Trump optimistisch

Lage in Nahost: USA und Iran setzen Angriffe fort – naht das Ende der Friedensverhandlungen?

Trotz Waffenruhe melden die USA und der Iran erneut Angriffe. Im Libanon ist von Waffenstillstand keine Spur. Folgt eine erneute Eskalation?

Die USA und der Iran haben sich in der Golfregion erneut gegenseitig attackiert – trotz der seit fast zwei Monaten geltenden Waffenruhe. Es ist bereits der zweite Vorfall innerhalb weniger Tage. Gleichzeitig läuft der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon weiter, entgegen iranischer Forderungen, auch im Libanon für einen Waffenstillstand zu sorgen. Die Friedensverhandlungen stehen auf wackligen Beinen.

Bisher kein Frieden im Iran in Sicht: Die Verhandlungen mit Teheran für ein Friedensabkommen laufen zäh (Symbolbild).

Die USA wehrten laut eigenen Angaben vier Angriffsdrohnen auf dem Weg zur Straße von Hormus und sechs ballistische Raketen ab, die vom Iran auf die US-Verbündeten Kuwait und Bahrain abgefeuert wurden. Eine Rakete habe zusätzlich das Ziel verfehlt. Welche Waffensysteme vom US-Militär genutzt wurden, ist zunächst unklar. Iranische Meldungen, wonach in Bahrain das Hauptquartier der US-Marine in der Golfregion beschädigt worden sei, dementierte das US-Militär.

Neue Kämpfe? USA greifen Radarstationen im Iran an – Teheran reagiert mit Angriffen auf US-Verbündete

Anschließend attackierte das US-Militär Überwachungsradarstationen an der Küste in Goruk und auf Qeshm, wie es in einer Mitteilung des US-Zentralkommandos hieß. Die iranischen Revolutionsgarden teilten laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim kurz daraufhin mit, als Reaktion auf die US-Angriffe habe man Stützpunkte des Feindes in der Region attackiert. Kuwaits Luftabwehr war laut Angaben der Armee zuvor gegen Angriffe mit Raketen und Drohnen im Einsatz. Auch in Bahrain gab es am frühen Morgen Raketenalarm. Dennoch ließen sich die Angaben beider Kriegsparteien zunächst nicht unabhängig prüfen.

Die Anschuldigungen nach den Angriffen folgen bekannten Mustern. Die iranische Führung begründete die Angriffe mit einer Vergeltung für die Angriffe des US-Militärs. In Washington sprach man wiederum von Selbstverteidigung im Angesicht von Provokationen oder Angriffen durch den Iran. Laut der New York Times warnte Teheran, bei erneuten US-Angriffen könne die Antwort stärker ausfallen.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Iran-Krieg - Iran
Angriff auf den Iran - Iran
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Spannungen zwischen Iran und USA steigen – auch Libanon-Kämpfe gehen weiter

Die vermehrten Angriffe bedrohen den Waffenstillstand zwischen dem Iran, den USA und Israel. Erst wenige Tage zuvor war es bereits zu Spannungen zwischen dem Iran und US-Verbündeten gekommen, als am Mittwoch (3. Juni) eine Drohne den internationalen Flughafen von Kuwait getroffen hatte. Dabei wurde mindestens ein Mensch getötet, Dutzende weitere wurden verletzt.

Im Libanon laufen die Kämpfe ebenfalls weiter. Israel will dort mit den Angriffen gegen die Hisbollah-Miliz vorgehen. In der Nacht auf Samstag (6. Juni) ertönte im Norden Israels Waffenalarm. Eine Drohne sei abgefangen worden, teilte die israelische Armee auf Telegram mit. Zwei weitere Drohnen seien in der Nähe des Einsatzgebietes israelischer Streitkräfte im Südlibanon niedergegangen. Verletzte habe es laut israelischen Angaben nicht gegeben.

Eigentlich hatten sich Israel und der Libanon in der Nacht zum Donnerstag (4. Juni) laut US-Außenministerium auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der bisher faktisch kaum wirksamen Waffenruhe geeinigt. Allerdings war die vom Iran unterstützte Hisbollah nicht an den Verhandlungen beteiligt und lehnte die Bedingungen ab. Die libanesische Regierung ist selbst nicht direkt an dem Krieg beteiligt.

Wie viele Raketen hat der Iran noch? Trump gibt Schätzung ab – Geheimdienste zeichnen anderes Bild

Mit der Sorge vor einer erneuten Eskalation im Iran-Krieg rückt die Frage nach den Waffenvorräten des Irans in den Vordergrund. Der US-Präsident Donald Trump äußerte im Gespräch bei NBC News Schätzungen, nach denen Teheran noch über gut ein Fünftel seines Raketenarsenals besitze. Angeblich seien die meisten Drohnenfabriken, Abschussrampen und Einrichtungen zur Raketenproduktion ausgeschaltet worden. „Aber sie verfügen weiterhin über Kapazitäten. Sie haben noch einige Raketen und einige Drohnen.“ Worauf Trumps Schätzungen basieren, blieb unklar.

In Medienberichten hieß es zuletzt immer wieder, dass der Iran weiter über einen Großteil seiner Raketen verfügen soll. Die New York Times und die Washington Post berichteten unter Berufung auf US-Geheimdiensterkenntnisse und US-Beamte im Mai, Teheran verfüge noch über etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen und 70 Prozent seines Raketenarsenals. Der Iran soll sich wohl auch wieder Zugang zu seinen unterirdischen Raketenlagern verschafft haben, deren Eingänge durch Angriffe der USA und Israels gezielt verschüttet worden waren.

In Verhandlungen zwischen den USA und Israel geht es nur langsam voran – Drohungen von beiden Seiten

Während die Spannungen in der Golfregion erneut steigen, laufen die Verhandlungen zu einem Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran nur zäh. Mittlerweile sucht man nach einer vorübergehenden Zwischenlösung für ein Kriegsende in der Region. Umfassendere Fragen wie der Umgang mit dem mutmaßlichen iranischen Atomprogramm sollen erst später thematisiert werden.

Zumindest die US-Operation „Epic Fury“ (Gewaltiger Zorn) gelte laut US-Außenminister Marco Rubio jedoch als „abgeschlossen“, wie er am Mittwoch (3. Juni) im Repräsentantenhaus mitteilte. Der US-Präsident zeigte sich im Interview optimistisch für das Friedensabkommen, räumte aber Verzögerungen ein: „Es gibt Dinge, von denen sie nie gedacht hätten, dass sie sie tun würden, die sie aber nun tun müssen. Sie haben keine Wahl, und es dauert eine Weile.“

Dennoch hatte Trump in der Vergangenheit durch Drohungen immer wieder Druck erzeugt. „Für den Iran läuft die Zeit ab, und sie sollten sich besser SCHNELL bewegen, sonst wird von ihnen nichts mehr übrig bleiben“, schrieb der US-Präsident beispielsweise in einem Beitrag auf Truth Social Mitte Mai. Der iranische Verhandlungsführer und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf betonte am Dienstag (2. Juni) laut Al Jazeera, dass der Iran die Verhandlungen abbrechen könnte, wenn die Angriffe auf den Libanon weitergeführt würden. (Quellen: dpa, New York Times, NBC News, Washington Post, Al Jazeera, eigene Recherche) (lismah)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Vahid Salemi

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