„Sie sind alle tot“
Trump mit folgenschwerem Fehler? Kandidaten für Chamenei-Nachfolge bei Angriff im Iran getötet
Wer soll den Iran in Zukunft führen? Donald Trump spricht von „sehr guten Kandidaten“. Doch womöglich sind alle bereits tot.
Nach dem US-israelischen Angriff auf den Iran steht das Land vor einer unsicheren Zukunft. Der US-Präsident Donald Trump skizziert verschiedene Szenarien. Unlängst gab der Republikaner im Gespräch mit der New York Times an, „drei sehr gute Kandidaten“ für die Führung des Landes im Kopf zu haben. Namen nannte er jedoch keine. Allerdings hat der Militärschlag, bei dem auch der oberste iranische Führer Ayatollah Ali Chamenei getötet wurde, womöglich alle Kandidaten ausgelöscht. „Der Angriff war so erfolgreich, dass er die meisten der Kandidaten ausgeschaltet hat“, sagte Trump dem Chef-Korrespondenten des US-Senders ABC in Washington.
„Es wird niemand sein, den wir in Betracht gezogen hatten, denn sie sind alle tot. Auch der Zweit- oder Drittplatzierte ist tot“, wird Trump weiter zitiert. Allerdings ist unklar, ob sich der US-Präsident im Gespräch mit ABC auf die drei Kandidaten bezog, die er gegenüber NYT nannte. Trump habe außerdem behauptet, jemand innerhalb der iranischen Regierung habe nun Kontakt zu ihm aufgenommen, berichtet ABC News weiter. Dabei habe der US-Präsident jedoch nicht näher präzisiert, um wen es sich handele – außer dass es jemand sei, der die Angriffe überlebt habe und „nicht mehr dem Obersten Führer unterstellt“ sei.
Modell Caracas für Teheran? Experten widersprechen
Die New York Times berichtete am Sonntag nach einem etwa sechsminütigen Telefoninterview mit Trump, der Präsident habe „mehrere scheinbar widersprüchliche Vorstellungen“ darüber geäußert, wie die Zukunft des Iran aussehen könnte. Ein mögliches Szenario sei demnach ein Modell nach dem Vorbild Venezuelas, in dem nur die oberste Führung entfernt wird, die Regierung in großen Teilen aber bestehen bleibt und pragmatisch mit den USA zusammenarbeitet. Laut Experten sind Venezuela und der Iran allerdings weder geopolitisch, kulturell, strukturell noch militärisch vergleichbar.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran




Der Iran reagierte auf die Angriffe mit Vergeltungsschlägen gegen US-Verbündete im Nahen Osten, darunter Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate, in denen sich jeweils US-Militärstützpunkte befinden. Der Politikwissenschaftler Nico Lange hält das Land weiterhin für militärisch handlungsfähig. „Man muss davon ausgehen, dass noch erhebliche Kapazitäten für Raketenabschüsse im Iran vorhanden sind, die zum Beispiel unterirdisch versteckt worden sind“, sagte der Militärexperte im ZDF-„Morgenmagazin“.
Zudem könne Teheran auf verbündete Milizen wie die Hisbollah zurückgreifen, die Israel und US-Ziele angreifen könnten. Am Sonntag (1. März) feuerte die Hisbollah vom Libanon aus Raketen auf Israel. Weitere schwere Gegenschläge seien möglich, so der Experte weiter. Der Iran wiederum werde versuchen, „möglichst viele anzugreifen, möglichst viele hineinzuziehen, in der Hoffnung, dass die im Zeitverlauf Druck machen auf die Amerikaner, damit die Amerikaner aus diesem Krieg wieder aussteigen“, erklärte Lange. (Quellen: AFP, dpa, New York Times, Daily Beast, X, ABC News, ZDF) (bme)
Rubriklistenbild: © Matt Rourke/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk
