König Charles in den USA

Angst vor schmutziger Szene bei Trump: Palast fürchtet Affront gegen Charles – und greift zu einem Trick

König Charles besucht die USA – offiziell zum 250. Geburtstag des Landes. Dahinter steckt ein betont vorsichtiges Kalkül. Eine Analyse.

Schon einmal lag es an König Charles III., US-Präsident Donald Trump zu umgarnen und für das Vereinigte Königreich zu vereinnahmen. Bei der letzten Begegnung der beiden Männer während Trumps Staatsbesuch im September vergangenen Jahres fuhr der Palast alles auf, was die britische Monarchie an Prunk und Gold zu bieten hat. Da der Immobilien-Entwickler aus New York einen exzentrischen Faible für alles hat, was nach Gold aussieht, durfte er in der königlichen Kutsche (mit viel Gold dran) fahren und sich beim Staatsbankett auf Schloss Windsor selbst wie ein Monarch fühlen. Damals war der Regierung von Keir Starmer daran gelegen, Trump in Sachen Strafzoll-Tirade gegen Großbritannien gnädig zu stimmen.

Donald Trump bezeichnet König Charles in der Vergangenheit schon als „Freund“. (Archivbild)

Etwas mehr als ein halbes Jahr später ist König Charles wieder mit dieser heiklen Mission betraut. Seine Reise in die ehemaligen Kolonien der britischen Krone soll das Verhältnis beider Staaten kitten, das Donald Trump mit dem Krieg, den er gemeinsam mit Israel gegen den Iran führt, angeknackst hat. Der britische Premierminister Keir Starmer hat wie viele andere Staatenlenker von Japan bis Deutschland auch Trumps Ersuchen abgelehnt, mit in seinen Krieg einzusteigen. Aller Zorn half dem erratischen Trump nicht: Weder die Ankündigung, die NATO zu verlassen, noch die Drohung, Argentinien dabei zu unterstützen, die Falklandinseln von Großbritannien zurückzubekommen, ließ Westminster wanken. Bevor das Verhältnis zwischen den beiden Staaten, die von sich stets sagen, dass sie ein spezielles Band verbinde, einen Totalschaden erleidet, soll der König sein Verhältnis zu Trump nutzen und ihn Großbritannien ein weiteres Mal gewogen machen. 

Angst vor dem Oval Office: Buckingham Palace fürchtet Trump-Affront

Dieses Unterfangen ist nicht risikofrei: Zum einen mischen sich britische Monarchen nicht in die Tagespolitik ein. Eine Kommentierung der Iran-Politik Starmers wird es von Charles III. nicht geben – schlicht, weil die Verfassung es ihm nicht gestattet. Es wäre ein krasser Bruch mit der Konvention. Deshalb wird Buckingham Palace auch nicht müde, zu betonen, dass diese Reise von langer Hand geplant gewesen sei. Anlass für den Besuch des Monarchen sei der 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten. Es waren 13 britische Kolonien, die sich 1776 vom Mutterland losgesagt und damit den Grundstein für das gelegt haben, was heute viele umgangssprachlich als Amerika bezeichnen. Dieser Hinweis des Palastes soll jeden Zweifel daran zerstreuen, dass der König sich doch zu tagesaktuellen Fragen äußern könnte. 

Zum anderen fürchtet Buckingham Palace, Trump könnte den König im Oval Office in eine schmutzige Szene hineinziehen. Mit Schrecken denkt man dort an Trumps Affront gegenüber der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi, als er während der Begegnung mit der Presse auf Pearl Harbour zu sprechen kam. Auch an die Herabsetzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj durch Trump und seinen Vize-Präsidenten JD Vance denkt man in London mit Schrecken. Was, wenn Trump den König auch angeht? Oder wenn er im Beisein des Königs andere internationale Akteure vor laufenden Kameras beschimpft? Normalerweise stellen Reporter Staatsgästen, die sich mit dem Präsidenten zum Fototermin setzen, Fragen. Ob das dieses Mal auch so sein wird, ist unklar.

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Aus diesem Grund haben einige Parlamentarier in Westminster gefordert, dass Starmer den Besuch absagen soll. Doch dieser hat abgelehnt. Zurecht, denn das wäre ein Affront gegen Trump. Dieser hat mehrfach zu Protokoll gegeben, dass er den König schätzt und sogar in einem BBC-Interview gesagt, dass er davon ausgehe, dass Charles’ Besuch das Verhältnis beider Länder verbessern werde. Britische Gazetten blicken mit einer Mischung aus Hoffnung und Skepsis auf diese Reise. Während der Daily Telegraph im Besuch eine Chance sieht, das „über der Tagespolitik stehende“ Band zu festigen, warnt der Guardian vor einer rein dekorativen Schadensbegrenzung. Die Daily Maily wiederum betont Charles’ Rolle als „Soft-Power-Gigant“, der Trumps Eitelkeit schmeicheln kann. 

Amerikanische Medien für ihren Teil beobachten das royale Gastspiel mit einer Mischung aus voyeuristischer Begeisterung für das Spektakel und politischer Nüchternheit: Die New York Times beschreibt den Besuch als „diplomatische Mission in einer heiklen Zeit“, bei der Charles als Puffer zwischen dem „unberechenbaren“ Trump und dem „unterkühlten“ Starmer fungiert. Während Fox News Trumps Bewunderung für den „fantastischen“ König hervorhebt und die historische Ironie der 250-Jahr-Feier betont, sieht CNN die „Pomp und Zirkus“-Seite als willkommenen Kontrast zum harten politischen Alltag.

Trump weiß vor allem eines: dass die schönen Bilder, die der Staatsbesuch liefert, von der Realität des Krieges im Iran und den Epstein-Enthüllungen ablenken werden. Präsident Trump hat keinen wirklichen Plan, wie er den Krieg gegen die Mullahs beenden soll. Nach zwei Monaten zeichnet sich ein Bild, wonach der Iran ausharrt und die Karten, die ihm bleiben, gut spielt. Indessen ächzen die Weltwirtschaft und mit ihr Konsumenten an den Zapfsäulen rund um den Globus. Ob die Bilder von Charles und Camilla bei Trump ihre Trübsal wirklich für einen Moment vergessen lassen? Das wird sich daran messen lassen, ob Trump nach dem Besuch aus seinem krassen Beliebtheitstief bei den Amerikanern herausfindet. Charles III. hingegen wird aufatmen. Einen weiteren Staatsbesuch wird es nun, nachdem man sich zweimal in seiner zweiten Amtszeit begegnet ist, protokollarisch nicht geben.

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/dpa

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