Wiedersehen in der Bundesliga
Ex-Coach vor Rückkehr: Rose war in Gladbach der Anfang vom Ende
Am Samstag sitzt Marco Rose wieder auf der Trainerbank des Borussia-Parks. Mit dem Ex-Coach verbindet Gladbach eine Negativspirale.
Mönchengladbach – Als Borussia Mönchengladbach im April 2019 die Verpflichtung von Marco Rose zur Saison 2019/20 verkündete, wähnte sich die Fohlen-Elf vor dem nächsten Schritt.
Gladbach ging mit Rose in den Angriffsmodus
Der Plan des damaligen Sportdirektors Max Eberl schien aufzugehen. Borussia nahm einerseits 34 Millionen Euro auf dem Transfermarkt ein, investierte andererseits aber auch 40 Millionen Euro, um den Kader für den nächsten Schritt zu rüsten.
Rose führte Gladbach in seiner Debütsaison in die Champions League, erreichte mit 65 Punkten die zweithöchste Bundesliga-Ausbeute des Klubs seit Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Saison 1995/96. Nur Lucien Favre sammelte bei der erstmaligen Champions-League-Qualifikation in der Saison 2014/15 mehr Punkte (66).
In der Königsklasse erreichte Borussia dann erstmals das Achtelfinale, scheiterte dort am späteren Finalisten Manchester City. Doch im Liga-Alltag begann der Anfang vom Ende.
Derby-Pleite, BVB-Wechsel – Rose fiel in Ungnade
Die Fohlen blieben im Dezember 2020 sieglos, überwinterten mit 18 Punkten aus 13 Partien auf dem achten Tabellenplatz. Zum Vergleich: In der ersten Rose-Saison war Borussia nach dem 13. Spieltag mit 28 Zählern Tabellenführer.
Der Auftakt ins neue Jahr fiel mit sechs ungeschlagenen Spielen in Folge mehr als positiv aus, doch mit der Derby-Niederlage gegen den 1. FC Köln am 6. Februar 2021 kippte die Stimmung. Rose war vorgeworfen worden, dem Spiel keine große Bedeutung beigemessen zu haben – und nachdem zuvor entsprechende Gerüchte die Runde gemacht hatten, bestätigte Gladbach am 15. Februar 2021 den bevorstehenden Wechsel des Trainers zu Borussia Dortmund.
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Das Fan-Umfeld warf Rose falsche Versprechungen vor. Statt langfristig etwas in Gladbach aufzubauen, zog es ihn ausgerechnet zum BVB, der in den Vorjahren schon das Fohlen-Trio Marco Reus, Mahmoud Dahoud und Thorgan Hazard verpflichtet hatte.
Eberl trotzte dem Gegenwind, hielt bis zum Schluss an Rose fest – doch nach 7 Niederlagen in den letzten 14 Bundesligaspielen verpasste Gladbach als Tabellenachter den Einzug in den Europapokal.
Mit Rose begann in Gladbach der Anfang vom Ende
Der Wirbel im Februar 2021 löste die Rückwärtsentwicklung am Niederrhein aus. Die Corona-Pandemie, verpasste Spielerverkäufe und ausbleibende Europapokaleinnahmen trafen Gladbach bis ins Mark.
In den Folgejahren verabschiedeten sich Leistungsträger wie Matthias Ginter, Denis Zakaria, Breel Embolo, Marcus Thuram und Ramy Bensebaini, der Klub musste sich neu erfinden. Diese Aufgabe hat der frühere Nachwuchskoordinator Roland Virkus übernommen, nachdem sich Eberl im Januar 2022 am Ende seiner Kräfte sah und zurückgetreten war.
In den vergangenen Jahren war die Rose-Rückkehr im Fan-Umfeld mit großen Emotionen verbunden, mittlerweile aber hat die Wut nachgelassen. „Ich habe nicht wahrgenommen, dass das eine Rolle spielt. Ich kann im Umfeld nicht erkennen, dass besonders auf Marco geguckt wird“, sagte Virkus am Donnerstag.
Rose sei „ein sehr guter Trainer, der viele neue Dinge hier bei Borussia eingeführt hat“, die dürftige Ausbeute in dessen zweiter Saison „hatte besondere Gründe“, hielt Virkus fest und betonte: „Marco war ein sehr engagierter und auch sehr beliebter Trainer.“
Seoane hat Gladbachs Negativkreislauf durchbrochen
Gerardo Seoane hat es allerdings geschafft, den Negativkreislauf zu durchbrechen, in welchem Gladbach nach dem Rose-Abschied zum BVB gefangen war.
Der Schweizer übernahm den Trainerposten im Sommer 2023, wäre mit dem Vertragsende am 30. Juni 2026 erst der dritte Trainer seit 1999, der drei Jahre im Amt geblieben ist. Was nach einem holprigen Start für Seoane spricht: Borussia hielt trotz aller Widerstände an ihm fest und sieht sich angesichts des siebten Tabellenplatzes darin bestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir einen sehr, sehr guten Trainer haben“, sagte Virkus über Seoane, der den Wiederaufbau der Fohlen-Elf mit angestoßen hat: „Er hat Borussia zu einem Zeitpunkt übernommen, an dem wir mit weniger Qualität arbeiten mussten und wir einen Anlauf brauchten.“
Im Zuge der Horror-Saison 2023/24 haben Klub und Trainer einige Dinge anpassen müssen, doch die Arbeit trägt ihre Früchte: „Es zeigt sich, dass diese Maßnahmen gegriffen haben. Er kann jetzt seine hundertprozentige Qualität einsetzen.“ Deshalb gibt es für die Fans auch keinen Grund mehr, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen.
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