Teurer Transfer für Dortmund

Teurer Transfer spaltet die Fans: Was Bellingham dem BVB bringt

Borussia Dortmund zahlt über 30 Millionen Euro für Jobe Bellingham. Die Reaktionen der Fans fallen gemischt aus. Was bekommt der BVB für sein Geld?

Dortmund – 30 Millionen Euro für einen 19-Jährigen aus Englands zweiter Liga – ein mutiger Schritt. Viele fragen sich: Ist Jobe Bellingham für Borussia Dortmund wirklich so viel wert?

Er ist nicht das weltweit umworbene Wunderkind wie sein Bruder Jude, kein Edeltechniker für die Zehner-Position à la Rayan Cherki. Genau darin liegt die Diskussion: Was bekommt der BVB für diese Summe – und was nicht?

Dabei übersieht die Kritik am Preis die Realität des Transfermarkts. Jobe kommt vom AFC Sunderland, einem Klub, der gerade in die Premier League aufgestiegen ist und dadurch finanziell kräftig aufrüstet. Zudem gab es ernsthafte Konkurrenz: Auch RB Leipzig und Eintracht Frankfurt wollten den Mittelfeldmann verpflichten. Für den BVB ist der Transfer eine Investition in Potenzial – und in einen Spielertyp, der dem Kader trotzdem sofort neue Möglichkeiten eröffnet.

Bellingham bringt Attribute, die dem BVB gefehlt haben

Jobe Bellingham ist vielseitig, fühlt sich aber zwischen den Strafräumen am wohlsten – als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. „Als Achter ist er stärker, weil er sich in engen Räumen Platz verschaffen kann und ein guter Ballschlepper ist, da ähnelt er seinem Bruder“, sagte Sunderland-Reporter Matty Hewitt bereits im Mai gegenüber Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports.

Beim BVB waren zuletzt zumeist Julian Brandt und Pascal Groß in dieser Rolle aktiv. Bellingham bringt andere Stärken mit: körperliche Präsenz, Athletik, Zweikampfhärte.

Wer ihn in Sunderland beobachtet hat, sah einen Spieler, der keine Zweikämpfe scheut. Seine Tacklingwerte übertreffen schon jetzt die der etablierten BVB-Profis, seine Kopfballstärke ist für sein Alter außergewöhnlich. In der vergangenen Saison gewann er 1,77 Kopfballduelle pro 90 Minuten – mehr als Brandt (0,45), Groß (0,86) und sogar Nmecha (1,35), wie Daten des Portals FBRef zeigen.

Jobe Bellingham unterschreibt bis 2030 beim BVB.

BVB-Einkauf durchlief das „Stahlbad“ Championship

Gerade in der Championship, einer Liga, die für ihre Härte bekannt ist und für junge Spieler als „Stahlbad“ gilt, hat sich Bellingham als Kämpfer etabliert. Genau diese Mentalität hat dem BVB in entscheidenden Momenten zuletzt oft gefehlt.

Das Dortmunder Mittelfeld – häufig besetzt mit Nmecha, Brandt und Groß – war in der Vergangenheit nicht immer das stabilste. Bellingham bringt trotz seines Alters Robustheit und Stabilität ins Zentrum. Seine Kopfballstärke ist nur ein Aspekt. Ebenso wichtig ist sein Gespür für Räume und das richtige Timing im Zweikampf.

Wie fügt sich Bellingham ins BVB-Mittelfeld?

Wie könnte Bellingham im BVB-Mittelfeld eingesetzt werden? Zwei Szenarien bieten sich an:

Szenario 1: Bellingham mit Nmecha und Groß

Dieses Trio könnte maximale Stabilität bringen: Nmecha als Sechser, Groß als spielstarker Taktgeber, Bellingham als Box-to-Box-Spieler. Besonders gegen starke Gegner wäre das eine Option.

Szenario 2: Bellingham mit Nmecha und Brandt

Hier steht mehr Kreativität im Vordergrund. Brandt bleibt das kreative Herz, Bellingham sorgt für Balance, Nmecha sichert defensiv ab. Diese Variante könnte gegen tief stehende Gegner ihre Stärken ausspielen.

Bellingham hat bereits über 3.500 Minuten in einer der härtesten Ligen Europas gespielt – mit 19 Jahren. Das zeigt: Er ist in der Lage, sofort eine Rolle beim BVB zu spielen. Dabei ist das, was ihn so wertvoll macht, schwer zu bemessen. Es ist seine Mentalität.

BVB-Neuzugang Bellingham gilt schon jetzt als Mentalitätsspieler

„In Interviews wirkt Jobe bodenständig, ruhig und ehrlich – wie Jude zu Beginn seiner Karriere“, sagt Hewitt. In einer Mannschaft, der oft das letzte Quäntchen Entschlossenheit fehlt, bringt er auf dem Platz aber genau die Härte mit, die gebraucht wird. Jobe Bellingham ist ein Spieler, der auch bei Rückstand noch alles gibt und trotz seiner Jugend Verantwortung übernimmt.

Diese Qualität lässt sich schwer in Zahlen messen, aber sie kann Spiele entscheiden. Dortmund hat in den vergangenen Jahren erlebt, wie wichtig mentale Stärke ist. Schon Jude Bellingham war beim BVB ein Vorbild in Sachen Einsatz und Widerstandsfähigkeit.

Zukunft und Gegenwart beim BVB

30 Millionen Euro sind viel Geld für einen Spieler, der sich noch nicht auf Top-Niveau bewiesen hat. Aber es ist eine Investition in die Zukunft – und gleichzeitig in einen Spielertyp, der Stabilität, Präsenz und Mentalität mitbringt. Genau das, was dem BVB zuletzt oft gefehlt hat.

Der Transfer mag auf den ersten Blick teuer wirken. Doch langfristig könnte sich der Bellingham-Deal als Glücksgriff erweisen. Vielleicht überzeugt er am Ende gerade die Skeptiker.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Richard Sellers

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