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Träumten die Anhänger Ende März noch vom Europapokal, so ist die Luft Anfang Mai raus. Absolut Fußball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat mit Jan David Busch über den plötzlichen Leistungseinbruch bei Borussia und den wachsenden Fan-Frust gesprochen. Auf seinem Youtube-Kanal „Buschi's Borussia“ spiegeln sich viele Emotionen aus dem Stadion wider, als eine der prominenteren Stimmen der Fans ist es vor allem der Unmut, der angesichts der vergangenen Ergebnisse aus ihm spricht.
Herr Busch, die Fans von Borussia Mönchengladbach erleben in dieser Spielzeit eine regelrechte Achterbahnfahrt. Wie ist der Saisonverlauf einzuordnen?
Borussia hat einen sehr schwierigen Start gehabt. Medial war nach den Spielen gegen Augsburg, Mainz und Frankfurt im Oktober richtig Druck auf dem Kessel. Danach haben Gerardo Seoane und die Mannschaft die Kurve bekommen.
Borussia hatte eine gute Saisonmitte, in der man sich bis auf Platz fünf hochgespielt hat. In meinem Fan-Herz war Europa eigentlich gebucht. Der Einbruch ist für mich vollkommen unerklärlich. Statistisch findet keiner einen Beleg, dass keine Entwicklung stattgefunden hat. Die Frage ist, ob sich Gladbach spielerisch weiterentwickelt hat.
Seit 2020 hat sich Gladbach nicht mehr für Europa qualifiziert und in keiner Saison konstant performt. Warum ist die Mannschaft so unberechenbar?
Es ist schwierig, einzuschätzen, warum die Mannschaft nach dem Heimsieg gegen RB Leipzig, nach dem wirklich alle euphorisch waren, so einbricht. Vielleicht war eine gewisse Zufriedenheit da, wie es Tim Kleindienst angesprochen hat. Vielleicht wissen auch schon einige Spieler, dass sie weg sind. Der Trainer findet offenbar kein Mittel, da gegenzusteuern. Er nimmt kaum Veränderungen in der Startelf vor, es gibt wenige Überraschungen und es läuft ein wenig so dahin.
Wie ordnen Sie den gegenwärtigen Frust im Fan-Umfeld ein?
Es ist ein Mix aus vielen Dingen. Als Gladbach-Fan ist man mittlerweile leidgeprüft. Im zweiten Jahr unter Marco Rose hat man Europa verspielt, dann kam Adi Hütter, der unheimlich viel Geld gekostet hat mit 7,5 Millionen Euro, Daniel Farke wurde Tabellenzehnter, im letzten Jahr wäre es fast in die Relegation gegangen. Natürlich schwingt es mit, dass Borussia in den letzten Jahren sportlich abgebaut hat.
Ich glaube, dass der Trainer teilweise auch ein Problem ist. Seoane ist kein Menschenfänger, er ist nicht der emotionale Coach an der Seitenlinie, der die Fans mitnimmt. Gladbach spielt effizienten Fußball, aber diese krassen Spiele, in denen man den Borussia-Park zum Beben bringt, hatte man kaum. Und wenn du so eine Chance herschenkst, sagen die Fans: ‚Wir wussten es alle, Gladbach will nicht nach Europa, die lassen sich hängen.‘
Jan David Busch ist im Netz eine prominente Gladbacher Fan-Stimme
Seit 2022 betreibt Jan David Busch den Youtube-Kanal „Buschi's Borussia“. In seinen Videos kuratiert Busch aktuelle Transfergerüchte, ordnet die sportliche Situation aus seiner persönlichen Sicht ein und sieht an Wochenenden die Bundesligaspiele der Borussia mit seinen Zuschauern im Livestream.
Wie nehmen Sie den Trainer wahr?
Was mir manchmal fehlt, ist Variabilität. Das 4-2-3-1 ist in Stein gemeißelt, davon wird nicht abgewichen. Gerade in einer Phase, in der Luca Netz und Lukas Ullrich nicht performen, könnte man Joe Scally oder Fabio Chiarodia auf links schieben. Julian Weigl war in den letzten vier Spielen außer Form. Wir haben viele zentrale Mittelfeldspieler, dann könnte Rocco Reitz etwas defensiver aufgestellt werden als ‚Staubsauger‘. Es ist eine festgefahrene Struktur, Gladbach ist relativ ausrechenbar.
Dann kommt die emotionale Komponente dazu. Ich bin ein emotionaler Mensch, manchmal würde ich mir vom Trainer ein emotionales Statement in Richtung der Fans wünschen. Nichtsdestotrotz hat er die Chance, die erfolgreichste Saison der letzten vier Jahre zu spielen. Das gilt es auch immer zu berücksichtigen.
Welches Stimmungsbild macht sich in Ihrer Community erkennbar? Welche Kritikpunkte werden derzeit angeführt?
Der aktuelle Trend spielt eine große Rolle. Gladbach-Fans sind emotional, weil es ein Traditionsverein ist. Nach mehreren schwachen Spielen in Folge ist die Stimmung sehr schlecht. Es kann sich bei einem solchen Verein aber auch schnell drehen. Es hängt davon ab, wie die Mannschaft in den letzten Spielen performt.
Trotzdem wiederholt es sich von letzter Saison: Borussia kassiert relativ leichte Gegentore, vorne fällt der Mannschaft wenig ein. Eines muss man aber auch sagen: Adi Hütter und Daniel Farke haben es nicht geschafft, jetzt ist Gerardo Seoane im zweiten Jahr. Die Hauptkritik gilt nicht nur dem Trainer, sondern auch dem Gesamtgebilde. Man hört immer, Borussia koche in ihrem eigenen Sud. Auf der einen Seite ist das vermutlich gut, weil die Verantwortlichen eher die Ruhe bewahren und nicht wie bei Schalke oder dem HSV zu Überreaktionen tendieren. Einen externen Blick wünschen sich aber viele.
Für die Saison wurde der einstellige Tabellenplatz als Ziel ausgerufen. Ist die Tabellenregion sieben bis neun für Gladbach in den nächsten Jahren realistisch oder muss Borussia die Ambition haben, in die Top-Sechs vorstoßen zu können, wenn die Konkurrenz schwächelt?
Etwas anderes kannst du den Fans nicht verkaufen. Die Personalkosten sind auf 98,5 Millionen Euro gesunken, damit belegt Borussia mutmaßlich trotzdem einen Platz in der oberen Hälfte. Da musst du dann auch sportlich liefern. Du kannst den Fans nicht das ‚graue Bundesliga-Mittelfeld‘ verkaufen.
Ambitionslosigkeit ist ein Begriff, der regelmäßig geäußert wird. Warum sagt niemand nach dem Spiel gegen Leipzig, das Saisonziel sei Europa? Vor der Saison hätte jeder Fan Platz sieben bis neun unterschrieben, jetzt hast du kurz am Europapokal geschnuppert. Die Fans hätten gerne dieses Matchball-Spiel gegen Wolfsburg gehabt. Die Chance ist vermutlich vertan.
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Die Spiele im April sind anders gelaufen als erwartet. Was hat Gladbach gegen St. Pauli, den SC Freiburg, Borussia Dortmund und Holstein Kiel vermissen lassen?
Läuferisch war Gladbach in jedem Spiel unterlegen, die spielerische Idee hat in der Offensive gefehlt. Deshalb hängt Tim Kleindienst auch in der Luft. Borussia hatte kein Tempo auf den Außenbahnen, das lag an den Ausfällen. Man hat zudem gesehen, wie wichtig Philipp Sander für die Stabilität im Mittelfeld ist. Einige Spieler haben nachgelassen, die ständige Torwart-Diskussion war ein Thema. In diesen Spielen hatte Borussia einige Baustellen. Es war ein Mix aus vielen kleinen Punkten, der zum Leistungsabfall geführt hat.
Nach dem Spiel in Kiel ist erneut über Führungsspieler diskutiert worden. Sehen Sie dort Handlungsbedarf?
Vielleicht fehlt in der Innenverteidigung jemand mit einem extrovertierten Profil. Ich glaube aber nicht, dass mehr Führungsspieler die Mannschaft weiterbringen, sondern höhere fußballerische Qualität. Meiner Meinung nach sollte Gladbach auf der Linksverteidigerposition, der Sechs und den Flügeln nachlegen. Ob das Führungsspieler sind, spielt eine untergeordnete Rolle.
Welche fußballerischen Elemente fehlen im Kader?
In der Außenverteidigung fehlt es an Torgefahr. Joe Scally hält seine Seite immer dicht, da geht aber relativ wenig nach vorne. Ähnlich spielt es sich links ab, Lukas Ullrich hat leider nachgelassen. Vielleicht passt Kevin Diks in dieses Profil. Es fehlt außerdem ein Abräumer vor der Abwehr, der Körperlichkeit und Präsenz mitbringt.
Wie ordnen Sie die Situation von Florian Neuhaus und Kevin Stöger ein, die andere Erwartungen an ihre Einsatzzeiten hegen dürften?
Es ist schwierig. Man gibt Neuhaus 2023 einen großen Vertrag, er spielt dann aber gar keine Rolle. Du holst mit Kevin Stöger einen guten Fußballer, mit Alassane Pléa hatte man aber schon jemanden auf dieser Position. Ich glaube, Gladbach wird einen von diesem Trio abgeben, weil man es sich finanziell nicht leisten kann, drei solcher Top-Spieler zu haben. Dann könnte man auf anderen Positionen nachjustieren.
Um Tim Kleindienst rankten sich gerade im März Transfergerüchte. Wie groß ist in Ihrer Community die Sorge, dass er Gladbach schon nach einem Jahr verlassen könnte?
Bis zum 27. Spieltag wurden Ablösesummen jenseits der 40 Millionen Euro gefordert (lacht). Es ist ausgeglichen. Die einen sagen, man darf Kleindienst auf gar keinen Fall abgeben, andere sagen, bei einer Ablösesumme von über 20 Millionen Euro muss man ihn verkaufen, um den Kader in der Breite besser aufzustellen.
Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass Kleindienst in Gladbach bleibt?
Bundestrainer Julian Nagelsmann sagt, bei ihm spielen nur Spieler, die auf Vereinsebene regelmäßig spielen. In Gladbach ist Kleindienst ein absoluter Stammspieler und Leader. Ich sage, die Chancen stehen 50:50.
Kommen wir auf Sie zu sprechen: Was war Ihr erster Berührungspunkt mit Borussia?
In meiner Familie gibt es viele Gladbach-Fans. Ich bin 1994 geboren, ich war damals noch auf dem Bökelberg. So richtig fing es nach dem Umzug in den Borussia-Park an. Auch wenn es sportlich schlecht lief und Gladbach 2007 in die 2. Bundesliga abgestiegen ist, war es eine tolle Zeit.
Wann ist die Idee zu „Buschi's Borussia“ entstanden?
Ich war leidenschaftlicher Fußballer, aber auch verletzungsanfällig. Vor einigen Jahren hatte ich meinen dritten Kreuzbandriss. Der Arzt hat mir dazu geraten, einen Punkt an die sportliche Karriere zu setzen. Wir saßen relativ frustriert in einer Kneipe, da sagten meine Kumpels zu mir, ich solle irgendetwas mit Fußball machen und einen Youtube-Kanal eröffnen.
Wann haben Sie die ersten Meilensteine erreicht?
Ich habe innerhalb von sieben Tagen 1000 Follower erreicht, das war für mich nicht greifbar. Irgendwann kam für mich der überraschendste Moment, als ich gesehen habe, dass mir Julian Weigl auf Instagram folgt. Plötzlich hast du Kontakt mit einigen Spielern wie Patrick Herrmann, der mir zum Abschied ein T-Shirt zugesendet hat. Da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut.
Was sollen Fans mit „Buschi's Borussia“ verbinden?
Ehrlichkeit und Emotionen. Fachlich ist es mit Sicherheit nicht immer hundertprozentig korrekt, aber das ist nicht mein Anspruch. Ich lasse meinen Emotionen freien Lauf. Die Leute sollen auf meinen Kanal gehen, Spaß haben, sich untereinander austauschen und sich ein wenig über Transfergerüchte informieren.
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