Kolumne von James Warren Davis

Trump hat taktische Erfolge, aber es gibt einen großen Haken – auch jetzt in Venezuela

Donald Trump kann durchaus Erfolge vorweisen, findet Kolumnist James Warren Davis. Doch an einem Punkt mangele es dabei erheblich – stets aufs Neue.

Kaum hatte ich begonnen, in einer Kolumne einige positive Errungenschaften aus dem ersten Jahr von Donald Trumps zweiter Amtszeit zu skizzieren, wurde ich von den jüngsten Ereignissen überholt. US-Streitkräfte marschierten in Venezuela ein und nahmen den illegitimen Machthaber Nicolás Maduro und seine Frau fest. Wenige Stunden später erklärte der Präsident – flankiert von seinem Außenminister und einem selbsternannten „Kriegsminister“ –, die Vereinigten Staaten würden „das Land vorerst regieren“.

Donald Trump am Sonntag bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus.

Was soll das heißen? Handelt es sich um eine vorübergehende Besetzung zur Vorbereitung einer demokratisch legitimierten Regierung – oder um koloniale Machtausübung? Unabhängig von der rechtlichen Bewertung dieser taktisch beeindruckenden Operation bleibt unklar, welches strategische Ziel sie verfolgt. Ohne dieses lässt sich kaum beurteilen, ob am Ende etwas Positives bleibt. Taktische Erfolge ohne strategische Einbettung sind im vergangenen Jahr zu einem wiederkehrenden Muster geworden – eines, das selbst Trumps tatsächliche Errungenschaften zu unterminieren droht. Denn die gibt es durchaus.

Anerkennung für Trump, etwa im Nahen Osten

Zum einen die Initiative „Make America Healthy Again“ des umstrittenen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr.  Seit Jahrzehnten nimmt das Körpergewicht der Amerikaner stetig zu, mit bekannten Folgen: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkprobleme, metabolisches Syndrom. Ein zentraler Treiber ist die Dominanz ultraverarbeiteter Lebensmittel – billig, bequem, nährstoffarm und gezielt auf Überkonsum ausgelegt. Reich an Zucker, Salz und Fett, arm an Ballaststoffen und voll von Zusatzstoffen verdrängen sie gesündere Alternativen.

Kennedy greift dieses Problem frontal an: mit dem Vorschlag, bestimmte Zusatzstoffe zu verbieten, mit klarerer Kennzeichnung und mit einer nationalen Fitnessinitiative für Jugendliche. Unabhängig von seiner Person ist an diesem Ansatz wenig auszusetzen.

USA greifen Venezuela an: Bilder zeigen Zerstörung und Maduro in Gefangenschaft

Rauch steigt am Flughafen La Carlota auf, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Soldaten bewachen die Gegend um den Präsidentenpalast Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Das Feuer im Fuerte Tiuna, Venezuelas größtem Militärkomplex, ist nach einer Reihe von Explosionen in Caracas am 3. Januar 2026 aus der Ferne zu sehen.
Explosionen erschüttern die venezolanische Hauptstadt Caracas.
USA greifen Venezuela an: Bilder zeigen Zerstörung und Maduro in Gefangenschaft

Auch in der Außenpolitik verdienen zwei Entscheidungen Anerkennung, beide im Nahen Osten. Erstens die Angriffe auf iranische Nuklearanlagen. Nach mehr als zwanzig Jahren gescheiterter Diplomatie und halbherziger Abschreckung machten die US-Schläge vom 22. Juni 2025 eines deutlich: Washington kann iranische Ziele jederzeit treffen, Teherans Reaktionsmöglichkeiten sind begrenzt. Das stärkt die amerikanische Verhandlungsposition – selbst wenn nicht alle Anlagen vollständig zerstört wurden.

Zweitens das Gaza-Friedensabkommen. Ohne Trumps persönliche Intervention und seinen Druck auf Israels Premierminister Netanjahu hätte es weder eine Waffenruhe mit der Hamas noch die Freilassung israelischer Geiseln noch einen – wenn auch fragilen – Rahmen zur Linderung der humanitären Not in Gaza gegeben.

Trump stapelt taktische Siege auf einem Fundament völliger Unsicherheit

Doch diese Erfolge teilen eine Schwäche mit der Venezuela-Invasion: strategische Unschärfe. Kennedys Gesundheitsagenda leidet darunter, dass er über Jahre Misstrauen gegenüber öffentlichen Institutionen geschürt und sein Ministerium durch ideologisch genehme, wissenschaftsskeptische Akteure ausgehöhlt hat. Und auch Trumps Nahostpolitik bleibt ohne klar erkennbare Vision einer stabilen regionalen Ordnung. Was folgt politisch auf die Iran-Schläge? Wann wird die zweite Phase des Gaza-Plans – eine technokratische palästinensische Verwaltung – Realität?

Trump mag große strategische Entwürfe verkünden – doch er stapelt taktische Siege auf einem Fundament völliger Unsicherheit. Selbst wenn er sie mit strategischen Zielen verbinden wollte, ist angesichts der Abrissbirne, mit der er Staat und Verwaltung entkernt hat, kaum vorstellbar, wer sie überhaupt umsetzen könnte. Wer die Kompetenz des Staates zerstört, zerstört auch jede Strategie. Ohne Strategie bleiben selbst echte Erfolge flüchtig. (James Warren Davis)

Rubriklistenbild: © Aaron Schwartz/IMAGO/Pool/ABACA

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare