Rummenigge deutlich

Rekord-Bayern werden vor Rückspiel in der Champions League nicht nur gelobt

Der FC Bayern scheint in dieser Saison zu Großem fähig. Doch im Umfeld des deutschen Rekordmeisters werden auch Warnungen ausgesprochen.

Den Spielball sicherte sich Leon Goretzka trotzdem vorsorglich. Mit jenem Ball hatte der Sechser zuvor das 2:0 für die Bayern gegen St. Pauli erzielt, es war der Treffer zum historischen neuen Torrekord in der Bundesliga, nur: Goretzka wusste von alldem offenbar nichts. „Der Ball wurde mir auf dem Platz in die Hand gedrückt, ich musste mir erst mal erklären lassen, was das für ein Rekord ist“, sagte er mit einem Lachen.

Leon Goretzka wird von seinen Mitspielern für sein Tor zum Bayern-Rekord gefeiert.

Das ist schnell erklärt: Der deutsche Rekordmeister hat durch das 5:0 (1:0) gegen St. Pauli nun die meisten Tore (105) in einer Bundesliga-Saison in der Geschichte erzielt, zuvor waren es 101 in der Saison 1971/72. Und Goretzka – ausgerechnet Goretzka! –, der goldene Torschütze, der den Verein im Sommer nach acht Jahren verlässt, sagte über diese Bestmarke: „Ich musste in der Kabine eine Rede halten, aber die habe ich kurz gehalten: Ich habe mich einfach bei Harry (Kane, d. Red.) bedankt, der das mit Michael (Olise) und Lucho (Luis Diaz) möglich gemacht hat. Mir bedeutet das nicht so viel. Es spiegelt wider, was für eine außergewöhnliche Saison wir spielen.“

Hoeneß gratuliert, Rummenigge warnt Rekord-Bayern vor dem Rückspiel gegen Real Madrid

Für diese Saison gab es auch Lob von höchster Stelle. „Im Fußball geht es um Titel, Rekorde sind Nebensache. Aber dass diese Mannschaft jetzt unsere Marke von 101 Treffern nach so vielen Jahrzehnten geknackt hat, sagt viel aus“, gratulierte Uli Hoeneß über die Münchner Vereinskanäle. „Ich gönne diesen Erfolg der ganzen Mannschaft um unseren Trainer Vincent Kompany von Herzen. Was mir am besten gefällt: Diese Spieler hören nicht auf, die machen auch nach dem vierten oder fünften Tor noch immer weiter. So bricht man Rekorde – und am wichtigsten: So macht man den Fans Freude, Spiel für Spiel.“

Doch natürlich steckte auch in diesen Zeilen eine für Hoeneß typische Botschaft, die lautet: Rekorde schön und gut – doch jetzt gilt es, die bisher so hervorragende Saison in Titel umzumünzen. Die Aussichten dafür sind blendend: Neben dem quasi sicheren Ligatitel und dem Halbfinale im DFB-Pokal erwartet der FC Bayern Real Madrid im Viertelfinalrückspiel der Champions League mit einer 2:1-Führung im Rücken.

Jüngste Schiri-Skandale überschatten legendäre Duelle des FC Bayern mit Real Madrid

Real Madrid und der FC Bayern zählen zu den größten Klubs aller Zeiten. Das erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften liegt weit zurück. Im Europapokal der Landesmeister 75/76 trafen beide Klubs im Halbfinale aufeinander.
Nach einem 1:1 im Hinspiel konnten die Bayern das Rückspiel im Olympiastadion durch einen Doppelpack von Gerd Müller mit 2:0 für sich entscheiden. Am Ende konten die Münchner auch den Henkelpott bejubeln.
Auch in den 80ern trafen beide Teams aufeinander. In der Saison 86/87 setzten sich die Bayern wieder durch, 87/88 konnten die Madrilenen den Rekordmeister erstmals herauskegeln.
Erst im Jahr 2000 sahen sich beide Teams wieder – und das ganze viermal. Denn damals gab es in der Champions League noch eine Zwischenrunde, bei der beide Teams aufeinandertrafen. Dort triumphierten die Bayern klar und deutlich, doch im Halbfinale flog man gegen Anelka und Co. unglücklich raus. Die Madrilenen setzten sich am Ende auch die Krone auf.
Jüngste Schiri-Skandale überschatten legendäre Duelle des FC Bayern mit Real Madrid

Karl-Heinz Rummenigge warnt die Münchner trotzdem vor zu viel Sorglosigkeit: „Man darf jetzt nicht den Fehler machen, zu viel Euphorie aufkommen zu lassen. Ich nehme im Moment einen kleinen Hype wahr, und der gefällt mir ehrlich gesagt nicht“, sagte er bei DAZN über Madrid, das seine Generalprobe am Freitag verpatzte und 1:1 gegen Girona spielte. „Wir müssen am Mittwoch noch einmal eine absolute Top-Leistung abrufen. Hochkonzentriert, sehr klug spielen – und versuchen, das, was wir am letzten Dienstag gezeigt haben, zu wiederholen.“

Joshua Kimmich fasste es daher so zusammen: „Bei Real ist es egal, wie sie in Form sind. Wenn Champions League ist, performen sie.“ Die Bayern sind vor dem Rückspiel am Mittwoch (21 Uhr, DAZN) also gewarnt – trotz Torrekord.

Rubriklistenbild: © IMAGO/DeFodi Images

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