Bericht des Wehrbeauftragten
Bundeswehr braucht dringend mehr Rekruten – helfen sollen auch „zeitgemäße“ Frisurenregeln
„Zu kopflastig, zu kompliziert“ nennt Wehrbeauftragter Otte (CDU) die Personalstrukturen bei der Bundeswehr. Ändere sich nicht, stehe die Rückkehr zur Wehpflicht an.
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte (CDU), hat die aktuellen Strukturen der Bundeswehr kritisiert. Bei der Vorlage seines Jahresberichts am Dienstag (3. März) in Berlin bemängelte er die „Kopflastigkeit“ der deutschen Streitkräfte und forderte umfassende Reformen zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit.
„Die aktuellen Strukturen der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums sind zu kopflastig, zu kompliziert und in großen Teilen nicht effektiv“, erklärte Otte laut Berichten der Nachrichtenagenturen dpa und AFP. Besonders kritisch sieht der Wehrbeauftragte die Personalstruktur: Mit nur 29,3 Prozent Mannschaftssoldaten komme „im Verhältnis gerechnet auf einen Mannschaftssoldaten fast ein Offizier“. Dies stelle die Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung infrage.
Für NATO-Zusagen braucht Bundeswehr 260.000 aktive Soldaten – „Rückkehr zur Wehrpflicht“
Deutschland sei „mit einer realen und steigenden Bedrohung konfrontiert“, während sich „bisher verlässlich erscheinende Bündnisse im Wandel“ befänden, betonte Otte. Um die NATO-Zusagen zu erfüllen, sei der geplante Personalaufwuchs auf 260.000 aktive Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre „zwingend“. Nur so entstehe „glaubhafte Abschreckung“.
Sollte der neue Wehrdienst auf Freiwilligkeitsbasis nicht ausreichen, „ist die Rückkehr zu einer Wehrpflicht der konsequente nächste Schritt“, heißt es im Jahresbericht. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) steht derzeit vor der schwierigen Aufgabe, die Truppe sowohl personell als auch strukturell zu reformieren. Derzeit setzt die Merz-Regierung noch auf einen freiwilligen Wehrdienst. Tausende 18-Jährige erhalten derzeit Briefe, in denen sie Auskunft über ihre Bereitschaft zum Wehrdienst geben sollen. Genügen die freiwilligen Rekruten auf Dauer nicht, behält sich die Koalition eine Wiedereinführung der Wehrpflicht vor.
Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr




Auch für Frauen müsse die Truppe nach Ottes Worten attraktiver werden. Bei einer Gesamtstärke von gut 184.000 Streitkräften sei der Frauenanteil mit 13,7 Prozent „viel zu wenig“. „Wir müssen das Potenzial stärker ausschöpfen.“
Wehrbeauftragter fordert weniger Bürokratie und bessere Ausstattung bei der Bundeswehr
Neben den Personalproblemen prangerte Otte die ausufernde Bürokratie bei der Bundeswehr an. Die Truppe müsse „von militärfremder Bürokratie“ entlastet werden. Der Wehrbeauftragte forderte zudem eine bessere Ausstattung der Bundeswehr. „Innovation, Materialverfügbarkeit, Souveränität in der Beschaffung, ausreichend Munition, funktionierende Logistik und persönliche Ausrüstung“ seien „genauso entscheidend wie Großgerät“. Die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen hätten die Bedeutung moderner Drohnentechnik verdeutlicht.
Der Wehrbeauftragte registrierte einen erneuten deutlichen Anstieg „bei Vorgängen bezüglich Rechtsextremismus, sexualisiertem Fehlverhalten und sexueller Selbstbestimmung bis hin zu Mobbing“. „Jeder Fall ist einer zu viel“, betonte Otte. Dienstpflichtverletzungen müssten „ausnahmslos und konsequent“ geahndet werden. „Wer die Grundsätze der Inneren Führung nicht anerkennt, hat keinen Platz in der Bundeswehr.“
Otte fordert „zeitgemäßen“ Haar- und Barterlass für den Wehrdienst – aktuell strenge Regeln
Ein ungewöhnliches Thema griff Otte ebenfalls auf. Um mehr Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen, brauche es auch eine „Neuregelung der Haartrachten“ in der Truppe. Otte: „Das Verteidigungsministerium muss insbesondere mit Blick auf den Neuen Wehrdienst schnellstmöglich den neuen sogenannten Haar- und Barterlass herausbringen, der zeitgemäß ist und die Interessen aller Bundeswehrangehörigen berücksichtigt“, schreibt der Wehrbeauftragte in seinem Bericht.
Hintergrund ist ein jahrelanger Rechtsstreit um die unterschiedlichen Frisurenregelungen für Männer und Frauen in der Bundeswehr. Aktuell heißt es laut einer Dienstvorschrift des Verteidigungsministeriums zu den Frisuren von Männern und Frauen bei der Bundeswehr: „Modische Frisuren sind erlaubt, sofern sie nicht in Schnitt und Form besonders auffällig sind (z. B. Irokesenschnitte, Ornamentschnitte, Sidecuts).“ Haarfärbungen und Tönungen, „dürfen nur dem Spektrum der natürlichen Haarfarben entsprechen. Starke Kontraste sind unzulässig“.
Speziell für Männerfrisuren gilt bei der Bundeswehr: „Die Haare von Soldaten müssen kurz geschnitten sein. Ohren und Augen dürfen nicht bedeckt sein. Das Haar ist so zu tragen, dass bei aufrechter Kopfhaltung Uniform- und Hemdkragen nicht berührt werden.“ Auch Bärte sind reglementiert: „Bärte sind gepflegt und gestutzt zu halten. Will sich der Soldat einen Bart wachsen lassen, muss er dies während seines Urlaubs tun. Disziplinarvorgesetzte können Ausnahmen genehmigen.“ (Quellen: dpa, AFP, reservistenverband.de)
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