David gegen Goliath

Die Bayern-Stimmen zum „verrückten“ Pokalfight in Wiesbaden

Der FC Bayern hat sich das Weiterkommen in der 1. Pokalrunde bei SV Wehen Wiesbaden selbst unnötig schwer gemacht. Harry Kanes 3:2 in der Nachspielzeit erlöste seine Mannschaft.

Wiesbaden – Bei der Pokal-Erstrunden-Partie beim Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden rotierte Bayern-Coach Vincent Kompany kräftig gegenüber dem brillanten 6:0 im Bundesliga-Auftakt gegen RB Leipzig. Jonas Urbig, Raphaël Guerreiro, Minjae Kim, Sacha Boey, Aleksandar Pavlović und Supertalent Lennart Karl standen in der ausverkauften BRITA-Arena in der Startformation des Rekordmeisters.

Pokal-Rules, kein VAR in Runde 1: Kollektive FCB-Fassungslosigkeit über SR Sieberts Entscheidung, keinen frühen Handelfmeter zu geben.

Erste Szene symptomatisch für gesamten Spielverlauf

Dennoch ging es fast über die gesamte Spielzeit nur in eine Richtung: In die des vom 31-jährigen Florian Stritzel überragend gehüteten Wiesbadener Tors. Bereits nach wenigen Sekunden verhinderte er das 0:1 gegen FCB-Neuzugang Luis Díaz. Der Kolumbianer tauchte ganz alleine vor ihm auf und scheiterte - symptomatisch für die gesamte Partie.

Es entwickelte sich ein typisches Pokalspiel David gegen Goliath mit allen Eigenarten dieses speziellen Wettbewerbs. So verdankte der Sechste der 3. Liga dem Umstand, dass es bis zum Achtelfinale keinen VAR gibt, dass es nach wenigen Zeigerumdrehungen keinen Handelfmeter für den FC Bayern gab. Nach 51 Minuten führte der Rekordmeister dennoch klar mit 2:0 (Harry Kane per Foulelfmeter, Michael Olise), hätte mit 4:0, 5:0 in Führung liegen müssen, als Fatih Kaya den völlig überraschenden 1:2-Anschlusstreffer gegen einen zu passiven FCB-Defensivverbund erzielte (64.).

Sechs Minuten später stand es nach einer weiteren Unaufmerksamkeit in der Münchner Hintermannschaft gar 2:2, abermals erzielte Kaya per Konter das Tor. Anders als in den letzten Jahren - speziell beim späten Knockout in Saarbrücken 2023 - blieben die Bayern jedoch ruhig, verkrafteten sogar den ersten verschossenen Elfmeter von Kane in einem Pflichtspiel im Bayerntrikot und wurden mit dem hochverdienten 3:2 ihres Toptorjäger in der Nachspielzeit (90.+4) belohnt.

Vom Sündenbock zum Hoffnungsträger: Die wundersame Auferstehung von Serge Gnabry beim FC Bayern

Gemeinsam mit Joshua Kimmich (untere Reihe, 6. von links) gehört Serge Gnabry 2008/09 (obere Reihe, 4. von links) zu den großen Nachwuchstalenten bei den Schwaben. Als gebürtiger Stuttgarter hat er die VfB-DNA im Blut.
In der B-Jugend des VfB Stuttgart macht Gnabry 2011 auf sich aufmerksam. Im Jahr 2006 war er von Stadt-Rivale Stuttgarters Kickers in die Jugendakademie des VfB gewechselt.
Der Offensivspieler entscheidet sich für einen Wechsel zum FC Arsenal, steht 2012 im Capital One Cup auf dem Platz. In Arsenals U18-Team startete sein Insel-Abenteuer.
Auch der DFB lässt sich Gnabrys Potenzial nicht engehen. Mittlerweile, wir schreiben das Jahr 2013, spielt Gnabry auch für die deutsche U19-Nationalmannschaft. Debütiert hatte er bereits in der U16.
Vom Sündenbock zum Hoffnungsträger: Die wundersame Auferstehung von Serge Gnabry beim FC Bayern

Die Bayern-Stimmen zum 3:2 in Wiesbaden

FCB-Coach Vincent Kompany

„Es war Pokalfußball, man hat alles gespürt. Inhaltlich war es nicht schlecht. Gratulation an Wehen Wiesbaden, sie haben gekämpft ohne Ende, der Verein kann stolz sein. Ich hatte am Ende immer das Gefühl, dass eine unserer Chancen reingeht. Was ihr Torhüter heute gemacht hat, war außergewöhnlich. Sie haben dann die Momente genutzt. Ein 2:0 reicht nie, man muss immer versuchen, auf das dritte Tor zu gehen. Wir sind aber ruhig geblieben, haben uns weiter viele Chancen erarbeitet. Es war keine perfekte Leistung, aber wir sind weiter und das ist wichtig.“

Doppeltorschütze Harry Kane

„Es war ein verrücktes Spiel, so etwas bringt der Pokal manchmal mit sich. Wir hatten die totale Kontrolle, in der ersten Halbzeit hätten wir zwei oder drei Tore Vorsprung haben müssen. Auch in der zweiten Halbzeit hatten wir einige große Chancen, um das Spiel zu entscheiden. Sie sind drangeblieben und wussten, dass sie mit einem Tor das Momentum drehen können.

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Wir mussten dann Charakter zeigen, um in den letzten 15 Minuten ruhig zu bleiben. Zum Glück haben wir am Ende noch das Tor erzielt. Wir wissen, dass wir noch einiges zu verbessern haben. Wir haben unsere Aufgabe erfüllt, was das Wichtigste war, und jetzt blicken wir nach vorne.“

FCB-Kapitän Joshua Kimmich

„Glück war es nicht. Wir müssen das Spiel früher entscheiden. Die Vielzahl der Chancen war schon extrem. Aber so ist es im Fußball, wenn du vorne die Dinger nicht machst. Wichtig war, dass wir dann ruhig geblieben sind. In der Vergangenheit haben wir hinten raus häufiger die Nerven verloren. Deswegen bin ich froh, dass wir geduldig geblieben sind. Man hat von Anfang an gemerkt, dass wir das Spiel gewinnen wollten. Wir hatten einige gute Chancen.“

Konrad Laimer

„Wir hatten genug Chancen auf das 3:0, auf das 4:0 und dann braucht so eine Mannschaft halt auch manchmal nur einen Moment. Das ist die erste Pokalrunde, die ist nie einfach und sowas kann passieren. Am Ende ist es wichtig, dass wir weiter sind – auch dass wir in einer gewissen Art und Weise die Ruhe bewahrt haben. Jede Pokalrunde ist ein Rennen – du kommst weiter oder du kannst heimfahren. Das haben wir schon auf eine harte Art und Weise erleben müssen. Es ist nicht leicht, so ein Spiel zu gewinnen. Wir haben es gemacht und schauen weiter.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Markus Fischer

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