„Es ist ernst“
Matcha-Manie hat Japan im Griff – Hersteller kommen nicht hinterher
Japan hat Probleme bei der Matcha-Produktion. Die Nachfrage übersteigt den Vorrat drastisch. Es könnte zu Verteuerungen kommen.
Tokio – „Ganz ehrlich, es ist so ernst, dass ich meinen Kopf gar nicht mehr tiefer beugen kann, um mich zu entschuldigen.“ Mit diesen Worten umriss Kazuhiko Nakajima vom japanischen Teelieferanten Ito En, die sogenannte Matcha-Krise. „Alles, was ich unseren Kunden sagen kann, ist: Es tut mir leid, warten Sie bis Mai nächsten Jahres.“ Der Zulieferer müsse neuen Kunden gar absagen. Auf europäische Matcha-Genießer kommen womöglich enorme Preissteigerungen zu.
Massiver Preisanstieg bei Matcha – Japan steigert Exporte enorm
Das zugrundeliegende Problem ist ein chronischer Engpass bei Matcha, einer speziellen Teesorte aus Japan. Wie die Financial Times berichtete, bläht sich im „Land der aufgehenden Sonne“ gar eine Matcha-Blase auf, die mittlerweile auch auf grünen Tee übergreift. Die Teeblätter-Preise hätten sich um das Dreifache erhöht.
In Zahlen sieht das so aus: Japan hat im Jahr 2024 seine Exporte von gemahlenem grünen Tee um 75 Prozent gesteigert. Seit 2019 steht eine Verdreifachung auf dem Papier. Innerhalb der ersten sieben Monate von 2025 hat Japan (vom Verkaufswert her) schon doppelt so viel Matcha und grünen Tee verkauft als im gesamten Jahr 2020. Speziell die für die Matcha-Produktion wichtigen Teeblätter aus der japanischen Top-Region Uji sollen seit 2024 dreimal so teuer sein.
Hype um Matcha – so viel kostet der Super-Tee
Was aber hat diesen Engpass ausgelöst? Matcha erlebt seit einigen Jahren einen regelrechten Hype. Der gemahlene Tee findet sich mittlerweile in Milchmischgetränken, in Schokolade oder Kuchen, die Tagesschau berichtete gar schon von Kosmetika, die den seltenen Tee beinhalten.
Dabei gibt es zwei wesentliche Faktoren, die Matcha so selten und damit so teuer machen. Erstens ist die Produktion vergleichsweise aufwendig. Einer der Produktionsschritte – das Mahlen – findet teilweise noch von Hand statt. Zweitens sinkt die Zahl der Bauern, die Matcha überhaupt produzieren können, derzeit drastisch. Das Durchschnittsalter für japanische Bauern liegt bei 69; viele haben Probleme damit, Nachfolger zu finden (was allerdings in Deutschland genauso ein Problem ist).
Fertiger Matcha kann im Kilo mehrere Tausend Euro kosten, je nachdem, wo und auf welche Art er angebaut und verarbeitet wurde. Auf der Website des Tee-Lieferers Yoshi en sind beispielsweise die folgenden Preise zu finden:
| Matcha-Sorte | Preis pro Kilo | |
| Premium Grade | Matcha Tee Haruno | 497,50 Euro |
| Ceremonial Grade | Matcha Tee Kooetsu | 922,50 Euro |
| Contest Grade | Matcha Tee Rikyuu | 5.245,00 Euro |
Weitere Verteuerung bei Matcha möglich – „Krise“ köchelt weiter
Bei diesen Preisen soll es jedoch nicht bleiben. Gegenüber dem Branchenportal Capital.de gab ein Experte an, dass sie noch „deutlich“ steigen dürften. Die sogenannte „Matcha-Krise“ soll bereits seit einigen Jahren köcheln.
Japan steuert dagegen, indem es die Mechanisierung und Automatisierung der Teeernte antreibt. „Indem wir die Produktivität steigern und einen Shift in die Segmente mit hohem Bedarf bewerben, können wir die Tencha-Produktion ausweiten“, zitierte die Financial Times Tomoyuki Kawai, den Vize-Direktor für Tee und Früchte im japanischen Landwirtschaftsministerium.
Tencha ist ein japanischer Grüntee, der oft die Vorstufe zu Matcha bildet. Die Produktivität soll industrieweit steigen – was letztendlich dazu führen soll, den hohen Bedarf zu bedienen.
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