Hoffenheim in der Krise

Wutrede nach Bayern-Debakel: TSG steckt plötzlich in der Kramaric-Falle

Andrej Kramaric hat die TSG Hoffenheim nach der Pleite beim FC Bayern München zerlegt. Die Kraichgauer haben nach diesen Worten ein weiteres Problem.

Sinsheim - Als die Partie zwischen dem FC Bayern München und der TSG Hoffenheim am Mittwochabend beendet war und ein um kein Tor zu hoch ausgefallenes 5:0 auf der Anzeigetafel aufleuchtete, ging Andrej Kramaric in Richtung Mikrofone. Der Kroate ist eine lebende Vereinslegende. Er kam im Januar 2016 in den Kraichgau und war in 308 Pflichtspielen an 196 Treffern beteiligt.

Kramaric zerlegt die TSG

Seine Laune? Sie lag nach dem Abrutschen auf Rang 16 dementsprechend im Keller. Es war kein normales 0:5. Die Mannschaft war von der ersten Sekunde an vollumfänglich chancenlos und hatte Glück, dass der FC Bayern irgendwann den Fuß vom Gaspedal nahm. In Kramaric brodelte es gewaltig. „Ich möchte nicht über das Spiel sprechen. Das ist das Bild der ganzen Saison, das ist eine große Scheißsaison“, echauffierte sich der Stürmer, der sich „immer noch sanft“ äußere: „Wenn ich die Wahrheit sagen würde und einige Dinge, die mir über den Verein und die ganze Situation durch den Kopf gehen, würde ich wahrscheinlich die größte Strafe in der Geschichte der Bundesliga erhalten.“

Andrej Kramaric ist der Star der TSG Hoffenheim

Die TSG steckt nach dieser Wutrede von Kramaric in einer Zwickmühle. Der erste Fehler war, den impulsiven Angreifer überhaupt sprechen zu lassen. Kramaric ist ein emotionaler Charakter, Diplomatie gehört nicht zu seinen größten Stärken. Der 33-Jährige hat den Klub in seine Einzelteile zerlegt: „Wir investieren so viel Geld für nichts. Im Moment sind wir in Abstiegsgefahr, mit einem guten Kader und guten Spielern, aber nichts funktioniert, weil sich im Verein etwas verändert hat.“ Das freut naturgemäß die Medienlandschaft. Für die interne Stimmung ist so etwas zum Ende der Hinserie natürlich pures Gift.

TSG-Boss äußert sich nur handzahm

TSG-Boss Markus Schütz äußerte sich am Donnerstag im kicker zwar handzahm: „Es ist verständlich, dass sich Frust aufstaut, aber es ist im Grunde ja positiv, wenn die Spieler emotional bei der Sache sind. Und wir alle erwarten, dass diese Emotionalität sich in einer konstruktiven Energie in unseren kommenden Auftritten zeigen wird.“ Konsequenz? Die sieht anders aus. Üblicherweise müsste es nach einem solchen Interview eine saftige Geldstrafe und einen Denkzettel geben.

Kramaric ist sportlich jedoch eine unverzichtbare Größe bei den immer weiter strauchelnden Hoffenheimer. Verzwickt! Die TSG steckt in der Kramaric-Falle. Schütz jedenfalls hat mit der „sanften Tour“ damit Tür und Tor geöffnet für weitere Profis, die ihrem Ärger in der Öffentlichkeit mal so richtig freien Lauf lassen wollen. Diese ganze Unruhe stört die Vorbereitung auf das so richtungsweisende Kellerduell bei Holstein Kiel. Sollte Hoffenheim mit zwei Treffern Differenz verlieren, rutscht man sogar auf den ersten direkten Abstiegsrang 17 ab.

TSG droht das Abrutschen auf Rang 17

Es wäre der nächste Tiefpunkt einer enttäuschend verlaufenden Saison. Und Abstiegskampf in dieser Konstellation? Ein brutal schweres Unterfangen. Während Bochum, Kiel, Heidenheim oder St. Pauli von Beginn an wussten, dass es nur um das sportliche Überleben geht, hatte die TSG ursprünglich andere Pläne. Doch auf dem Transfermarkt ging alles schief, Investitionen in Höhe von 66 Millionen Euro brachten den Klub kein Stück weiter.

Hoffenheim ist eine wild zusammengewürfelte Mannschaft, die hinten und vorne nicht zusammenpasst. Die einzige Lösung? Weitere Transfers. Eine Identität? Ein roter Faden? Eine Wagenburgmentalität? Alles nicht zu erkennen. Das Faninteresse ist gering, eine Stadionauslastung von 80 Prozent wird von keinem anderen Bundesligisten (Wolfsburg hat 87 %, alle weiteren Bundesligisten weit über 90 oder sogar 100 %) unterboten. Der erste Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte ist natürlich noch längst nicht besiegelt, er nimmt aber durchaus immer stärkere Konturen an, wenn nicht schnellstmöglich an den richtigen Stellschrauben gedreht wird. Welche das sind? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Quo vadis, TSG?

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mladen Lackovic

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