Bewusst Schulden machen
Gen Z geht anders mit Schulden um als Boomer: Was junge Kreditnehmer wirklich bewegt
Die Gen Z agiert bei der Verschuldung nicht unbedacht. Ihre Kredite zahlen oft für das Nötigste. Eine Analyse neuer Daten entkräftet Vorurteile.
München – Über Geld spricht man nicht – schon gar nicht über Schulden. Trotzdem sind sie für viele Menschen in Deutschland ein unverzichtbares Mittel, um finanzielle Spielräume zu schaffen. Gerade die Generation Z wird dabei häufig kritisiert: zu konsumorientiert, zu wenig vorausschauend, zu risikofreudig. Doch aktuelle Zahlen des Online-Kreditvermittlers auxmoney zeigen ein ganz anderes Bild – und machen deutlich, wie unterschiedlich die Generationen mit Krediten umgehen.
Die Generation Z – gemeint sind junge Erwachsene unter 30 – nimmt Kredite vor allem aus drei Gründen auf: zur Schuldentilgung, für Ausgaben rund ums Wohnen und für den Kauf eines Autos. Die Datenauswertung von auxmoney unter 50.000 Nutzern zeigt: Vier von zehn Krediten in dieser Altersgruppe dienen der Ablösung bestehender Schulden – entweder durch Kontoausgleich oder durch Umschuldung. Damit unterscheiden sich die Prioritäten der Gen Z klar von denen der Babyboomer-Generation.
Kreditverhalten zeigt Konflikt der Generationen und Geschlechter – Die Unterschiede sind groß
Matthias von der Heyde, CGO von auxmoney, erklärt: „Grundsätzlich ist Gen Z eher bereit, für Konsumgüter Kredite aufzunehmen als Boomer. Ein Grund dafür ist die hohe Akzeptanz von ‚Buy Now, Pay Later‘-Angeboten. Um der Zins- und Gebührenfalle zu entkommen, hilft die Ablösung durch einen Kredit mit besseren Konditionen.“
Das zeigt: Die junge Generation nutzt Kredite nicht blindlings für Luxusausgaben, sondern trifft strategische Entscheidungen. Konsumschulden werden durch planbare, günstigere Kredite ersetzt. Gleichzeitig bleiben Mobilität und Wohnraum zentrale Themen – auch weil sie heute deutlich schwerer finanzierbar sind als früher.
Die auxmoney-Analyse zeigt auch, dass beim Zugang zu Krediten große Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. In der Generation Z machen Frauen nur 29 Prozent der Kreditnutzer aus. Bei den Babyboomern liegt der Anteil immerhin bei 40 Prozent. Das ist ein Hinweis darauf, dass finanzielle Teilhabe noch immer ungleich verteilt ist – auch im Jahr 2025. Frauen sind bei Vermögen stark benachteiligt. Sie verdienen im Schnitt weniger, haben seltener unbefristete Vollzeitjobs und damit schlechtere Voraussetzungen für eine Kreditvergabe. Hinzu kommt ein geringerer Zugang zu finanzieller Beratung und Absicherung. Das spiegelt sich in der ungleichen Verteilung von Krediten wider – quer durch alle Altersgruppen.
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Generation Z unter Druck: Kredite als Reaktion auf strukturelle Benachteiligung
Kreditentscheidungen stehen nicht im luftleeren Raum, sondern sind oft das Ergebnis gesellschaftlicher Umstände. Der aktuelle Bericht von Oxfam Deutschland zur sozialen Ungleichheit macht deutlich, dass Armut in Deutschland über Generationen hinweg weitergegeben wird – ebenso wie Bildungschancen, Vermögen und soziale Sicherheit. In vielen Fällen sind Kredite ein Versuch, Lücken zu füllen, die das System offenlässt: Bildung finanzieren, Mietrückstände ausgleichen, Mobilität sichern, um überhaupt einen Job ausüben zu können. Der Oxfam-Bericht stellt klar: „Ungleichheit wirkt sich negativ auf das psychische Wohlbefinden, Selbstbild und Selbstwertgefühl aus.“ Menschen in finanziell prekären Situationen übernehmen Kredite nicht aus Sorglosigkeit – sondern aus Mangel an Alternativen.
Während Boomern in der Vergangenheit oft in den Genuss eines stabilen Arbeitsmarktes, steigender Immobilienwerte und besserer Löhne kamen, steht die heutige Jugend unter einem ganz anderen Druck. Die Mieten steigen, Wohnraum ist knapp, viele arbeiten in befristeten Jobs oder im Niedriglohnsektor. Laut dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands leben über 14 Millionen Menschen in Deutschland in Armut – darunter viele junge Erwachsene.
Hinzu kommt: Das gesellschaftliche Narrativ der Leistungsgerechtigkeit – dass jeder seines eigenen Glückes Schmied sei – greift zu kurz. Wie Oxfam analysiert, hängen Lebensverläufe nach wie vor stark von Herkunft, Geschlecht und finanziellen Startbedingungen ab. Kredite können hier zu einem der wenigen Werkzeuge werden, um sich dennoch Freiräume zu schaffen und seine Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe zu verbessern. (ls)
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