Starlink-Sperre wirkt an
„Bemerkenswerter“ Triumph im Ukraine-Krieg: Armee befreit in vier Tagen 200 Quadratkilometer
Die Ukraine rückt so schnell vor wie lange nicht mehr. Laut ISW spielt Russlands Starlink-Sperre eine Schlüsselrolle. Moskau sucht nach Ersatz.
Kurz vor neuen Gesprächen über ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs hat die ukrainische Armee massivst Gebiet zurückgewonnen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei offenbar die Starlink-Sperre, die Russlands Kommunikation ins Aus katapultiert hat. Die Ukraine feiert Erfolge in der Gegenoffensive: Zwischen Mittwoch und Sonntag (11.–15. Februar) soll sie 201 Quadratkilometer eigenes Staatsgebiet zurückerobert haben.
Das ging aus einer AFP-Analyse von Daten des Institute for the Study of War (ISW) hervor. Einen solchen Vorstoß habe es seit Beginn der Gegenoffensive im Sommer 2023 nicht mehr gegeben. Jüngsten Erfolge entsprächen damit fast den russischen Geländegewinnen des gesamten Monats Dezember, die bei rund 244 Quadratkilometern lagen.
Ukraine nutzt Russlands Starlink-Sperre aus – holt sich im Ukraine-Krieg Gebiet zurück
Nach Angaben des ISW konzentrierten sich die ukrainischen Rückeroberungen vorwiegend auf eine Zone etwa 80 Kilometer östlich von Saporischschja. Dort waren russische Truppen seit dem Sommer 2025 deutlich vorgerückt. Mitte Februar kontrollierte Moskau laut AFP-Analyse insgesamt rund 19,5 Prozent des ukrainischen Territoriums ganz oder teilweise; ein Jahr zuvor waren es demnach 18,6 Prozent. Die Krim und ein Teil des Donbass (etwa sieben Prozent) standen schon vor dem Ukraine-Krieg unter russischer Kontrolle.
„Diese ukrainischen Gegenangriffe nutzen wahrscheinlich die Blockierung des Zugangs der russischen Streitkräfte zum Satellitensystem Starlink aus, die laut russischen Militärbloggern die Kommunikation und die Führung beeinträchtigt“, erklärte das ISW. Der Tech-Milliardär und SpaceX-Gründer Elon Musk hatte zuvor „Maßnahmen“ gegen die russische Nutzung von Starlink angekündigt.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks




Militärexperten sprechen von „bemerkenswertem Vormarsch“ – Russland sucht Starlink-Alternative
Laut Kiew hätten russische Drohnen mithilfe von Starlink zuvor elektronische Störsysteme umgehen und Ziele präzise angreifen können. Nachdem die Unterbrechung am 5. Februar festgestellt wurde, scheint Russland nach wie vor keine Alternative gefunden zu haben. Laut der TASS habe Russland ein stratosphärisches Kommunikationssystem namens „Barrage-1“ getestet. Demnach handelt es sich um ein russisches Produkt mit überwiegend russischen Komponenten. Russische Militärblogger hätten jedoch laut dem ISW eingeräumt, dass eine einzelne Plattform kein gleichwertiger Ersatz für ein Satellitennetzwerk sei.
Der österreichische Oberst Markus Reisner beurteilte im Interview mit n-tv den Vormarsch der ukrainischen Truppen als „bemerkenswert“. Laut Reisner seien ukrainische Einheiten in mehreren Frontabschnitten gleichzeitig mehrere Kilometer vorgestoßen, unter anderem nahe Kupjansk sowie im Raum Pokrowsk. „Nun wird der weitere Erfolg davon abhängen, ob die Russen den Angriff zum Stehen bringen“, so Reisner.
Der Oberst führte die Erfolge auch auf eine „poröse“ Frontlage zurück, bei der kleine Einheiten beider Seiten in einer durchlässigen Grauzone operierten. Reisner schilderte: „Oft lassen die ukrainischen Verteidiger die Russen auch erst mal vorbeimarschieren, weil im hinteren Bereich die Drohnen warten, die den russischen Angriff stoppen.“
Neue Gespräche in Genf mit den USA: zum Ukraine-Krieg und zum Atomdeal mit dem Iran
Parallel zu den Gefechten treffen sich russische und ukrainische Delegationen am Dienstag (17. Februar) und Mittwoch in Genf zu einer neuen Runde von Gesprächen, die von den USA vermittelt werden. Laut der Kyiv Post sollen die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen stattfinden. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, die Ukraine müsse sich schnell auf ein Abkommen zubewegen. „Die Ukraine sollte sich besser schnell an den Verhandlungstisch setzen“, so Trump vor den Verhandlungen.
Die Ukraine und Russland hatten bereits in früheren Gesprächsrunden in Abu Dhabi keine Einigung erzielt, insbesondere wegen unterschiedlicher Positionen zu territorialen Fragen. Die ukrainische Delegation wird laut der Kyiv Post vom früheren Verteidigungsminister Rustem Umerow geführt. Auf russischer Seite übernimmt erneut der Nationalist und ehemalige Kulturminister Wladimir Medinski die Rolle des Chefunterhändlers.
US-Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner sollen für die USA an den trilateralen Gesprächen zum Ukraine-Krieg teilnehmen. Kurz davor führen sie, ebenfalls in Genf, Gespräche mit iranischen Vertretern. Thema ist der angestrebte Atom-Deal. Dort ist die Stimmung im Vorfeld angespannt: US-Präsident Trump hatte mehrfach vage militärische Drohungen geäußert, der Iran konterte. Darin Russland enger Partner des Irans ist, könnten sich die Gespräche auch aufeinander auswirken – vor allem vor dem Hintergrund der ukrainischen Rückeroberungen. (Quellen: AFP, Kyiv Post, TASS, n-tv, eigene Recherche) (lismah)
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