„Unfassbar schlecht“
Verärgerter Kleindienst liest schwachen Gladbachern die Leviten
Gegen St. Pauli hat Gladbach eine mehr als unzureichende Leistung geliefert. Tim Kleindienst hat auf seine Art als Führungsspieler agiert.
Mönchengladbach – Nach dem Schlusspfiff am Millerntor waren sich alle Beteiligten von Borussia Mönchengladbach einig: Mit dem 1:1-Remis gegen den FC St. Pauli ist man bestens bedient.
Gladbach kommt gegen St. Pauli mit blauem Auge davon
Gladbach erbrachte über 90 Minuten eine dürftige Leistung gegen die Kiezkicker, hatte in keiner Spielphase wirklich Zugriff. Einerseits gewannen die Fohlen wenige Zweikämpfe und zweite Bälle, andererseits wurde das Rund zu schnell verloren, als dass wirklich Gefahr aufkam.
Wenn dann mal ein Konter initiiert wurde, dann wurde dieser schlecht ausgespielt. Ein Kopfball von Ko Itakura nach einem Eckball brachte kurz vor dem Halbzeitpfiff (45.+1) die Pausenführung, der Ausgleich durch Oladapo Afolayan in der 85. Minute war jedoch mehr als verdient.
So steht Borussia an diesem 28. Bundesliga-Spieltag zwar mit einem Punkt da, die Zufriedenheit war aber niemandem ins Gesicht geschrieben. Den Grund formulierte Tim Kleindienst am DAZN-Mikrofon in aller Deutlichkeit: „Wir können heute nur sagen, dass wir einen Punkt gewonnen haben, den wir definitiv nicht verdient hätten.“
Kleindienst poltert Gladbach-Auftritt: „Gar nichts funktioniert“
Der Stürmer kehrte nach abgesessener Sperre in die Startelf zurück, blieb am Millerntor aber zum wiederholten Male tor- und sieglos. Und wie es immer der Fall ist, wenn Gladbach in dieser Saison ein schwaches Spiel abliefert, ging Kleindienst auch am Sonntagnachmittag als Führungsspieler voran, indem er den Finger in die Wunde legte und die Sinne aller Mitspieler schärfte.
„Wir haben ein unfassbar schlechtes Spiel gemacht. Es hat gar nichts funktioniert, wir hatten keinen Zugriff“, begann Kleindienst seine Analyse des Spiels.
„Wir haben alles vermissen lassen. Wir hatten keine zweiten Bälle, wir haben keinen Angriff vernünftig zu Ende gespielt, wir hatten so viele Ballverluste, wir hatten so einfache technische Fehler“, fuhr der Torjäger fort und schlussfolgerte treffend: „Man hatte das Gefühl, wir hätten noch zehn Stunden weiterspielen können, wir hätten heute gar nichts auf den Rasen gebracht.“
St. Pauli habe ein gutes Spiel gemacht, „aber es gehören immer zwei dazu“, unterstrich Kleindienst die schwache Gladbacher Leistung. „Wir hatten keine Strafraumaktionen, kaum Abschlüsse. Wir haben es überhaupt nicht hinbekommen, über die Außenverteidiger oder das Dreiecksspiel irgendetwas aufzuziehen, wir haben keine Zwischenräume bespielt.“
Reitz beschwört neue Gladbach-Stärke
Harte Worte, die Kleindienst keinesfalls als einziger Borusse vertrat. Auch Rocco Reitz empfand, man dürfe „glücklich sein, dass wir den Punkt am Ende mitgenommen haben“, denn St. Pauli habe gute Mittel gegen das eigene Spiel gefunden: „Wir mussten viel abdecken, viele Räume besetzen. St. Pauli hat es mit den Positionswechseln gut gemacht, du wusstest nie, auf wen du Zugriff haben kannst und musst. Am Ende läufst du dich tot, vielleicht fehlt auch die Energie nach vorne.“
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Mit Gerardo Seoane ist allerdings eine gewisse Sachlichkeit in Gladbach eingekehrt. Der Cheftrainer lässt sich weder von Siegen noch von Niederlagen aus der Ruhe bringen. Diese Eigenschaft beschwor Reitz nach der Enttäuschung auf dem Kiez. „Wir dürfen uns von so etwas nicht aus dem Flow bringen lassen. Wir müssen ruhig bleiben, nicht zu emotional reagieren. Wir sind immer noch ein gutes Team, wir haben eine super Mannschaft und wir haben noch einiges vor“, so der Mittelfeldspieler.
Wie immer gilt es, das Spiel zu analysieren, Defizite anzusprechen und auch auf dem Platz aufzuarbeiten. In der Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den SC Freiburg (12. April, 15.30 Uhr) sind die Sinne geschärft. Denn klar ist: Ein solcher Ausrutscher soll sich nicht wiederholen.
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