„Lustloser, uninspirierter Haufen“
Alonso-Job in Gefahr? Bayern-Leihspieler verschärft Real-Krise
Vor knapp zwei Jahren war Xabi Alonso der Wunschtrainer des FC Bayern. Seit Wochen durchlebt er bei Real Madrid eine heftige Krise, die nun ausgerechnet durch einen FCB-Leihspieler verschärft wird.
Madrid - Im März 2024 wollten die Verantwortlichen des FC Bayern Xabi Alonso liebend gerne zurück an den Ort holen, wo er 2017 seine ruhmreiche Karriere als Aktiver beendet hatte. Der heute 44-Jährige sagte jedoch ab, blieb noch eine weitere Spielzeit bei Bayer Leverkusen, mit dem er 2023/24 den Rekordmeister auf beeindruckende Weise entthront hatte und wechselte dann im vergangenen Sommer zu seinem Herzensverein nach Madrid.
Bei den Königlichen gerät er jedoch mehr und mehr in Turbulenzen, die seinen Job erheblich in Gefahr bringen. Waren es zunächst zahlreiche Starspieler, die aufgrund von zwischenmenschlichen Differenzen heftig an seinem Trainerstuhl sägten, bleibt nun auch in zunehmenden Maße der sportliche Erfolg aus. Vor zwei Wochen hatte es einen Bericht des spanischen Portals Don Balon gegeben, wonach sich zahlreiche Spieler von Real Madrid gegen Alonso gewendet haben sollen.
Sportliche Krise in Madrid verschärft sich, Bayern-Leihspieler beteiligt
Stars wie Vinicius Junior, Jude Bellingham, Federico Valverde oder Eduardo Camavinga hätten „die Nase voll“ von ihm und seiner „arroganten Art“, es herrsche „Misstrauen“ und wenig Engagement im Training. Das genannte Quartett soll sogar bereits beim allmächtigen Klub-Präsidenten Florentino Pérez vorstellig geworden sein, um die Entlassung des Weltmeisters von 2010 zu fordern. Dass die Königlichen dieser Bitte nachkommen, sei „nicht mehr ausgeschlossen“, hieß es sogar.
Die Unruhen im Verein, auch durch die wenig attraktive Spielweise des Starensembles genährt, verschärfen sich nun noch weiter. Alonsos Mannschaft gelangen in den letzten sieben Spielen nur kümmerliche zwei Siege. In LaLiga ist Real Madrid mittlerweile vier Zähler von Tabellenführer Barcelona entfernt, nachdem es vor Kurzem noch fünf Punkte Vorsprung hatte. Auch Underdog Villarreal liegt bei einer Partie weniger nur um einen Punkt zurück und besitzt das bessere Torverhältnis.
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Am Sonntagabend verloren die Königlichen auf bedenkliche Weise mit 0:2 gegen den krassen Außenseiter Celta de Vigo. Nachdem zunächst zahlreiche eigene Großchancen auf klägliche Weise vergeben worden waren, wurden sie von den Galiciern vermehrt mit simplen Spielzügen ausgekontert. So legte in der 53. Spielminute Bayern-Leihspieler Bryan Zaragoza dem Schweden Williot Swedberg den Ball maßgerecht auf, der 21-Jährige hatte nur noch wenig Mühe, Thibaut Courtois im Real-Tor zu überwinden.
Beide Vigo-Spieler hatten bei ihren Aktionen erstaunliche Freiräume. Für Zaragoza war es gar im 14. LaLiga-Spiel der Saison die erste Torbeteiligung. Danach lief Madrid ebenso ungestüm wie glücklos an, die Nerven lagen blank, sechs Verwarnungen und drei Rote Karten waren die Folge von auswuchernden Disziplinlosigkeiten.
Fran García durfte nach 64 Minuten per Ampelkarte duschen gehen, Alonso verfolgte das Geschehen auf dem Rasen mit sichtlichem Entsetzen im Gesicht. In der Nachspielzeit wurde der reklamierende Álvaro Carreras des Feldes verwiesen, der frustrierte Brasilianer Endrick sah auf der Bank ebenfalls Glatt-Rot. Trauriger Real-Tiefpunkt und Schlusspunkt der Partie: Doppeltorschütze Swedberg umkurvte aufreizend lässig Courtois und lief fast schon im Zeitlupentempo mit dem Ball ins Tor. Eine königliche Demütigung.
Alonsos Mannschaft „ein lustloser, uninspirierter Haufen“
Die spanische Presse reagierte mit deutlichen Worten auf die sportliche Talfahrt von Alonsos Team. So titelte Real Madrids „Hauspostille“ Marca: „Madrid ist verloren“ und der Verein sei „chaotisch“ und befände sich „in der Krise“. Die Mannschaft sei „ein lustloser, uninspirierter Haufen“, befand AS und ergänzt: „Das Bernabéu wird panisch.“
Xabi Alonso gerät dadurch unter massivem Druck. Er selbst kommentierte die desaströse Leistung seines Teams: „Wir sind natürlich alle wütend. Es war nicht das Spiel, das wir haben wollten, nicht das Ergebnis, das wir haben wollten.“ Die Ratlosigkeit war ihm ins Gesicht geschrieben, als er fast trotzig betonte, dass er selbst und seine Spieler die Verantwortung für die aktuelle Krise übernehmen müssen. „Wir müssen nach vorne schauen, alle zusammen“.
Und es wird nicht einfacher für den Ex-Bayernspieler und früheren Wunschkandidaten als Münchner Cheftrainer, denn bereits am Mittwochabend steht für Real Madrid das richtungsweisend Champions-League-Spiel gegen Manchester City an. Pep Guardiolas Truppe hat zuletzt nach einem ebenso mäßigen Saisonstart wieder in die Erfolgsspur zurück gefunden.
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Mit Blick auf das CL-Topspiel fordert Alonso von seiner Mannschaft, den „schlechten Geschmack aus dem Mund zu bekommen“ und alles zu geben. Endet die Partie mit einem ähnlichen Desaster wie gegen Celta Vigo, könnte das Ende von Alonso in Madrid jedoch sehr zeitnah folgen.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Burak Akbulut
