„Das ist sozialpolitisch hochproblematisch“

Mieten steigen doppelt so stark wie Inflation – „gefährdet gesellschaftlichen Zusammenhalt“

Die Zeiten für Wohnungssuchende werden immer härter. Einer neuen Studie zufolge sind die Mieten doppelt so stark wie die Inflation angestiegen. Experten warnen.

Berlin – Mieter haben es schwer: Während die Preise steigen, sinkt das Angebot. Einer aktuellen Studie zufolge sind die Mieten in deutschen Städten am Jahresende 2025 sogar ‌deutlicher gestiegen als die Verbraucherpreise. Im vierten Quartal stiegen die Angebotsmieten um 4,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum, rund doppelt so stark wie die allgemeine Inflation, wie das ⁠Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Montag (19. Januar) zu seiner Auswertung mitteilte.

Inflationsbereinigt zogen die Angebotsmieten demnach um 2,3 Prozent an. „Wohnungssuchende haben es ‍aktuell schwer“, sagte IfW-Immobilienexperte Jonas Zdrzalek laut Reuters. „Das klassische Angebot geht zurück, die Preise steigen und die Konditionen werden über immer mehr befristete Verträge oder möblierte Angebote härter.“

Die Zeiten für Wohnungssuchende werden immer härter. Einer neuen Studie zufolge sind die Mieten doppelt so stark wie die Inflation angestiegen. (Symbolbild)

Mehr als Inflation: In diesen Städten sind die Mieten am stärksten gestiegen

Verglichen mit dem Vorquartal legten die Angebotsmieten um 1,0 Prozent zu. In sieben der acht größten deutschen Städte stiegen sie. Besonders kräftige Zuwächse verzeichneten demnach Köln mit plus 3,4 Prozent und München mit plus 1,9 Prozent. In Hamburg und Frankfurt am Main entsprachen die Anstiege in etwa dem bundesweiten Durchschnitt von ⁠einem Prozent. Düsseldorf verzeichnete einen Mini-Rückgang (minus 0,1 Prozent).

In diesen Städten ist die Belastung durch die Mieten am höchsten

Ein Schlüssel steckt in der Tür einer Mietwohnung, die offen steht. Im Hintergrund sieht man zwei Frauen. Sie sind nur verschwommen zu sehen, wie sie im Treppenhaus stehen.
BVB-Sportdirektor Michael Zorc und Szenen aus dessen Karriere sind auf einer Hauswand in Dortmund verewigt.
Luftaufnahme der verschneiten Innenstadt von Leipzig. Dabei ist das neue Rathaus und das City-Hochhaus zu sehen.
Die Gehry Bauten in Düsseldorf.
In diesen Städten ist die Belastung durch die Mieten am höchsten

Am ​höchsten lag die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter in München mit 23,35 Euro, gefolgt von Frankfurt am Main mit 17,36 Euro. Leipzig ist mit 10,22 Euro pro Quadratmeter die günstigste Stadt unter den Top acht. Über alle 37 erfassten Städte und Regionen hinweg ergibt sich ein Durchschnitt von 14,41 Euro pro Quadratmeter.

Mieten steigen: Stößt der Markt an seine Grenzen?

Einen deutlichen Anstieg der Mieten verzeichnet auch der Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle (JLL). Im zweiten Halbjahr 2025 seien die Angebotsmieten in den acht Metropolen, darunter Berlin, München, Stuttgart und Leipzig, im Schnitt um 4,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum geklettert.

Aber nicht nur in den größten deutschen Städten, auch in den kreisfreien Städten außerhalb der Metropolen (plus 3,4 Prozent) und in den Landkreisen (plus 4,4 Prozent) verzeichnete JLL deutlich anziehende Mieten. Besonders die Angebotsmieten für Neubauwohnungen stiegen stark, wenngleich weniger als vor einem Jahr, zeigt die Analyse, für die rund 35.000 Mietangebote ausgewertet wurden.

In diesem Jahr werde sich am Aufwärtstrend wenig ändern, schätzt JLL. Allerdings dürften sich sehr teure Mieten schwerer durchsetzen lassen, da der Markt etwa im Premiumsegment an seine Grenzen stoße. Über fünf Jahre seien die Mieten in den Metropolen im Schnitt schon um gut 42 Prozent gestiegen.

Anteil befristeter Verträge ⁠und möblierter Wohnungen auf Rekordhoch

Während die Preise so stark steigen, sinkt gleichzeitig aber auch noch das Angebot: Die Zahl der ⁠Wohnungsinserate nahm den Angaben des IfW zufolge am Jahresende 2025 um mehr als zehn Prozent ab. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl der Wohnungsinserate zur Miete damit etwa 20 Prozent unter dem Niveau von 2015.

Zugleich erreichte der Anteil befristeter Verträge ⁠und möblierter Wohnungen ein Rekordhoch: Bundesweit entfielen 2025 ⁠inzwischen mehr als 17 Prozent aller Inserate auf dieses Segment, also mehr als jedes sechste Inserat. In den acht größten Städten lag der Anteil bei nahezu einem Viertel, in München sogar bei rund einem Drittel.

„Bei Neuvermietungen in Großstädten dürften ‍gerade Geringverdiener bzw. Menschen in Ausbildung und Studium zunehmend an ihre Belastungsgrenze stoßen“, sagte Zdrzalek. „Auch Fachkräfte aus dem In- und Ausland tun ⁠sich mit einem Umzug vermutlich oft schwer.“ Das weiter sinkende Mietangebot könne auch ein Zeichen dafür sein, dass Menschen mit Altverträgen ihre Wohnung nach Möglichkeit halten ‍oder viele Objekte mittlerweile ohne Inserat vergeben werden.

Mieterbund: „Das gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt“

„Diese Entwicklung ist alarmierend und für Millionen Mieterinnen und Mieter schlicht nicht mehr zu bewältigen“, sagte Melanie Weber-Moritz, Präsidentin des Deutschen Mieterbundes. Wohnen werde immer teurer, während gleichzeitig das Angebot an bezahlbaren Mietwohnungen und unbefristeten ‌Mietverträgen schwinde.

Besonders kritisch sieht der Mieterbund den stark wachsenden Anteil ‌befristeter und möblierter Mietverträge. „Befristete und möblierte Wohnungen sind häufig nichts anderes als ein Instrument zur Umgehung des Mieterschutzes. Hier werden überhöhte Preise verlangt und der Kündigungsschutz ausgehebelt.“ Geringverdienende, Auszubildende, Senioren, Studierende und Familien würden aus den Städten verdrängt. „Das ist sozialpolitisch hochproblematisch und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Der Mieterbund forderte ‌die Bundesregierung auf, rasch gegenzusteuern. Im vergangenen Jahr erklärte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) noch, Indexmieten und möblierte Wohnungen stärker regulieren zu wollen. Außerdem sollte es durch verstärkten Wohnungsbau mehr Angebote geben. (lma mit Reuters/dpa)

Rubriklistenbild: © Uwe Umstätter/IMAGO

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