärtigen Führung werden dabei auch Rufe nach einer Rückkehr der Monarchie laut, die durch die islamische Revolution 1979 gestürzt worden war.
Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, äußerte sich am Samstag zu der Protestwelle. Er nannte die Forderungen der Händler „berechtigt“ und forderte die Behörden auf, mit den Demonstrierenden in einen Dialog zu treten. Gleichzeitig richtete er jedoch eine deutliche Warnung an „Aufrührer“, die „in die Schranken verwiesen werden“ müssten.
Das Ausmaß der aktuellen Proteste erreicht bisher nicht das der Massendemonstrationen von 2022, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden waren. Während jener Proteste waren hunderte Menschen, darunter Dutzende Sicherheitskräfte, getötet worden. Tausende Menschen wurden inhaftiert, mehrere der Festgenommenen wurden hingerichtet. (Quellen: dpa, AFP) (fbu)
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