Nicht nur wegen Trumps Krieg

Schaumstoffkrise bis ins Schlafzimmer: Matratzen könnten teurer werden – Hersteller hegen „Verdacht“

Trumps Iran-Krieg und ein Brand in Texas: Mancherorts ist schon von einer „Schaumstoffkrise“ die Rede. Die könnte auch Matratzen-Käufe treffen.

Donald Trumps Iran-Krieg macht das Öl teuer – und die unangenehmen Effekte enden nicht an der Zapfsäule. Denn Erdöl ist auch ein wichtiger Rohstoff zur Kunststoffherstellung. In Litauen ist bereits von einer „Schaumstoffkrise“ die Rede. In der Hauptstadt Vilnius bangen die Menschen laut dem Sender LRT wegen zunehmend teurer Dämmstoffe um ein staatliches Renovierungsgroßprojekt. Die Auswirkungen der Misere könnten aber sogar die deutschen Schlafzimmer erreichen:

Hotel-Boxspringbetten werden verkauft (Archivbild) – neue Matratzen könnten auch wegen Donald Trumps Iran-Krieg teurer werden.

Der Fachverband Matratzen-Industrie schließt aktuell „einzelne Engpässe sowie kurzfristige Anpassungen von Lieferplänen“ nicht aus, wie er dem Münchner Merkur von Ippen.Media am Montag auf Anfrage mitteilte. Mögliche anhaltende „massive“ Preissteigerungen bei Vorprodukten könnten auch die „Preisgestaltung von Endprodukten“ beeinflussen, wie es hieß. Sprich: Matratzen könnten teurer werden. Sicher ist das gleichwohl nicht.

Trumps Iran-Krieg, ein Feuer und Logistik-Fragen: Matratzen könnten teurer werden

Der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus spielten eine „wesentliche Rolle“, er verstärke Unsicherheiten. Der einzige Faktor ist er nicht, wie der Verband mitteilte. Energie-, Logistik- und Versicherungskosten und eine abgeschwächte Nachfrage täten ihren Teil. Die Lage bleibe „dynamisch“ – also schwer vorherzusagen. Hinzu komme im Fall der Matratzen ein Brand in einer Anlage des Chemieunternehmens LyondellBasell in Texas.

LyondellBasell ist ein wichtiger Hersteller von Propylenoxid, einem „zentralen Vorprodukt“ für PU-Schaum, so der Fachverband Matratzen-Industrie – PU, Polyurethan, kommt in vielen Matratzen zum Einsatz. Das Chemie-Unternehmen berufe sich nun auf „force majeure“ also „höhere Gewalt“. Praktisch heißt das: Vereinbarte Lieferungen bleiben aus oder werden teurer. Die deutschen Matratzenhersteller – der Fachverband Matratzen-Industrie vertritt Unternehmen mit rund 70 Prozent Marktanteil in Deutschland – sehen in jedem Fall „erhöhte Unsicherheit in der Lieferkette“.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Iran-Krieg - Iran
Angriff auf den Iran - Iran
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Das Problem betrifft nicht nur Matratzen. Schon im März veröffentlichte der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) eine „Blitzumfrage“ unter seinen Mitgliedsunternehmen. Das Ergebnis: Zwei Drittel von ihnen waren schon Tage nach der Eskalation im Iran von Preisaufschlägen oder zumindest entsprechenden Ankündigungen der Rohstofflieferanten betroffen – wegen „force majeure“. Viele von ihnen wollten ebenfalls Preise anheben. GKV-Hauptgeschäftsführer Oliver Möllenstädt äußerte damals Zweifel am Kurs der Zulieferer: Die Ausgangsmaterialen seien „bereits Wochen vor der Blockade in Europa angekommen“. Er rügte „künstliche Verknappung und Preistreiberei“.

Auch der Fachverband Matratzen-Industrie blickt offenbar mit gewissem Argwohn auf die Zulieferer aus der chemischen Industrie. Es liege „der Verdacht nahe, dass in der Chemie-Industrie Aussagen zur Verknappung herangezogen werden, um eigene Verluste durch Overcharging auszugleichen“. Der Fachbegriff „Overcharging“ bedeutet: Es wird mehr als der eigentlich angemessene Preis verlangt. Ein Verdacht, der zuletzt auch die Mineralölkonzerne traf. Belegen lassen sich solche Thesen kurzfristig allerdings nur schwer – wie auch die Spritpreiskrise in Deutschland zeigt. (Quellen: Fachverband Matratzen-Industrie, GKV, LRT, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © Montage: Christian Charisius/Alex Brandon/picture alliance/dpa/AP/fn

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare