„Politisches Zögern“

Kampfjet-Streit eskaliert – Grüne-Chefin macht Merz Druck: „Massiver Rückschlag“

FCAS galt als Schlüsselprojekt für Europas Verteidigung. Nun steht das Vorhaben vor dem Aus. Scharfe Worte findet Grünen-Chefin Brantner.

Eigentlich will Europa wehrhafter werden – auch angesichts der erratischen Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump. Das Vertrauen in die USA als wichtigster NATO-Partner bröckelt. Doch das geplante deutsch-französische Luftkampfsystem FCAS steht nun offenbar vor dem Aus.

Das Kampfjetprojekt FCAS ist vor dem Aus – die Grünen appellieren an Kanzler Merz.

Der Opposition im Bundestag bereitet das Sorgen: „Das Scheitern von FCAS wäre ein massiver Rückschlag für Europas Sicherheit in einer gefährlichen und unberechenbaren Weltlage. Gerade jetzt braucht es entschlossenes Handeln statt politischem Zögern“, sagt Grünen-Chefin Franziska Brantner im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Wer europäische Stärke ernst meint, darf ein Schlüsselprojekt wie FCAS nicht an nationalen Egoismen scheitern lassen. Jetzt braucht es klaren politischen Willen, verbindliche Entscheidungen und eine echte Priorität für europäische Verteidigungskooperation.“ Friedrich Merz müsse diese Woche „alles daran setzen, den deutsch-französischen Motor wieder in Gang zu bringen“, so die Grünen-Chefin.

FCAS-Kampfjet vor dem Aus – Appell der Grünen an Merz-Regierung

Die Abkürzung FCAS steht für Future Combat Air System. Bisherigen Planungen zufolge sollten neben einem gemeinsamen Kampfjet auch Drohnen und neue Kommunikationssysteme zum Projekt gehören. In den 2040er-Jahren sollte es einsatzfähig sein und starten. Aber ein Führungsstreit zwischen den beteiligten Konzernen Dassault und Airbus verzögert das Vorhaben seit Monaten.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte das 100 Milliarden Euro teure Projekt, an dem auch Spanien beteiligt ist, vor einigen Monaten erstmals offen in Frage gestellt. Zuletzt mehrten sich in Deutschland und Frankreich Stimmen, die die Entwicklung zweier verschiedener Kampfjets forderten und die Zusammenarbeit auf Drohnen und weitere Komponenten beschränken wollen – anders also, als etwa beim deutsch-norwegischen U-Boot-Projekt 212D: Die beiden NATO-Partner haben die hochmodernen U-Boote gemeinsam entwickelt, die Besatzungen beider Streitkräfte sollen sich sofort in den baugleichen Booten des jeweils anderen Landes zurechtfinden.

Das deutsch-französische Projekt indes könnte bereits gescheitert sein. Die von den Regierungen in Berlin und Paris eingesetzten Mediatoren erzielten Berichten zufolge bei einem „letzten Vermittlungsversuch“ keine Einigung. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es dazu am Samstag lediglich, die Mediatoren hätten ihre Berichte vorgelegt. In den nächsten Tagen werde die Bundesregierung mit Frankreich darüber beraten. (Quellen: Franziska Brantner, AFP, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © Michael Matthey, Ricardo Stuckert/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare