Warnschuss auf St. Pauli
Bekommt Gladbach plötzlich Europa-Hemmungen?
Borussia Mönchengladbach lieferte gegen den FC St. Pauli eine schwache Vorstellung ab. Werden die Fohlen von Europa gehemmt?
Mönchengladbach – Schon wieder befindet sich Borussia Mönchengladbach in einer Situation, in der man eigentlich gar nicht sein wollte.
Gladbach auf einmal im Rennen um Europa
Vor einem Jahr musste der Traditionsverein darauf achten, nicht in den Abstiegskampf zu geraten, obwohl die Richtung im eingeleiteten Umbruch nach oben zeigen sollte.
In der laufenden Saison mischt Gladbach plötzlich im Rennen um einen Europapokalplatz mit. Zwar hatte Sport-Geschäftsführer Roland Virkus zu Beginn der Sommervorbereitung einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgerufen, so hoch sollte es für Borussia aber nicht hinausgehen.
„Es ist eine schöne Momentaufnahme, wir ziehen Energie daraus“, kommentierte Virkus die Situation noch am Freitag und betonte: „Die andere Situation ist viel schlimmer. Wenn es wirklich um die Existenz geht – heißt, Abstieg oder nicht – ist das eine andere Hausnummer.“
Dennoch verwunderte der Gladbacher Auftritt beim dürftigen 1:1-Remis gegen den FC St. Pauli am Sonntagnachmittag. Bekommen die Fohlen etwa eine Europa-Hemmung?
Wird Borussia von der großen Chance gehemmt?
„Wir können glücklich sein, dass wir den Punkt am Ende mitgenommen haben. Mit und gegen den Ball war das nichts von uns, damit können wir nicht zufrieden sein“, sagte Rocco Reitz am DAZN-Mikrofon. „St. Pauli hat es mit den Positionswechseln gut gemacht, du wusstest nie, auf wen du Zugriff haben kannst und musst. Am Ende läufst du dich tot, vielleicht fehlt auch die Energie nach vorne.“
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Damit hat Gladbach genau die Aufgabe verfehlt, die Cheftrainer Gerardo Seoane seinen Spielern auf der Pressekonferenz am Freitag im Zuge der Europa-Diskussion auf den Weg gab. „Je höher, desto besser, aber jetzt davon zu sprechen oder zu träumen, bringt uns schlussendlich nichts, wenn wir es vermissen lassen, alle Attribute auf den Platz zu bringen.“
Keine Performance, keine Siege – zwar sprang gegen St. Pauli immerhin ein Zähler heraus, doch der kam vor allem zustande, weil die Entscheidungsfindung der Hausherren ebenso dürftig war wie die Präzision im Abschluss.
Reitz mit Appell an Gladbach-Kollegen
Dabei hatte Seoane in den vergangenen Wochen einen anderen Eindruck von der Mannschaft: „Die gute Ausgangslage gibt ihr Energie. Ich sehe sie sehr hungrig, sehr willig, mit einer hohen Bereitschaft, um das Maximum zu holen.“
Die nächsten Spiele werden zeigen, wie gut Gladbach das spannende Europa-Rennen verkraftet. Das Positive: Borussia kann die Überraschung als Tabellensechster (44 Punkte) noch immer aus eigener Kraft stemmen und hat direkte Duelle mit dem SC Freiburg (12. April) und Borussia Dortmund (20. April) vor der Brust.
Während sich bei den Fans in den sozialen Netzwerken stellenweise Nervosität breitmacht, appelliert Reitz an die Mentalität nach vergangenen Rückschlägen: „Wir dürfen uns von so etwas nicht aus dem Flow bringen lassen. Wir müssen ruhig bleiben. Wir sind immer noch ein gutes Team, wir haben eine super Mannschaft und wir haben noch einiges vor.“
Beispielhaft folgten auf die Null-Punkte-Woche zum Jahresauftakt drei Siege in vier Spielen. Nach der 0:3-Klatsche gegen den FC Augsburg feierte Gladbach einen 3:0-Erfolg in Heidenheim, auf das 1:3 gegen Mainz 05 reagierte die Seoane-Elf mit dem Doppelschlag gegen Werder Bremen (4:2) und RB Leipzig (1:0).
Gladbach nach Europa? Virkus zieht Vergleich zur Vorsaison
Für die Fans gilt es, der Mannschaft das Vertrauen auszusprechen. Die Spieler konzentrieren sich wiederum „darauf, was unser Job ist“, sagte Seoane am Freitag: „Performen, weiterarbeiten, sich weiterentwickeln. Ich glaube, dass wir noch einige Punkte sammeln können.“
Und wenn es dann doch nicht für Europa reichen sollte, dann sicherlich nicht, weil die Saison 2024/25 enttäuschend verlaufen ist.
„Letztes Jahr haben 42 Punkte gereicht, um Conference League zu spielen – die werden in dieser Saison sicher nicht reichen“, betonte Virkus und bekräftigte: „Man darf sich am Ende keine Vorwürfe machen, dass wir nicht alles getan haben, das zu erreichen, was jetzt möglich wäre.“
Vielmehr ist diese Saison ein großer Schritt in die richtige Richtung, die Hoffnung auf eine vielversprechende Zukunft keimen lässt.
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