Klubchef will Dortmund-Präsident werden
BVB-Führungsstreit eskaliert: Anonyme Vorwürfe zielen auf Watzke ab
Ein anonymer Brief, gravierende Vorwürfe und ein eskalierender Machtkampf. Bei Borussia Dortmund tobt der Streit um die Präsidentschaft.
Dortmund – Eigentlich sollte bei Borussia Dortmund nach dem Ausscheiden aus der FIFA Klub-WM Ruhe einkehren. Die Spieler befinden sich im wohlverdienten, späten Sommerurlaub, während Sport-Geschäftsführer Lars Ricken und Sportdirektor Sebastian Kehl die entscheidende Phase der Kaderplanung einläuten.
Doch statt der sportlichen Weichenstellungen dominieren interne Querelen die Schlagzeilen: Ein erbitterter Machtkampf um das Präsidentenamt droht den BVB in den kommenden Monaten zu lähmen und stellt den Verein auf eine Zerreißprobe. Im Zentrum des Konflikts stehen zwei ungleiche Kontrahenten.
Auf der einen Seite der amtierende e.V.-Präsident Dr. Reinhold Lunow, in der breiten Öffentlichkeit eher ein Unbekannter, der sich als Bewahrer der Fan- und Mitgliederinteressen positioniert.
Ihm gegenüber: Hans-Joachim Watzke, seit fast zwei Jahrzehnten das Gesicht des Klubs, Multifunktionär und eine der einflussreichsten Figuren im deutschen Fußball. Noch ist seine Kandidatur gar nicht bestätigt. Dennoch läuft der Wahlkampf bereits. Ein anonymer Hinweisgeber hat nun für Aufsehen gesorgt.
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Anonyme Vorwürfe: Watzke im Visier der BVB-internen Ermittler
Dessen Mitteilung brachte zuletzt nämlich eine Compliance-Untersuchung gegen Watzke ins Rollen, wie die Ruhr Nachrichten berichten. Dem 66-Jährigen wurde demnach vorgeworfen, private Flüge auf Kosten von Borussia Dortmund abgerechnet zu haben. Ein schwerwiegender Vorwurf, der geeignet wäre, die Reputation des dieses Jahr ausscheidenden Geschäftsführers massiv zu beschädigen – und der zeitlich passend im beginnenden Wahlkampf platziert wurde.
Einen entsprechenden Zusammenhang kann man zwar nur erahnen, jede andere Interpretation schiene aber naiv.
Nach eingehender Prüfung durch gleich drei interne Instanzen wurde der Vorwurf jedoch einstimmig entkräftet, wie der Klub gegenüber der Regionalzeitung bestätigte. Die untersuchten Flüge zu einer UEFA-Sitzung und einer Generalversammlung der Klubvereinigung ECA im Jahr 2023 wurden demnach als rein dienstlich eingestuft und standen im Einklang mit Watzkes Vertrag, der die Nutzung von Charterflügen bei terminlicher Notwendigkeit explizit erlauben soll.
Auch wenn Lunow selbst durch die pflichtgemäße Weiterleitung des anonymen Schreibens korrekt gehandelt hat, bleibt der fade Beigeschmack, dass hier, von wem auch immer, gezielt Interna lanciert wurden, um Watzke zu schaden.
Zwei Lager beim BVB: Der Kampf hinter den Kulissen
Watzke selbst zeigte sich in einer Stellungnahme gegenüber den Ruhr Nachrichten erleichtert über die Entlastung, aber zugleich tief enttäuscht über die Indiskretionen. „Dass aus vertraulichen Gremien interne Details an die Öffentlichkeit gelangen, empfinde ich als enttäuschend. So ein Verhalten zerstört das Vertrauen“, so der BVB-Chef. Seine Worte legen den Finger in die Wunde: Der Riss geht tief durch den Verein, es haben sich Lager gebildet, die sich offenbar unversöhnlich gegenüberstehen.
Die Fronten sind klar. Während Lunow auf eine Wiederwahl hofft, haben sich der Ältestenrat und der Wirtschaftsrat des BVB bereits für eine Kandidatur von Watzke ausgesprochen. Diese Unterstützung ist entscheidend, denn sie beeinflusst direkt den mächtigen Wahlausschuss, der allein das Vorschlagsrecht für die Kandidaten bei der Mitgliederversammlung im November besitzt.
Wahlverfahren beim BVB: Ein System mit Hürden
Sollte Watzke seine erwartete Kandidatur offiziell machen, hat Lunow nach aktuellem Stand kaum eine Chance auf eine Wiederwahl. Das Wahlprozedere sieht vor, dass in den ersten beiden Wahlgängen ausschließlich der vom Wahlausschuss vorgeschlagene Kandidat zur Abstimmung steht. Erhält dieser die absolute Mehrheit, ist die Wahl beendet. Vorschläge aus der Versammlung sind erst ab einem potenziellen dritten Wahlgang möglich – zu dem es bei einer Kandidatur Watzkes aber kaum kommen dürfte.
Eine neue Dynamik könnte die jüngste Entscheidung des BVB-Vorstands bringen, die Mitgliederversammlung hybrid, also mit digitaler Teilnahmemöglichkeit, durchzuführen. Lunow begrüßte via X (ehemals Twitter) den „Schritt hin zu mehr Mitgliederbeteiligung“, merkte jedoch an, dass sein Vorschlag einer vorherigen Mitgliederbefragung abgelehnt worden sei.
Ob die erwartete höhere Beteiligung der rund 230.000 Mitglieder tatsächlich die Demokratie stärkt oder in erster Linie dem deutlich bekannteren Watzke in die Karten spielt, wird eine der spannendsten Fragen der kommenden Monate sein. Der Machtkampf beim BVB hat gerade erst begonnen. Welche Folgen er im Tagesgeschäft der Profiabteilung nach sich zieht, müssen alle Beteiligten kritisch im Blick behalten.
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