Hilfe für Putin?
Warnung an Lukaschenko: Ukraine nimmt 500 Ziele in Belarus ins Visier
Die Ukraine richtet scharfe Drohungen an Lukaschenko. Minsk bestreitet, eine Beteiligung am Ukraine-Krieg zu wollen. Doch die Sorge in Kiew wächst.
In der Ukraine wächst die Sorge vor einer Beteiligung von Belarus im Ukraine-Krieg. Während Minsk die Absicht einer direkten Einbindung in den Krieg mit Russland abstreitet, kommen aus Kiew zunehmend scharfe Warnungen. Besonders deutliche Worte fand Robert „Madjar“ Browdi, Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme.
Wie die ukrainische Nachrichtenseite Ukrinform zuerst berichtete, erklärte Browdi in einem Facebook-Beitrag, der an den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko gerichtet war: „An den Minsker Gauleiter Lukaschenko: Ein bellender Hund beißt nicht. Bei einem Raubvogel ist das anders.“ Weiter schrieb er: „Die ersten 500 Ziele stehen bereits auf der Liste. Ein kostenloser und sehr praktischer Rat: Stell dich der Ukraine nicht in den Weg.“
Sorge in Kiew wächst: Russland könnte Drohnen aus Belarus starten lassen – Ukraine-Hilfen in Gefahr?
In Kiew wächst seit Wochen die Sorge, Belarus könnte als Standort für Angriffe im Ukraine-Krieg genutzt werden. Laut dem US-Thinktank „Institute for the Study of War (ISW)“ könnten von dort aus etwa wichtige Transportrouten zwischen Polen und der Ukraine ins Visier genommen werden. Das könnte für die Versorgung der Ukraine mit militärischen und zivilen Hilfen weitreichende Auswirkungen haben.
Neue Vorwürfe aus Minsk über angebliche ukrainische Drohnenangriffe wertete das ISW als mögliche Vorbereitungen von Belarus und Russland, von belarussischem Gebiet aus die Ukraine anzugreifen. Demnach habe der Sekretär des Sicherheitsrats, Generalleutnant Alexander Volfovich, behauptet, die belarussischen Streitkräfte hätten in der vergangenen Woche 116 Versuche ukrainischer Drohnen „registriert“, die Grenze nach Belarus zu überqueren.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands




„In manchen Fällen handelt es sich dabei nicht um zufällige Angriffe, sondern um Versuche, Teile der Grenzinfrastruktur unter dem Deckmantel vermeintlich zufälliger Übergriffe anzugreifen“, behauptete Volfovich laut United24Media. Bei 59 der Vorfälle sollen belarussische Streitkräfte mit Drohnen reagiert haben. Laut dem ISW wäre eine Bodenoffensive mit Belarus eher unwahrscheinlich. Möglich wäre jedoch, dass russische Drohnen von belarussischem Gebiet aus starten könnten. In Belarus sind zudem russische Oreschnik-Raketen stationiert, die Russland für den kürzlichen Angriff auf Kiew genutzt hatte.
Ukraine stellt sich gegen Drohnen-Vorwürfe aus Belarus – Selenskyj warnt vor Kriegseintritt
Der ukrainische Grenzschutzdienst wies die Drohnen-Vorwürfe aus Belarus zurück. Grenzschutzsprecher Andrii Demtschenko bezeichnete die Äußerungen im Gespräch mit Ukrinform am Dienstag (26. Mai) als „einen weiteren Versuch von Belarus, der Ukraine etwas vorzuwerfen und die Verantwortung auf uns abzuwälzen“. Der Chef des ukrainischen Zentrums gegen Desinformation, Andrii Kowalenko, kritisierte am Dienstag in seinem Telegram-Kanal, dass Minsk „über ukrainische Drohnen lügt“ und in Russlands Interesse agieren würde.
Einen Tag zuvor hatte die belarussische Oppositionsanführerin Sviatlana Tsichankouskaja Kiew einen Besuch abgestattet. Dort hatte sie laut United24Media betont, dass der Ukraine-Krieg auch massive Auswirkungen auf die Situation in Belarus hätte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bei einem gemeinsamen Treffen gewarnt, dass Russland Belarus tiefer in den Ukraine-Krieg ziehen wollen würde. Selenskyj hatte in der Vergangenheit mit „Konsequenzen“ und „Präventivmaßnahmen“ für einen solchen Fall gedroht.
Lukaschenko sucht Gespräch – Belarus-Thinktank gibt vorsichtige Entwarnung
Lukaschenko hat währenddessen laut der Kyiv Independent eine größere Einbindung in den Ukraine-Krieg negiert. Er gab an, er sei bereit, sich „überall“ mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu treffen, um die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu erörtern.
Der belarussische Sicherheitsthinktank iSANS, der militärische Aktivitäten in Belarus überwacht, warnte vor voreiligen Schlüssen. „Wir können weder bestätigen noch endgültig ausschließen, dass es Infrastruktur gibt oder nicht gibt, die russische Drohnenangriffe auf die Ukraine erleichtern könnte“, hieß es in einer Antwort an The Kyiv Independent. Außer Behauptungen ukrainischer Beamter gebe es aktuell „keine weiteren stichhaltigen Beweise“. (Quellen: Ukrinform, The Kyiv Independent, United24Media, eigene Recherche)
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