USA und Iran-Konflikt
Hegseth und der Iran-Krieg: Trump sucht Sündenbock im Weißen Haus
Donald Trump belastet Verteidigungsminister Pete Hegseth schwer. Im Streit um den Iran-Krieg deutet vieles auf ein neues Manöver hin.
US-Präsident Donald Trump hat seinen Verteidigungsminister Pete Hegseth im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran erneut öffentlich belastet. Bei einem Auftritt im Oval Office stellte Trump Hegseth als einen derjenigen dar, die ein Ende des Konflikts nicht gewollt hätten. Damit schiebt der Präsident zum wiederholten Mal zentrale Verantwortung für den Verlauf des Krieges an seinen Minister weiter.
Trump sagte wörtlich, Hegseth habe nicht gewollt, „dass [der Krieg] beigelegt wird“. Schon am Montag hatte der Präsident erklärt, Hegseth sei der „Erste“ gewesen, der bei Beratungen im Weißen Haus einen Angriff auf den Iran vorgeschlagen habe. Der Eindruck ist klar: Trump versucht, sich selbst als übergeordnete Instanz darzustellen und zugleich mögliche politische Verantwortung nach unten weiterzureichen.
Trump belastet Hegseth im Streit um den Iran-Krieg
Bei einer Veranstaltung in Tennessee schilderte Trump die damalige Beratungssituation noch konkreter. „Pete, ich glaube, du warst der Erste, der sich zu Wort gemeldet hat, und du hast gesagt: ,Lass es uns tun, denn man kann ihnen keine Atomwaffe lassen‘“, sagte Trump dem Bericht zufolge in Anwesenheit von Hegseth. Der Verteidigungsminister wird damit von Trump selbst als früher und entschlossener Fürsprecher eines militärischen Vorgehens dargestellt.
Das passt zu dem Bild, das frühere Weggefährten von Hegseth zeichnen. Sein früherer Pressesprecher John Ullyot beschrieb ihn laut The Telegraph als Selbstdarsteller mit einer „Neigung zu Performancekunst“. Hegseth selbst habe seine harte Linie in dem Konflikt mehrfach demonstriert, unter anderem mit Drohungen, „Tod und Zerstörung vom Himmel“ regnen zu lassen, und mit der Behauptung, die USA würden „den Feind zerschmettern“.
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Pete Hegseth steht laut Bericht nicht immer auf Trump-Linie
Allerdings deutet der Bericht auch auf Spannungen zwischen Trump und Hegseth hin. So sagte der Verteidigungsminister am 8. März in der CBS-Sendung 60 Minutes, der Krieg habe „gerade erst begonnen“. Nur wenige Stunden später erklärte Trump hingegen, der Konflikt könne „sehr bald“ enden.
Diese Widersprüche nähren Spekulationen, dass Hegseth im Machtzentrum der US-Regierung zunehmend unter Druck gerät. Bei der Sitzung im Oval Office am Dienstagnachmittag, bei der Senator Markwayne Mullin als Nachfolger von Kristi Noem für das Amt des Heimatschutzministers bestätigt wurde, legte Trump noch einmal nach. Der Präsident machte dabei weitere rätselhafte und weitreichende Aussagen zum Kriegsverlauf.
Trump spricht von „großem Geschenk“ im Iran-Krieg
Trump behauptete, der Iran habe den USA ein „großes Geschenk“ gemacht. „Sie haben uns ein Geschenk gemacht und das Geschenk ist heute angekommen. Und es war ein sehr großes Geschenk, unglaublich viel Geld wert. Und ich werde Ihnen nicht sagen, was dieses Geschenk ist, aber es war ein sehr bedeutender Preis“, sagte Trump laut The Telegraph. Was genau er damit meinte, ließ der Präsident offen.
Zugleich erklärte Trump, die USA hätten „den Krieg gewonnen“ und sogar einen Regimewechsel erreicht. „Ich sage das nicht gern. Wir haben das mit diesem gewonnen“, sagte der Präsident demnach zu Reportern. Außerdem behauptete er: „Der Krieg ist gewonnen. Der Einzige, der ihn weiterlaufen lassen will, sind die Fake News.“
Bericht: Trump könnte Hegseth als Sündenbock aufbauen
Nach Informationen von The Telegraph war intern schon zuvor darüber gesprochen worden, dass Hegseth bei sinkender Zustimmung zum Krieg zum politischen Blitzableiter werden könnte. „Es ist sehr gut möglich, dass Präsident Trump ihn in Stellung bringt“, sagte ein ehemaliger Mitarbeiter des Trump-Weißen Hauses der Zeitung bereits Anfang des Monats. Die jüngsten Aussagen des Präsidenten passen zu genau diesem Muster.
Auch aus dem Pentagon kam dem Bericht zufolge eine ähnliche Einschätzung. Eine Quelle sagte, Hegseth könne einen Teil der Kritik am Krieg deshalb abfedern, weil er „so völlig überdreht und abgekoppelt von dem wirkt, was Präsident Trump wirklich denkt“. Damit wäre der Verteidigungsminister aus Sicht des Weißen Hauses ein naheliegender Kandidat, um politische Schäden von Trump fernzuhalten.
Kristi Noem dient als warnendes Beispiel für Trumps Kurs
Wie schnell Trump enge Vertraute fallenlassen kann, zeigt laut Bericht der Fall Kristi Noem. Trump entließ die Heimatschutzministerin am 5. März, nachdem eine schwere Einwanderungsoperation in Minneapolis eskaliert war und zwei US-Bürger von Bundesagenten erschossen wurden. Der Präsident versuchte danach offenbar, auf Distanz zu den Vorgängen zu gehen.
Dem Bericht zufolge widersprach Trump später Behauptungen von Noem und anderen Regierungsvertretern, einer der Getöteten sei ein „inländischer Terrorist“ gewesen. Zusätzlich soll Trump verärgert gewesen sein, als Noem erklärt habe, er habe eine aufwendige Werbekampagne mit ihr auf einem Pferd in den Bergen gebilligt. Zwei Tage später war sie aus dem Amt verschwunden.
Iran-Krieg verschärft Machtkampf im Weißen Haus
Die Aussagen des Präsidenten legen damit nahe, dass der Iran-Krieg längst nicht nur ein außenpolitischer Konflikt ist. Er ist auch Teil eines Machtkampfes innerhalb der Trump-Regierung, bei dem Loyalität, öffentliche Wirkung und politische Absicherung eine zentrale Rolle spielen. Hegseth steht dabei nun sichtbar im Fokus.
Ob Trump seinen Verteidigungsminister am Ende tatsächlich fallen lässt, bleibt offen. Doch die öffentliche Distanzierung des Präsidenten ist unübersehbar. Gerade weil Trump Hegseth erst als Antreiber des Angriffs und nun als Gegner eines Kriegsendes darstellt, wächst der Eindruck, dass im Weißen Haus bereits die Suche nach einem Verantwortlichen läuft. (Dieser Artikel von Ben Stockton entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)
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