Vermisste Torjägerqualitäten
Umstrittener Ex-Bayern-Star Sané sogar eine große deutsche WM-Hoffnung?
Viele deutsche Fußballfans und -experten reagierten mit Unverständnis, als Bundestrainer Julian Nagelsmann Leroy Sané für die WM nominierte. Doch der hat seine Gründe.
Zusammen mit dem Weltmeister von 2014, Mesut Özil, gehört Ex-FCB-Spieler Leroy Sané wohl zu den gleichermaßen talentiertesten wie umstrittensten deutschen Fußballern der letzten 10, 15 Jahre. Grund hierfür ist speziell die Körpersprache des 30-Jährigen, der es schwer verbergen kann, wenn er unzufrieden mit sich selbst ist, wenn er sein Potenzial als Weltklassespieler nicht abrufen kann. Dennoch arbeiteten alle seine Trainer gerne mit ihm, ob sie Pep Guardiola, Hansi Flick, Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel oder auch Vincent Kompany hießen, und bedachten ihn regelmäßig mit Lob.
Nach zwei englischen Meistertiteln mit Manchester City und vier deutschen mit dem FC Bayern zog es Sané im Sommer 2025 in die wesentlich weniger renommierte türkische SüperLig zu Galatasaray Istanbul. Seitdem ist die Kritik an ihm noch einmal sprunghaft angestiegen. Als Maßstab, um sich weiterhin für die DFB-Elf zu qualifizieren, wurde angesetzt, dass er in seiner neuen sportlichen Heimat quasi alles „in Grund und Boden schießen“ müsste. Mit sieben Toren und neun Vorlagen in wettbewerbsübergreifend 43 Pflichtspielen erfüllte er diese Vorgabe nicht. Dennoch wurde der Traditionsverein – auch dank Sané – erneut türkischer Meister.
Im DFB-Team liefert Sané regelmäßig ab
Obwohl er in den letzten sechs Länderspielen sechs Scorerpunkte (3 Tore, 3 Assists) sammelte, hätten ihn zahlreiche deutsche Anhänger gerne bei der anstehenden WM in den USA, Kanada und Mexiko nicht dabei gehabt. Nagelsmann argumentiert dagegen mit dem Verweis auf Sanés riesiges Potenzial, seine Arbeitseinstellung auf dem Platz – entgegen anderer Meinungen ist er sich für defensive „Drecksarbeit“ nie zu schade – und seine große Beliebtheit bei den Teamkollegen.
Dabei gibt es noch ein zusätzliches Argument für seine WM-Nominierung, die ihn nach Lennart Karls bitterem Turnier-Aus wohl sogar in die DFB-Startelf bringen sollte: Der Tempodribbler ist im 26-Mann-Kader nach Kai Havertz (22 Tore in 58 Spielen) der zweitbeste Nationalmannschafts-Torschütze mit 17 Treffern in 76 Länderspielen. Eine für seine Position durchaus bemerkenswerte Quote. Sein Siegtor beim 2:1 im letzten WM-Testspiel gegen die USA wurde von seinen Teamkollegen entsprechend gefeiert.
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Nagelsmanns Mannschaft ist nach dem Ausfall des besten Torjägers aller aktuellen Nationalspieler, Serge Gnabry (26 Tore/59 Spiele), diesbezüglich arg im Nachteil, wenn man sie mit einigen WM-Favoriten vergleicht: Die 23 nominierten Feldspieler kommen zusammen auf gerade einmal 105 Länderspieltore. Dritter im Ranking ist Leon Goretzka (15/70), dahinter Florian Wirtz (11/41), Joshua Kimmich (10/110) und Jamal Musiala (9/42).
Zum Vergleich: Weltrekordler Cristiano Ronaldo hat für Portugal 143 Tore in 227 Spielen erzielt. Auch Lionel Messis Toranzahl übertrifft mit 116 (198) die des gesamten deutschen Kaders. FCB-Superstar Harry Kane ist englischer Rekordtorschütze mit 78 Treffern (112).
Die ewige Liste der deutschen Torschützen führt Miroslav Klose mit 71 Toren in 137 Spielen an. Dahinter rangiert die Bayernlegende Gerd Müller mit sagenhaften 68 Toren in lediglich 62 Spielen. Dahinter: Lukas Podolski (49/136), Jürgen Klinsmann (47/108), Rudi Völler (47/90), Karl-Heinz Rummenigge (45/95), Thomas Müller (45/131).
Gnabry ist in dieser Rangliste derzeit 17., Havertz 24. und Sané 32. – und damit immerhin neun Plätze vor der BVB-Legende Marco Reus (15/48). Mesut Özil befindet sich übrigens mit 23 Toren – gemeinsam mit Rekordnationalspieler Lothar Matthäus – auf dem 21. Platz.
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