Neuzugang bei Niko Kovač perfekt aufgehoben

„Kein Superstar“: Jobe Bellingham grenzt sich beim BVB von Bruder Jude ab

Ein Bellingham ist zurück beim BVB! Neuzugang Jobe plant jedoch, einiges anders zu machen als Bruder Jude, der intern auch für Reibung sorgte.

Dortmund/Saalfelden – Als bislang einziger prominenter Neuzugang zieht Jobe Bellingham bei Borussia Dortmund besondere Aufmerksamkeit auf sich. Und natürlich deshalb, weil sein Bruder Jude beim BVB zum Star reifte, für über 100 Millionen Euro an Real Madrid verkauft wurde und heute zu den besten Fußballern der Welt gezählt wird. Der ständige Vergleich hätte beinahe den BVB-Wechsel verhindert.

BVB-Neuzugang Jobe Bellingham spricht mit einer für einen 19-Jährigen ungewöhnlichen Reife.

Dabei grenzt sich der Neuzugang vom Premier-League-Aufsteiger AFC Sunderland durchaus von seinem Bruder ab. Sie mögen sich aus dem Gesicht geschnitten sein, doch Jobe ist physisch eine weitaus imposantere Erscheinung, als es Jude zu Anfangszeiten als 17-Jähriger beim BVB war. Und auch in seinen Aussagen wird deutlich, dass Jobe mehr als eine Kopie von Jude ist.

Jude Bellingham wurde beim BVB Selbstdarstellung vorgeworfen

Der war schließlich beim BVB schnell vom Talent zum Star gereift und liebte das Spiel mit den Fans. Dass sich Jude Bellingham am Ende seiner Zeit in Dortmund manchmal alleine vor die Südtribüne stellte, um das Bad vor der Menge zu genießen, dass er Mitspieler anblaffte, wenn ein Pass nicht genau genug kam – in der Kabine eckte der heutige Real-Profi durchaus an.

Mancher Teamkollege soll glücklich gewesen sein, als sich der ältere Bellingham verabschiedete, dem eine One-Man-Show vorgeworfen wurde. Der jüngere Bellingham läuft, jedenfalls gemessen an seinem Auftritt bei einer Medienrunde im Trainingslager von Saalfelden (Österreich), nicht in Gefahr, dass bald auch über ihn derartig gesprochen wird.

Die teuersten BVB-Zugänge der Vereinsgeschichte

Der bis heute teuerste Neuzugang in der Vereinsgeschichte des BVB ist Ousmane Dembélé. Als damals 19-Jähriger kam der Franzose 2016 für 35 Mio. Euro nach Dortmund und mischte die Bundesliga furios auf. Nach 31 Torbeteiligungen und dem DFB-Pokalsieg im Gepäck wechselte Dembélé nach nur einem Jahr für 135 Mio. Euro zum FC Barcelona und ist damit gleichzeitig der teuerste BVB-Abgang jemals.
Satte 31 Mio. Euro zahlte der BVB 2022 an Ajax Amsterdam für die Dienste von Sébastien Haller. Der Ivorer kam als Nachfolger von Erling Haaland, doch seine Zeit beim BVB wurde von der Krebsdiagnose kurz nach seinem Wechsel überschattet.
2016 für 35 Mio. Euro an den FC Bayern verkauft, 2019 für 30,5 Mio. Euro zurückgeholt. Damit ist Mats Hummels der drittteuerste Neuzugang der BVB-Vereinsgeschichte. Insgesamt hat der Weltmeister über 13 Jahre im BVB-Trikot verbracht und 508 Pflichtspiele bestritten. 2024 hat er die Dortmunder als eine der größten Vereinslegenden aller Zeiten verlassen und im Sommer 2025 nach einem einjährigen Intermezzo bei der AS Rom seine Karriere beendet.
Auf Platz vier im Ranking der teuersten BVB-Neuzugänge ist der im Sommer 2025 verpflichtete Jobe Bellingham. Satte 30,5 Mio. Euro ließen sich die Westfalen die Dienste des erst 19-jährigen Mittelfeldspielers kosten. Beim BVB tritt der junge Engländer in sehr große Fußstapfen.
Die teuersten BVB-Zugänge der Vereinsgeschichte

„Ich will kein großes Aufsehen erregen neben dem Platz, weshalb ich immer etwas nervös bin, wenn ich Interviews gebe“, gestand der Jungprofi ehrlich. „Dortmund ist kein Klub, zu dem man kommt, um ein Superstar zu sein“, sagte er weiter. „Ich möchte kein Superstar sein, sondern wie eine Maschine, wenn ich auf dem Platz stehe.“ Leistungskultur statt Personenkult, so ließe sich das vielleicht herunterbrechen.

Wohlgemerkt, die Leistung stimmte auch bei Jude Bellingham. Nur deshalb rückte der Mittelfeldmann beim BVB so stark in den individuellen Fokus. Sein jüngerer Bruder scheint solche Aufmerksamkeit zumindest nicht aktiv zu suchen. Zunächst geht es ohnehin darum, anzukommen. „Ich versuche, mich mit Leuten zu umgeben, von denen ich lernen kann, besonders von Pascal“, erklärte er seine Herangehensweise.

Dass er mit Pascal Groß den stillen Leader des BVB als ersten Mentor nennt, spricht Bände. Die Aussagen von Jobe Bellingham lassen auch erahnen, welchen Einfluss Cheftrainer Niko Kovač auf seine Entscheidung hatte, trotz der Gefahr des ständigen Bruder-Vergleichs nach Dortmund zu gehen.

„Er möchte intensiven Fußball spielen, auch im Training, und das passt zu dem, woran ich glaube und wie ich mich sehe. Er ist streng, leidenschaftlich und versteht das Spiel so gut, weil er so viel Erfahrung hat. Ich hatte das Gefühl, dass er die beste Person ist, um ihm meine Zukunft anzuvertrauen“, sagte Bellingham.

Bemerkenswert ist auch sein Umgang mit der Erwartungshaltung beim BVB. Statt sich hinter Floskeln zu verstecken, spricht er Klartext: „Ich denke, Titel sollten das Ziel jedes Spielers sein, der zu einem Verein mit so viel Fanliebe kommt. Warum sollte man nicht zu einem Verein wie diesem kommen und große Dinge erreichen wollen?“, so seine rhetorische Frage.

In dieser Hinsicht hilft, dass Jobe den Klub aus nächster Nähe erlebt hat, als Jude in Dortmund spielte. „Es ist ein Verein, der in den letzten Jahren von dem großen Moment, den er verdient, beraubt wurde – sei es in der Champions League oder beim Unentschieden gegen Mainz. Ich war im Stadion und weiß, was die Fans denken und fühlen.“

Dass ein 19-Jähriger dieses Thema gleichzeitig selbstbewusst und doch feinfühlig einordnen kann, ist gewiss bemerkenswert. Es zeigt, wie professionell die Familie Bellingham den talentierten Spross vorbereitet hat. „Ich möchte einer der besten Mittelfeldspieler in Europa werden“, sagte Jobe Bellingham, nicht mit lautem Getöse, sondern dem Brustton der Überzeugung. „Ich möchte mein gesamtes Spiel verbessern, meine Stärken zu Super-Stärken machen.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kirchner-Media

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