Auch ohne Buddhas

Viele Jahre später setzt Kompany Klinsmanns Ziel beim FC Bayern um

Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann startete im Sommer 2008 sein Abenteuer als Bayerntrainer mit einem ganz großen für ihn letztendlich unerreichbaren Ziel. Laut Uli Hoeneß ist dieses nun erfüllt.

München - Als der Ex-Bayernspieler (1995-97) und Ex-Teamchef der deutschen Nationalmannschaft Jürgen Klinsmann im Sommer 2008 an der Säbener Straße seinen ersten Job als Vereinstrainer antrat, äußerte er sehr vollmundig das große Ziel seiner künftigen Tätigkeit beim FC Bayern: „Jeden Spieler jeden Tag besser machen“.

Ehrenpräsident Uli Hoeneß mit riesiger Wertschätzung für Bayern-Coach Vincent Kompany.

Diese Philosophie beinhaltete damals zahlreiche Neuerungen wie individuelle Trainingspläne, eine Lounge-artige Atmosphäre im Verein (Buddhas auf dem Dach!) und eine moderne Aufbereitung von Spielanalysen, um eine ganzheitliche Verbesserung der Spieler zu erreichen. Bekanntermaßen scheiterte die Umsetzung des großen Ziels des Weltmeisters von 1990 letztlich an den schwachen Ergebnissen und seinem negativen Verhältnis zu großen Teilen seiner Mannschaft. 

Hoeneß schwärmt von ambitionierter Mannschaft und überragendem Trainer

Unter anderem Uli Hoeneß war damals, noch als Manager des FC Bayern, nach nicht einmal neun Monaten für seine vorzeitige Entlassung verantwortlich. Nun sieht der heutige Ehrenpräsident unter dem neuen Trainer Vincent Kompany im OMR Podcast das damalige Ziel Klinsmanns beim Rekordmeister als erfüllt an. Beinahe hätte Hoeneß Kompany schon vor Jahren an die Isar gelockt.

Als der FCB-Ehrenpräsident im Podcast über die aktuelle Form der Bayern-Profis spricht, ist die Begeisterung kaum zu überhören. Der FC Bayern habe mit dem 2:1-Erfolg in Paris ein Signal an ganz Fußball-Europa gesendet: „Unsere Mannschaft hat in Paris ein überragendes Fußballspiel präsentiert“, so Hoeneß, von der Art und Weise des Auftretens schwärmend.

Guardiola, De Bruyne, Neuer: Die wichtigsten Weggefährten von Bayern-Trainer Vincent Kompany

Vercauteren war einer der ersten Trainer, der Kompany volles Vertrauen schenkte und ihn schon als Teenager als Abwehrchef einsetzte. Das Verhältnis war geprägt von Respekt und gegenseitigem Verständnis.
Kompany und Vanden Borre galten als die größten belgischen Talente ihrer Generation. Beide spielten gemeinsam in der Anderlecht-Jugend und debütierten früh in der ersten Mannschaft, verbunden durch eine enge Jugendfreundschaft.
Huub Stevens war Kompanys Trainer in seiner Zeit beim HSV und vermittelte ihm die Bedeutung taktischer Disziplin und defensiver Organisation. Das Verhältnis war von Respekt geprägt, auch wenn Kompanys Verletzungen verhinderten, dass sich ihre Zusammenarbeit langfristig entfalten konnte.
Beim HSV war Van der Vaart Mannschaftskapitän und ein Leitbild für den jungen Kompany. Der Belgier lernte von ihm, wie man auf und neben dem Platz Verantwortung übernimmt.
Guardiola, De Bruyne, Neuer: Die wichtigsten Weggefährten von Bayern-Trainer Vincent Kompany

Für den 73-Jährigen war diese Leistung Ausdruck einer Entwicklung, die weit über ein einzelnes Spiel hinausgeht. Das Zusammenspiel von sportlicher Qualität, Teamgeist und klarer Führung sei zurück: „Im Moment stimmt eigentlich alles. Wir haben eine sehr ambitionierte Mannschaft, wir haben einen überragenden Trainer und die Außendarstellung ist im Moment auch so, wie sie sein soll.“

Ein großes Thema war dabei auch die im Sommer viel diskutierte Kadergröße der Bayern-Profis. Viele Experten hatten die Verantwortlichen des FC Bayern wegen des vermeintlich (viel) zu kleinen Aufgebots kritisiert. Hoeneß widerspricht dem nun deutlich und erklärt, warum der schlankere Kader sogar von Vorteil sei: „Im Moment muss ich feststellen, dass das Gegenteil der Fall ist“.

Statt Unruhe und Überangebot gebe es Klarheit, Identifikation und Wettbewerb. Und genau das sei die Basis für die starke Form der Bayern. Ein Schlüssel dafür ist für den Weltmeister von 1974 Kompanys konsequente Förderung junger Spieler. Namen wie Tom Bischof, Aleksandar Pavlović oder Lennart Karl stehen für das neue Bayern-Gesicht.

Kompany holt sich weitere Lobeshymnen ab

Dazu Hoeneß: „Er jammert nicht, sondern baut junge Leute ein wie Karl oder Bischof.“ Noch wichtiger ist für Hoeneß jedoch die Haltung des Trainers: „Er ist wie eine Glucke, der die Spieler wunderbar schützt und trotzdem auf dem Trainingsplatz ihnen alles beibringt. Und das Allerwichtigste von ihm ist: Er macht jeden Spieler besser.“

Dass Kompany dies jeden einzelnen Tag gelingt, wie es Klinsmann einst an der Säbener Straße geplant hatte, behauptet der Bayern-Patron dabei nicht. Jedoch sieht er die Weiterentwicklung jedes Einzelnen als Basis dafür, warum Bayern aktuell wieder enorm an Stärke gewinnt. Kompanys Arbeit sorge dafür, dass die Mannschaft homogener sei und wieder gemeinsame Energie entwickle. Klinsmanns Ziel scheint mit 17 Jahren Verspätung umgesetzt zu sein.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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