Streit um Iran-Krieg und Bibelverse

Papst Leo kontert Lästerattacke: „Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung“

„Osterwunder“, Bibelzitate, Jesus-Vergleich: Trump setzt auf Religion, um den Iran-Krieg zu rechtfertigen – doch seine Basis bröckelt. Der Papst reagiert.

Update, 13. April, 11:30 Uhr: Es war ein beispielloser Akt: US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht verbal den Papst angegriffen. Auf der Plattform Truth Social schrieb Trump in der Nacht, Leo sei nur ins Amt gekommen, weil man gehofft habe, dass ein Papst aus den USA besser mit ihm umgehen könne. „Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan.“ Er wolle keinen Papst, der es in Ordnung finde, dass der Iran eine Atomwaffe besitze. 

Auf dem Flug zu seiner Afrika-Reise reagiert Leo XIV. auf die Vorwürfe aus dem Weißen Haus. 

Kurz danach wies Leo XIV. die Kritik von Trump gelassen zurück. „Was ich sage, ist keineswegs als Angriff auf irgendjemanden gemeint“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Flug nach Algerien, der ersten Station einer Afrika-Reise. „Ich bin kein Politiker. Ich lade alle Menschen dazu ein, Brücken für Frieden und Versöhnung zu bauen und nach Wegen zu suchen, um Krieg zu vermeiden.“ Zugleich betonte Leo: „Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.“

Trump legt sich mit dem Papst und den Christen an – riskiert er den Verlust seiner Wählerbasis?

US-Präsident Donald Trump nutzt gezielt religiöse Sprache, um den Iran-Krieg bei seinen Wählerinnen und Wählern zu rechtfertigen. Die Rettung des abgestürzten US-Piloten im Iran bezeichnete er als „Osterwunder“, die US-israelischen Angriffe stellte er als gottgewollt dar, wie Reuters berichtet. Verteidigungsminister Pete Hegseth ging noch weiter und zitierte die Bibel, um den Einsatz von „überwältigender Gewalt“ gegen Feinde zu rechtfertigen, die „keine Gnade verdienen“. Politik-Experten sehen darin eine gezielte Strategie, um die schwindende Unterstützung für den zunehmend unbeliebten Krieg gegen Iran zu stabilisieren – doch genau das könnte dem US-Präsidenten noch zum Verhängnis werden.

Bereits letztes Jahr beteten evangelikale Glaubensführer im Oval Office für Präsident Trump (Archivfoto)

Evangelikale Prediger verstärken Trumps Botschaft von ihren Kanzeln. Jackson Lahmeyer, ein evangelikaler Pastor und Trump-Unterstützer aus Tulsa, Oklahoma, der für den US-Kongress kandidiert, erklärte, er habe seiner Gemeinde gepredigt, Kriege seien typischerweise Kämpfe zwischen Gut und Böse – und Iran sei keine Ausnahme, wie Reuters Lahmeyer zitiert. „Böse Menschen existieren, und wenn du dich nicht mit ihnen befasst, werden sie sich mit dir befassen“, sagte Lahmeyer. „Gut und Böse – das ist die Geschichte der Bibel. Die gute Nachricht ist, dass am Ende das Gute immer siegt.“

Kritik an Iran-Krieg aus Rom: Papst Leo verurteilt US-Angriffe auf zivile Ziele im Iran

Doch Kritik an Trumps Kurs gegen den Iran gibt es auch aus dem Vatikan. Papst Leo XIV. hatte Drohungen gegen zivile Ziele im Iran am Dienstag (7. April) als „inakzeptabel“ verurteilt. „Heute gab es diese Drohungen gegen das ganze Volk des Iran, und das ist wirklich inakzeptabel“, sagte der Papst vor Journalisten, ohne die USA direkt zu nennen. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mit der Auslöschung einer „ganzen Zivilisation“ gedroht, sollte der Iran sein jüngstes Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus verstreichen lassen.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Iran-Krieg - Iran
Angriff auf den Iran - Iran
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

„Es geht sicherlich um Fragen des Völkerrechts, aber noch viel mehr als das ist es eine moralische Frage“, sagte der Papst beim Verlassen seiner Residenz in Castel Gandolfo bei Rom. Leo XIV., der erste aus den USA stammende Papst, sagte, Angriffe auf zivile Infrastruktur widersprächen dem Völkerrecht. Er forderte die Beteiligten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Lasst uns reden. Lasst uns auf friedliche Weise nach Lösungen suchen.“

Wegen dem Iran-Krieg: Trumps Unterstützung bei Christen in den USA bröckelt langsam

Und tatsächlich zeigt sich: Trotz Unterstützung von einflussreichen evangelikalen Pastoren bröckelt Trumps Rückhalt unter amerikanischen Christen, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) schreibt. Noch Ende Januar – also vor Beginn des Iran-Kriegs – billigten 69 Prozent der weißen Evangelikalen Trumps Arbeit. Ende März waren es laut einer Fox News-Umfrage nur noch 64 Prozent. Zum Vergleich: Im März 2025 hatte Trump in dieser Gruppe noch 85 Prozent Zustimmung.

Dennoch versucht Trump weiter, Anklang bei seinen evangelikalen Unterstützern zu finden. Beim Oster-Mittagessen im Weißen Haus zog Paula White-Cain einen direkten Vergleich zwischen Donald Trump und Jesus Christus. Die 59-Jährige leitet das von Trump eingesetzte „Glaubensbüro“ in der US-Regierung und gilt seit Jahren als seine engste Beraterin in religiösen Fragen – sowie als Brücke zur evangelikalen MAGA-Basis, wie t-online schreibt.

„Blasphemie“ im Weißen Haus: Kritik an Trumps Iran-Krieg von Katholiken

„Herr Präsident, niemand hat einen solchen Preis bezahlt, wie Sie ihn bezahlt haben. Es hat Sie fast Ihr Leben gekostet“, sagte White-Cain. Trump sei „betrogen, verhaftet und fälschlicherweise angeklagt“ worden. All das folge jenem „bekannten Muster, das unser Herr und Retter uns gezeigt hat“, so White-Cain.

Der Jesus-Vergleich ging allerdings nach hinten los und bescherte Trump und White-Cain scharfe Kritik aus dem eigenen Lager. Taylor Marschall, ein katholischer Rechtsaußen-Influencer, warf der Glaubensbeauftragten „Blasphemie“ vor. Die konservative katholische Aktivistin Carrie Prejean Boller schrieb auf X: „Uns wurde das goldene Zeitalter versprochen … nun verherrlichen sie einen Völkermord und rechtfertigen ihn, als sei es Gottes Wille. Ketzerische Lehrer wie Paula White raten Trump zu mehr Krieg und Zerstörung, um ihre falsche Endzeitfantasie zu verwirklichen.“

Sollten sich die evangelikalen und christlichen Wählerinnen und Wähler von Trump abkehren, würde Trump eine seiner wichtigsten Wählergruppen verlieren. (Quellen: t-online/Reuters/RedaktionsNetzwerk Deutschland/AFP/Fox News/X) (sischr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/White House Photo

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