„Schauen von Spiel zu Spiel“
Europa-Comeback? In Gladbach wird der Geist von Favre spürbar
Borussia Mönchengladbach bleibt auch nach dem Sieg gegen RB Leipzig die Füße demütig. Das Mantra, das Lucien Favre einst geprägt hat, lebt wieder auf.
Mönchengladbach – Tabellarisch betrachtet hat Borussia Mönchengladbach einen wichtigen zweiten Heimsieg im Kalenderjahr 2025 gefeiert. Und dieser lässt die Fans weiter von Europa träumen.
Führt Gladbachs Weg nach Europa?
Durch den von Alassane Pléas (56.) eingeleiteten 1:0-Erfolg gegen RB Leipzig klettert Gladbach mit 43 Punkten vorübergehend auf den fünften Tabellenplatz.
Der SC Freiburg kann mit einem Sieg gegen Union Berlin am Sonntag (15.30 Uhr) vorbeiziehen, aufgrund der Niederlage des VfL Wolfsburg gegen den 1. FC Heidenheim (0:1) und des Unentschiedens zwischen 1899 Hoffenheim und dem FC Augsburg (1:1) wird Borussia aber in jedem Fall auf einem Europapokalplatz bleiben.
Noch sieben Spieltage sind in dieser Saison zu absolvieren. Dass Gladbach mitten im Rennen um die internationalen Ränge ist, ist insofern kein Zufall mehr. „Wir sind gewachsen, haben aus unseren Fehlern gelernt“, urteilte Robin Hack in der Mixed Zone nach Spielende.
Cheftrainer Gerardo Seoane arbeitet mit einer Mannschaft, die sich im Vergleich zum Vorjahr gewandelt hat. „Sie ist hungrig und willig, sich weiterzuentwickeln. Es gibt individuell und im Teamspirit eine Entwicklung. Ich spüre eine Mannschaft, die auf das Ganze gehen will“, sagte der Schweizer und betonte: „Es gibt keine Grenzen. Es liegt an uns, wie konstant wir performen, wie viel Glück oder Pech wir im Spiel haben.“
In Gladbach weht der Geist von Favre
Borussia setzt sich bewusst keine Grenzen, denn wenn die Chance auf das i-Tüpfelchen besteht, soll diese auch ergriffen werden. Das betont Sport-Geschäftsführer Roland Virkus seit Wochen gebetsmühlenartig.
„Wir haben 43 Punkte, können nicht mehr absteigen“, zog Virkus zunächst ein demütiges Fazit und betonte anschließend: „Jetzt gucken wir von Spiel zu Spiel und schauen, dass es weitergeht. Wir wollen jedes Spiel punkten und wenn am Ende die Möglichkeit da ist, Großes zu erreichen, wollen wir das schaffen.“
Hätten Sie‘s gewusst? 20 Fußball-Stars mit überraschenden Karriere-Stationen




Äußerungen wie diese lassen in Gladbach aufhorchen. „Von Spiel zu Spiel“, dieses Mantra hat Lucien Favre nach der 180-Grad-Wende im Zuge des Klassenerhalts 2011 geprägt, als Borussia plötzlich in der Spitzengruppe der Bundesliga zu finden war.
Im doppelten Sinne weht im März 2025 der Geist von Favre am Niederrhein. Gladbach hat die Chance, sich erstmals nach vier Jahren wieder für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren – und tritt so bescheiden auf wie seinerzeit in der Saison 2011/12, die auf Rang vier beendet wurde.
Gladbach hat „nichts zu verlieren“
Europa ist kein Muss, aber es ist ein Ziel, das auch in der Mannschaft immer präsenter wird. „Jeder spürt, dass dieses Jahr was möglich ist“, sagte Hack und formulierte eine leise Kampfansage: „Wir kommen aus einer schwierigen Situation, letztes Jahr hat keiner an uns geglaubt. Wir haben nichts zu verlieren und können ohne Druck in diese Spiele gehen. Dann schauen wir, was möglich ist.“
Auch für Rocco Reitz ist nach dem Sieg gegen Leipzig klar: „Wenn man solche Spiele gewinnt, darf man nach oben schielen und träumen. Wir bleiben definitiv realistisch und wollen von Spiel zu Spiel die Punkte einsammeln.“
Die Chance sei in jedem Fall größer als vor der Länderspielpause, hinzu kommt die Serie von vier Auswärtssiegen in Folge. „Wenn wir auswärts weitermachen“, unterstrich Reitz, „warum nicht? Es kann alles passieren.“
Doch weil es keine Garantien für das Ende der Saison 2024/25 gibt, tritt auch Seoane in die Fußstapfen seines Landsmannes Favre. Er sei kein Hellseher und könne daher keine Prognose für den Endspurt abgeben. „Was ich sagen kann, ist, dass wir ab morgen den Fokus auf das nächste Spiel legen werden.“ Denn nach dem Spiel ist bekanntermaßen vor dem Spiel.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Norbert Jansen / fohlenfoto
