„Entscheidung in letzter Sekunde“
Spekulation um Rückzieher: Weshalb Trump bislang auf einen Iran-Angriff verzichtet hat – trotz Drohkulisse
Nach den blutigen Massenprotesten im Iran stand ein US-Einsatz offenbar kurz bevor – doch dann folgte Trumps Rückzieher. Doch der Druck auf Teheran bleibt hoch.
Teheran/Washington, D.C. – Seit Beginn der Massenproteste im Iran im Dezember hatte Donald Trump mehrfach mit einem US-Eingriff gedroht und den Demonstranten Solidarität zugesagt, die sich dem zunehmenden Druck der Regierung in Teheran ausgesetzt sehen.
Nachdem Menschenrechtler und internationale Medien von mehreren Tausend Toten und rund 10.000 Festnahmen im Zusammenhang mit den Protesten im Iran berichteten, schien eine US-Intervention im Iran am Mittwoch (14. Januar) besonders wahrscheinlich. Bislang blieb ein Militäreinsatz der Trump-Regierung im Iran jedoch aus – einer solide organisierten Drohkulisse zum Trotz, die Trump nun mit einer weiteren Maßnahme verstärkt.
Absage von US-Eingriff im Iran könnte „Entscheidung in letzter Sekunde“ gewesen sein
Offenbar standen die USA zur Wochenmitte (16. Januar) kurz vor einer militärischen Intervention im Iran, wie der internationale CNN-Chef-Berichterstatter Fred Pleitgen im Podcast von Bild-Vizechefredakteur Paul Ronzheimer mitteilte. Zu jenem Zeitpunkt hatte Teheran den iranischen Luftraum bereits geschlossen; zugleich erließ Washington eine personelle Teil-Evakuierung seines Militärstützpunktes in Katar, inklusive eines Abzugs von sechs seiner dort stationierten Flugzeuge. So sollte verhindert werden, dass sie im Falle einer iranischen Gegenreaktion in Reichweite sind.
Andererseits hätten jene Tankflugzeuge natürlich auch beim von Trump angedrohten Einsatz eine Rolle spielen können, indem sie neu Richtung Iran entsandte Flugzeuge mit Treibstoff ausgestattet hätten. Dass die angedrohte US-Intervention im Iran bislang ausblieb, könnte laut Pleitgen „eine Entscheidung in letzter Sekunde“ gewesen sein.
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Er legt nahe, Trump könnte einem „Point of no return“ ins Auge geblickt haben, was ihn letztlich dazu bewegte, innezuhalten, statt entscheidend im Iran einzugreifen. Eine tragende Rolle bei Trumps Zurückhaltung dürften Pleitgen zufolge die Unwägbarkeiten in der Region und die Frage gespielt haben, ob dort perspektivisch eine Regierung denkbar wäre, die Stabilität wahrt und in einer Weise agiert, die sich mit US-Visionen deckt.
Trump hat sich vor US-Eingriff im Iran offenbar von Mahnungen abhalten lassen
Entscheidend zugespitzt hatte sich die Situation für Trump auch auf Drängen mehrerer arabischer Staaten – darunter Katar, Saudi-Arabien, Oman und Ägypten – den Iran nicht anzugreifen. Das berichtete die New York Times am Donnerstag (15. Januar) unter Berufung auf einen hochrangigen US-Regierungsbeamten und arabische Staatsvertreter.
„Wir glauben an den Dialog und daran, dass alle Meinungsverschiedenheiten am Verhandlungstisch gelöst werden können“, wurde der saudische Innenminister Adel al-Jubeir von der New York Times zitiert. Auch Israel hatte Mahnungen ausgeschickt.
US-Drohszenario im Iran hält an – UN fordern transparente Aufklärung um Tote nach Massenprotesten
Vom Tisch ist ein möglicher US-Einsatz im Iran damit aber nicht: Das US-Drohszenario besteht weiter, um Teheran vor weiteren Hinrichtungen von den Beteiligen der wochenlang andauernden Massenproteste abzuhalten. Wie mehrere US-Medien, darunter die New York Times und Axios am Freitag berichteten, brachte Washington die „USS Abraham Lincoln“ auf Kurs vom Südchinesischen Meer nach Nahost. Dort soll der Flugzeugträger inklusive einiger Begleitschiffe in knapp sieben Tagen eintreffen, hieß es weiter.
New York Times-Informationen zufolge seien zudem Waffen und weitere Verteidigungsutensilien auf den Weg in die Region gebracht worden. Eine Bestätigung dessen durchs Pentagon steht bisher allerdings noch aus. Unterdessen bestätigte Mike Waltz, UN-Botschafter der USA, bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York an den scharfen Drohungen der USA gegen den Iran fest: Trump sei „ein Mann der Tat, nicht der endlosen Worte, wie wir sie bei den UN sehen“, betonte er.
Der US-Präsident habe „klargestellt, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen, um das Schlachten zu beenden“. Das Treffen des Sicherheitsrats war von einer Anfrage der USA ausgegangen. Auch die Vereinten Nationen forderten den Iran auf, geplante Hinrichtungen von Demonstranten umgehend zu stoppen und alle bisherigen Todesfälle, die in die Tausende gehen, transparent aufzuklären. (Quellen: CNN, Axios, New York Times, Bild, Tagesschau) (fh)
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