„Wollen, dass wir mit Angst leben“
Nach Drohnensichtungen: Geheimdienst warnt vor hybridem Krieg Putins gegen den Westen
Am Flughafen München wurden Drohnen gesichtet, Herkunft unklar. Eine Einschätzung des dänischen Geheimdienstes zu Russlands hybridem Krieg fällt indes eindeutig aus.
Kopenhagen – Aufgrund mehrfacher Drohnenzwischenfälle, zuletzt am Flughafen in München, gelangt der dänische Nachrichtendienst zu dem Schluss, dass Russland derzeit hybride Kriegsführung gegen Dänemark und andere westliche Staaten wie Deutschland betreibt. Dies erklärte Thomas Ahrenkiel, Leiter des dänischen Auslandsnachrichtendienstes FE, bei einer Pressekonferenz in der dänischen Hauptstadt. Moskau strebe danach, Verunsicherung und Uneinigkeit unter den NATO-Partnern zu schaffen, damit diese ihre Hilfe im Ukraine-Krieg einstellen.
Die Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem es auch in Deutschland zu einem größeren Zwischenfall durch Drohnensichtungen kam: Am Flughafen München führten Drohnen unbekannter Herkunft in der Nacht zum Donnerstag zu erheblichen Störungen. Rund 3000 Passagiere waren betroffen, 32 Flüge fielen aus oder wurden umgeleitet. Nach Angaben der Bundespolizei hatten mehrere Personen am Abend eine Drohne in der Nähe des Flughafens gemeldet. Später gab es auch Sichtungen über dem Flughafengelände.
Nach Drohnensichtungen in München steht Abschuss zur Debatte – Geheimdienst warnt vor Russland
Noch ist vollkommen unklar, woher die Drohnen in München stammten und ob Russland etwas damit zu tun hat. Die Ermittlungen der Polizei brachten bisher keine Ergebnisse. Nach dem Drohnen-Vorfall am Münchner Flughafen will Markus Söder (CSU) jedenfalls unbekannte Flugobjekte künftig „sofort“ von der Polizei abschießen lassen. Jetzt müsse gelten: „Abschießen statt Abwarten! Und zwar konsequent!“, zitiert die Bild-Zeitung Bayerns Ministerpräsidenten.
Geheimdienstchef nach Drohnensichtungen: Russland will, dass wir in Angst leben
„Russland will uns glauben machen, dass es eine unmittelbare Kriegsgefahr gibt“, sagte Ahrenkiel. „Sie wollen gerne, dass wir mit dieser Angst leben.“ Dennoch bewerte man die Lage so, dass Russland keinen herkömmlichen militärischen Überfall durchführen werde. Es bestehe kein Grund zur Sorge, dass sich das Land auf einem Kriegskurs befinde, betonte Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen.
Hybride Kriegsführung, vor der der dänische Geheimdienst jetzt warnt, bezeichnet eine Taktik, die sowohl militärische als auch zivile Instrumente miteinander verknüpft. Zu den militärischen Instrumenten zählt beispielsweise der Drohneneinsatz. Zu den zivilen Instrumenten gehören etwa Falschinformationen und Meinungsmache in Online-Netzwerken, Hackerangriffe sowie politische Beeinflussung und die Förderung von Widerstandsgruppen.
Analyse nach Drohnensichtungen: Gefährdung durch Russland in NATO werde zunehmen
In einer zeitgleich publizierten Risikoanalyse warnte der dänische Auslandsnachrichtendienst, dass die hybride Gefährdung durch Russland gegenüber der NATO in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich zunehmen werde. Durch diese Maßnahmen wolle Russland den politischen Zusammenhalt und die Entscheidungsfähigkeit der NATO-Staaten untergraben.
Auch auf dänischem Gebiet wurden zuletzt, wie jetzt am Flughafen München, wiederholt unbemannte Fluggeräte über Flugplätzen und wichtigen Einrichtungen beobachtet. Der Flughafen in Kopenhagen musste am Montag (29. September) über mehrere Stunden hinweg stillgelegt werden. Wie jetzt in München wurden zahlreiche Flugverbindungen gestrichen, was Zehntausende Reisende in Mitleidenschaft zog.
Die Verantwortlichen für die Drohnenaktivitäten sind sowohl in Kopenhagen als auch am Flughafen München nach wie vor unbekannt. Allerdings gibt es in Dänemark Verdachtsmomente, die auf eine russische Beteiligung hindeuten – Vorwürfe, die die russische Führung unter Präsident Wladimir Putin in Moskau bestreitet. Die Untersuchungen zu diesen Ereignissen seien noch nicht abgeschlossen, erklärte Ahrenkiel. Bei dem Münchner Vorfall blieb bis jetzt völlig unklar, wer für den Zwischenfall verantwortlich sein könnte. (Quellen: dpa, Bild) (smu)
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