In Interview
Keine Spitzenmannschaft? BVB-Coach Şahin lässt tief blicken
Wo steht Borussia Dortmund im Vergleich mit der Konkurrenz? Cheftrainer Nuri Şahin lässt mit einer interessanten Aussage aufhorchen.
Dortmund – Sport-Geschäftsführer Lars Ricken fordert neben einer langfristigen Entwicklung auch kurzfristige sportliche Erfolge bei Borussia Dortmund. Davon gab es bisher aber nicht allzu viele.
BVB-Coach Şahin erbittet Zeit
In der Bundesliga hat der BVB drei von sechs Spielen gewonnen und zuletzt zwei empfindliche Auswärtsniederlagen in Stuttgart (1:5) und bei Union Berlin (1:2) kassiert. Auf Nuri Şahin prasselt erste Kritik hinsichtlich seiner Personalentscheidungen ein, TV-Experte Dietmar Hamann stellte sogar den Trainerwechsel im Sommer infrage.
Im Gespräch mit Sport Bild wird Şahin mit dem durchwachsenen Start in die Bundesligasaison konfrontiert und appelliert erneut an Geduld. Es sei „nicht möglich, in jedem Spiel eine Top-Leistung abzurufen – es geht aber darum, trotzdem ein Top-Ergebnis zu erzielen“, betont der frühere Mittelfeldspieler und ergänzt: „Das ist eine Entwicklung, die wir gemeinsam nehmen müssen.“
Beispiel Beier: BVB braucht Entwicklungszeit
Entwicklung lautet das Stichwort in Dortmund. Mit Waldemar Anton, Serhou Guirassy und Pascal Groß sind drei erfahrene Spieler verpflichtet worden, dafür kamen mit Maximilian Beier und Yan Couto zwei Youngsters im Alter von 21 respektive 22 Jahren.
Mit einem Durchschnittsalter von 25,3 Jahren stellt Dortmund den drittjüngsten Kader der Bundesliga, das durchschnittliche Alter der Startelf beträgt wiederum 26,7 Jahre und bedeutet Platz zehn im Liga-Ranking. Diese Diskrepanz hängt mit ebenjener Entwicklungszeit zusammen.
„Wir haben einige Spieler, die zum ersten Mal in ihrer Karriere alle drei Tage spielen müssen“, verweist Şahin auf seine jüngeren Schützlinge. Auch ein Henrikh Mkhitaryan habe seinerzeit eineinhalb Jahre benötigt, um so richtig durchzustarten.
„Es gibt Spieler, denen musst du diese Zeit geben“, sagt der BVB-Coach in diesem Zusammenhang über Beier. „Wir bei Borussia Dortmund sind unglaublich überzeugt von dem Jungen. Ich gebe ihm alle Zeit der Welt. Wenn ich ihm die nicht zugestehen würde – das wäre menschlich und fachlich total falsch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er Top-Leistungen zeigen wird.“
Şahin: „Wir werden ein Top-Team“
Aufgrund der benötigten Entwicklungszeit befindet sich Dortmund in einem Dilemma. Schwarzgelb hat Titelambitionen, verpasste 2023 um Haaresbreite die Meisterschaft und erreichte 2024 das Champions-League-Finale. Das Selbstverständnis lautet, eine nationale Spitzenmannschaft zu sein - Şahin sieht seine Elf aber noch nicht an diesem Punkt.
„Um ein Top-Team zu sein, müssen wir alle drei Tage Ergebnisse liefern. Fakt ist, dass wir das bisher noch nicht hinbekommen haben. Aber wir werden ein Top-Team“, sagt der Coach voller Zuversicht. „Wir werden dahinkommen, dass die Menschen vor dem Fernseher sitzen, den BVB anschauen und sagen: „So spielt eine Top-Mannschaft!“ Dass wir bei Union einfach mal 1:0 gewinnen und drei Wochen später keiner mehr weiß, wer überhaupt das Tor geschossen hat.“ Noch dauert es allerdings, ehe der BVB an diesem Punkt angelangt ist.
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