Kritik an Trumps Abschiebeheer

„Wie viele Gewalttäter bekommen Waffen?“: Journalistin deckt nach Minneapolis-Schüssen das ICE-Chaos auf

Trumps ICE-Truppe rekrutiert offenbar Personal, ohne dies einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen. Eine Journalistin hat es gecheckt – und sich beworben.

Washington, D.C./Minneapolis – Die ICE-Truppe von US-Präsident Donald Trump fällt regelmäßig durch unverhältnismäßige Aggressivität während der Ausübung ihres politischen Auftrags auf. Beobachter vermuten, ihnen mache der Einsatz von Gewalt sichtlich Spaß: Migranten scheinen ihnen rechtelos, Bilder von misshandelten Menschen jeden Alters und Geschlechts und vermummte und prügelnde Trump-Agents kursieren seit einem Jahr in den Medien und lösen weltweite Empörung aus.

US-amerikanischen ICE-Agenten in Minneapolis: Ihnen gegenüber stehen Protestierende.

Jüngst eskalierte erneut eine Situation, als ein ICE-Agent die 37-jährige US-Staatsbürgerin Renée Good in ihrem SUV erschoss, was landesweit für Proteste sorgte. Trump verteidigte seinen Mann, während Tim Walz, Gouverneur von Minnesota, von einer „Kampagne organisierter Brutalität“ durch die Trump-Regierung sprach. Doch zwei Fragen stellen sich mittlerweile viele: Was sind das für Typen mit einem solchen Gewaltpotenzial und wo hat Trump die eigentlich her?

Journalistin Jedeed: ICE-Vorstellungsgespräch bestand nur aus allgemeinen Fragen

Dem auf den Grund gehen wollte die Journalistin Laura Jedeed. Wie der Guardian berichtet, habe Jedeed im August 2025 an einer ICE-Karrieremesse in der Nähe von Dallas, Texas, teilgenommen, wo Personalvermittler für sofortige Einstellungsmöglichkeiten für Abschiebungsbeamte warben. Eigentlich habe sie nur erfahren wollen, „wie es ist, sich als ICE-Agentin zu bewerben”. Dennoch wurde sie letztlich von der Behörde eingestellt – obwohl sie sämtliche Sicherheitsprüfungen entweder nicht bestanden, oder entsprechende Unterlagen nicht eingereicht hatte.

Nachdem sie einen Termin mit einem Personalvermittler vereinbarte, bestand ihr ICE-Vorstellungsgespräch nur aus allgemeinen Fragen: ihrem Namen, ihrem Geburtsdatum und ihrem Alter, ob sie Erfahrung beim Militär oder bei der Strafverfolgung hatte und den Gründen für ihren Austritt aus den Streitkräften. Jedeed war nach Abschluss der High School in die US-Armee eingetreten und wurde nach Afghanistan entsandt, bevor sie später als zivile Analystin arbeitete.

Trump setzt auf Härte: ICE und Nationalgarde im Einsatz - Razzien, Proteste und Ausschreitungen

ICE-Razzia in New York
Anti-Trump
Proteste gegen Trump
Kilmar Abrego Garcia
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Trumps ICE will „so viele Waffen und Dienstmarken wie möglich“

In einer E-Mail bereits am 3. September wurde ihr schließlich ein „vorläufiges Angebot“ unterbreitet: Sie solle sich bei einem staatlichen Jobportal anmelden und mehrere beigefügte Formulare ausfüllen. In diesen Dokumenten wurden Angaben zu ihrem Führerschein, etwaigen früheren Verurteilungen wegen häuslicher Gewalt und die Erlaubnis zur Durchführung einer Hintergrundüberprüfung verlangt.

Obwohl sie ihren Angaben zufolge keinen der erforderlichen Schritte abgeschlossen habe, hätte sie drei Wochen später eine weitere E-Mail erreicht, in der man ihr für ihr Engagement dankte und sie bat, einen Termin für einen Drogentest zu vereinbaren. Trotz Cannabis-Konsums nahm sie an dem Test teil – und bekam ein offizielles Stellenangebot von der ICE. Sie lehnte das Angebot ab, es könne sich nur um einen technischen Fehler handeln, beziehungsweise sei „ICE bei der Personalbeschaffung extrem undicht“.

ICE im Fokus: „Wie viele verurteilte häusliche Gewalttäter erhalten Waffen?“

Hinzu kommt, dass Jedeed für ihre Anti-Trump-Artikel bekannt ist, aber auch dies scheint der Truppe durchgerutscht zu sein: „Wenn sie übersehen haben, dass ich eine Anti-ICE-Journalistin bin, die ihre Unterlagen nicht ausgefüllt hat, was übersehen sie dann noch? Wie viele verurteilte häusliche Gewalttäter erhalten Waffen und werden in die Häuser anderer Menschen geschickt? Wie viele Menschen mit Verbindungen zu rassistischen Organisationen greifen aus Prinzip wahllos Minderheiten an, unabhängig von ihrem Einwanderungsstatus?“, fragt sie.

Donald Trumps Orbit: Einflüsterer, Berater und Vertraute des Präsidenten

Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses unter Donald Trump
Elon Musk, hier mit seiner Mutter (l.), seinem Sohn und First Lady Melania Trump
Unterstützung soll Elon Musk von Vivek Ramaswamy erhalten.
Jeff Bezos, hier mit seiner Verlobten Lauren Sanchez kurz vor der gemeinsamen Hochzeit in Venedig.
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Das US-Heimatschutzministerium wies den Bericht von sich und bezichtigte die Journalistin der Lüge: „Das ist eine faule Lüge. Dieser Person wurde NIEMALS eine Stelle bei der ICE angeboten. Bewerber können nach ihrer ersten Bewerbung und ihrem Vorstellungsgespräch ein vorläufiges Auswahlschreiben erhalten, das kein Stellenangebot ist. Es bedeutet lediglich, dass sie aufgefordert werden, Informationen zur Prüfung einzureichen, ähnlich wie jeder andere Bewerber auch.“

220.000 Bewerbungen für die ICE-Truppe von Trump

Jedeed ihrerseits konterte mit der Antwort: „Sind Sie sich da sicher?“ Dazu fügte sie ein Video bei, das ihre Bewerbung zu zeigen scheint, die bereits die Phase des endgültigen Angebots erreicht hatte. „Das Screenshot-Video, das ich als Antwort gepostet habe, zeigt eindeutig ein endgültiges Angebot und ein Einstellungsdatum, was ich als endgültiges Angebot und Einstellungsdatum interpretiert habe. Vielleicht hat es eine andere geheime Bedeutung, aber ich habe nicht erfahren, welche das sein könnte – ICE hat auf eine Anfrage um Stellungnahme nicht reagiert.“

Wie die Berliner taz hierzu recherchierte, wurden seit Beginn der zweiten Amtszeit von Trump im Januar 2025 neben den 10.000 bereits bestehenden etwa 12.000 zusätzliche ICE-Agents rekrutiert. Demnach sollen noch zusätzlich mehr als 220.000 Bewerbungen eingegangen sein.

US-Bürgerin von ICE aus Auto gezerrt und in Abschiebezentrum gebracht

Derweil häufen sich die Meldungen von Gewalt durch die ICE-Truppen. Die Zeitung Die Welt berichtet von einer US-Bürgerin, die auf dem Weg zu einem Arzt in Minneapolis von Agenten der ICE aus ihrem Auto gezerrt und festgenommen wurde. Die Frau veröffentlichte am Donnerstag (15. Januar) eine Erklärung, nachdem ein Video der Festnahmen viral gegangen war. Die Betroffene Aliya Rahman wurde in ein Abschiebezentrum gebracht, wo ihr medizinische Versorgung verweigert worden sei und sie das Bewusstsein verloren habe.

In dem Video zerschlägt ein Maskierter Rahmans Beifahrerfenster, während andere sie durch die Fahrertür aus dem Auto zerren. Anschließend wird sie an Armen und Beinen zu einem ICE-Fahrzeug getragen: „Ich bin behindert und wollte zum Arzt, deshalb habe ich mich nicht bewegt“, erklärte Rahman, während Beamte ihre Arme auf den Rücken drehten.

ICE-Beamter prahlt mit seinem Job: „Ich würde das auch umsonst machen.“

Ein anderes, viral gegangenes Video zeigt beispielhaft die Haltung jener, die für die Brutalität verantwortlich sind. Dort prahlt ein ICE-Beamter mit seinem Job und seinem Gehalt. Zuvor hatten Demonstranten ihn gefragt, ob er als Kind etwa Probleme gehabt hätte: „Sie hatten als Kind Probleme mit Ihrer Wut, nicht wahr? Waren Ihre Eltern dabei? Sie sollten sich schämen, Mann.“ Daraufhin der ICE-Mann: „Ich liebe meinen Job. Ich kann kaum glauben, dass ich dafür bezahlt werde. Ich würde das auch umsonst machen.“ (Quellen: The Guardian, taz, Welt, eigene Recherche) (ktho)

Rubriklistenbild: © Dave Decker/dpa

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