Putins Verluste steigen

Ukraine-Drohnen schlagen in Moskauer Luxus-Tower ein – nahe des Roten Platzes

Vorfall im Ukraine-Krieg: Wenige Tage vor der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau trifft Kiew mit einer Drohne ein Wohnhaus in der russischen Hauptstadt.

Moskau galt lange aufgrund der Entfernung zur Frontlinie als einigermaßen sicheres Hinterland des Ukraine-Kriegs. Doch in der Nacht zum Montag schlug eine ukrainische Drohne sieben Kilometer vom Kreml entfernt in einen der exklusivsten Wohntürme der russischen Hauptstadt ein – mitten in einem Botschaftsviertel, in dem auch die deutsche Vertretung ihren Sitz hat.

Moskau: Nach einem Drohnenangriff ist ein Wohnhaus in der Mosfilmowskaja-Straße beschädigt.

Der Einschlag der Drohne trifft Russland mitten im Ukraine-Krieg zu einem symbolisch heiklen Moment: Wenige Tage vor dem Tag des Sieges am 9. Mai hatte Moskau die Militärparade auf dem Roten Platz bereits entschärft – keine Panzer, keine Raketen. Die Bedrohung, die man öffentlich herunterspielt, ist in der Hauptstadt angekommen.

Angriff im Ukraine-Krieg: Drohne trifft Hochhaus in Moskau

Die Drohnenattacke im Ukraine-Krieg auf Moskau ereignete sich gegen 1 Uhr Ortszeit in der Nacht auf Montag, den 4. Mai. Videos in sozialen Netzwerken zeigen eine Drohne im Tiefflug über der russischen Hauptstadt kurz vor dem Einschlag. Das getroffene Gebäude liegt nur etwa drei Kilometer von dem russischen Verteidigungsministerium entfernt. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin bestätigte den Angriff in einer frühmorgendlichen Mitteilung auf Telegram.

„Ersten Berichten zufolge traf eine Drohne ein Gebäude in der Nähe der Mosfilmowskaja-Straße. Es gibt keine Opfer. Der Notfalldienst arbeitet vor Ort“, schrieb Sobjanin. Zwei weitere Drohnen seien von der russischen Luftabwehr abgefangen worden. Zudem verhängte die russische Luftfahrtbehörde Rosaviatsija vorübergehende Einschränkungen für die Moskauer Flughäfen Domodedowo und Wnukowo.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Der getroffene Mosfilm Tower befindet sich in einem Botschaftsviertel im Westen der Hauptstadt. Die deutsche Botschaft liegt knapp einen Kilometer vom Einschlagsort entfernt. Das russische Verteidigungsministerium meldete in der Nacht zu Montag im Kontext der Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg insgesamt 117 angeblich abgefangene feindliche Drohnen. Drohnentrümmer waren laut Berichten auf der Straße unterhalb des Hochhauses zu sehen, während Einsatzkräfte am Tatort arbeiteten.

Aktuelle Lage im Ukraine-Krieg: Russland greift mit zahlreichen Drohnen an

In derselben Nacht griff Russland die Ukraine im Krieg mit 155 Drohnen an – darunter Shahed-, Gerbera-, Italmas- und Parodiya-Typen. Bis 9 Uhr morgens hatte die ukrainische Luftabwehr nach eigenen Angaben 135 dieser Drohnen abgeschossen oder durch elektronische Kriegsführung außer Gefecht gesetzt. Treffer wurden an zehn Orten gemeldet, an vier weiteren Stellen gingen Trümmer abgeschossener Drohnen nieder. Der Angriff dauerte zu diesem Zeitpunkt noch an, da sich mehrere russische Drohnen weiterhin im ukrainischen Luftraum befanden. Im Ukraine-Krieg setzt Russland diese Taktik seit Jahren systematisch ein, um Infrastruktur und Zivilbevölkerung zu zermürben.

Der Angriff auf Moskau gilt als einer der tiefsten Einschläge in die Wohngebiete der russischen Hauptstadt seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Zwar meldet Russland regelmäßig ukrainische Drohnenangriffe auf den Großraum Moskau, doch zivile Infrastruktur im Stadtzentrum wird selten beschädigt. Das Kyiv Independent betonte, dass die russische Hauptstadt gut gegen Luftangriffe gesichert ist – umso bemerkenswerter sei der nun dokumentierte Einschlag.

Russlands Verluste im Ukraine-Krieg steigen: Putins Armee verliert 1120 Soldaten an einem Tag

Der Zeitpunkt des Angriffs ist symbolisch aufgeladen: Russland begeht am 9. Mai traditionell den Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg 1945. Das russische Verteidigungsministerium hatte bereits Ende April angekündigt, dass die diesjährige Parade auf dem Roten Platz ohne Panzer und Raketen stattfinden werde – als direkte Reaktion auf die Drohnenbedrohung. Das Spektakel dient dem Kreml gewöhnlich dazu, militärische Stärke zu demonstrieren und die eigene Kriegserzählung zu festigen.

Die militärischen Verluste für Putin im Ukraine-Krieg sind derweil erheblich: Seit Beginn der Invasion am 24. Februar 2022 hat Russland nach Schätzungen des ukrainischen Generalstabs rund 1.335.150 Soldaten verloren – allein am vergangenen Tag kamen demnach 1120 Mann hinzu. Hinzu kommen 11.914 zerstörte Panzer, 24.507 gepanzerte Kampffahrzeuge, 41.306 Artilleriesysteme sowie 1767 Mehrfachraketenwerfer. Zuletzt wurden auch sechs weitere Panzer und elf Bodenrobotersysteme als Verluste für Putin verzeichnet. Die Angaben stammen vom ukrainischen Generalstab und können nicht unabhängig verifiziert werden. (Quellen: Kyiv Independent, Ukrainska Pravda, dpa) (fbu)

Rubriklistenbild: © Uncredited/AP/dpa

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