BVB gegen Gladbach
Borussia-Duell: Diese Rivalität ist nichts weiter als eine Einbahnstraße
Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach: Es hat den Anschein eines Derbys, ist jedoch eine überwiegend einseitige Rivalität im Westen.
Dortmund/Mönchengladbach – Am Ostersonntag kommt es zum Borussia-Duell: Der BVB empfängt am 30. Spieltag Borussia Mönchengladbach in einem direkten Duell unter Europapokal-Verfolgern (17.30 Uhr, alle TV-Infos).
Wenn Borussen auf Borussen treffen, klingt das nach Derby. Dafür fehlt aber die eigentlich zwingend nötige lokale Komponente. Ziemlich genau 100 Kilometer beträgt die Fahrstrecke mit dem Auto zwischen dem Signal Iduna Park und dem Borussia-Park. Wenn das ein Derby ist, würde die Bezeichnung für so ziemlich jedes Spiel zwischen zwei Bundesliga-Klubs aus Nordrhein-Westfalen gelten.
BVB und Gladbach sind historisch nicht gerade Erzrivalen
Auch aus historischer Sicht kann die Rede von einer besonderen emotionalen Aufladung an sich nicht sein, obwohl der BVB in der ewigen Tabelle der Bundesliga auf Platz zwei liegt und Gladbach auf Platz fünf. Die Glanzzeiten erlebten Dortmund und Gladbach für gewöhnlich, wenn die andere Borussia gewisse Probleme hatte. Nur dreimal, in den Spielzeiten 2011/12, 2015/16 und 2019/20, landeten BVB und Gladbach gemeinsam unter den Top vier der Bundesliga-Tabelle.
Selbst im DFB-Pokal war ein Viertelfinale das höchste der Gefühle, in der Corona-Saison 2020/2021 setzte sich der BVB vor leeren Rängen durch ein Tor von Jadon Sancho durch.
Trotzdem wird dem Duell zwischen den Schwarzgelben und den Fohlen eine besondere Bedeutung beigemessen – allerdings ganz überwiegend am Niederrhein. Warum diese Rivalität so etwas wie eine Einbahnstraße darstellt, ergründen Lars Pollmann (BVB-Reporter) und Florian Bajus (Gladbach-Reporter) von Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports.
BVB-Fans betrachten Gladbach als ziemlich normalen Bundesliga-Gegner
BVB-Reporter Lars Pollmann meint:
Für die Fans des BVB ist Gladbach schon von der Struktur her keineswegs ein Hassverein, und auch die sportliche Rivalität hält sich in Grenzen. Zwar macht sich auf den BVB-Tribünen manchmal Häme über die Fohlen breit – dann wird gerne die Gladbacher Torhymne von Scooter (“Döp Döp Döp Dödödöpdöpdöp“) imitiert. Auch wird manchmal abwertend über die „Ponys“ geredet, wenn es unter BVB-Fans um Gladbach geht.
Doch im Großen und Ganzen spielt die Elf vom Niederrhein eine untergeordnete Rolle, wenn es um die Rivalen des BVB geht. Schalke 04 und auch der VfL Bochum als Lokalrivalen, der FC Bayern als größter sportlicher Widersacher, Klubs wie RB Leipzig als Systemgegner – irgendwo dahinter steht Gladbach. Aus sportlicher Sicht waren zuletzt immer wieder zum Beispiel auch die Duelle gegen Eintracht Frankfurt von größerer Brisanz.
Gladbach scheint mit dem BVB ein Transfer-Trauma zu verbinden
Rund um den BVB wird wohl eher mit Belustigung aufgenommen, dass der eigene Verein in Gladbach große negative Emotionen weckt. Am Niederrhein wird bisweilen das Bild geprägt, Dortmund kaufe ganz bewusst bei der anderen Borussia ein. Dabei kamen mit Marco Reus (einem Ur-Dortmunder!), Mahmoud Dahoud, Thorgan Hazard und Ramy Bensebaini in den letzten 13 Jahren ‚nur‘ vier Spieler, außerdem Marco Rose als Trainer von Gladbach ins Ruhrgebiet.
Im gleichen Zeitraum sind mit Jonas Hofmann und Matthias Ginter immerhin auch zwei Dortmunder in die andere Richtung gewechselt. Böse Zungen beim BVB sprechen davon, dass der nach Reus zweitbeste Transfer der Verkauf von Ginter für viel Geld gewesen sei.
Ob der Wechsel von Heiko Herrlich im Jahr 1995, als viele heutige Fans beider Klubs noch nicht geboren waren, mit in die Verlosung gehört, soll hier dahingestellt sein. Das Transfer-Trauma, das Gladbach mit dem BVB verbindet, scheint aus Dortmunder Perspektive jedenfalls reichlich übertrieben. Die Bedeutung des Spiels am Ostersonntag speist sich für den BVB ausschließlich aus der weiter angespannten tabellarischen Situation.
Gegen den BVB kam Gladbach trotz aller Bemühungen nie an
Gladbach-Reporter Florian Bajus meint:
Das große Achselzucken in Dortmund ist nachvollziehbar. Gladbach war und ist für den BVB kein Konkurrent eines Kalibers wie der FC Bayern oder Schalke 04. Insofern mögen im schwarz-gelben Umfeld auch keine Vergleiche mit den Transfers von Mario Götze, Robert Lewandowski und Mats Hummels nach München Anklang finden, weil die Dimension eine andere war als bei den Wechseln von Marco Reus, Mahmoud Dahoud, Thorgan Hazard und Bensebaini zum BVB.
Im Gladbacher Umfeld schwingt dennoch Schmerz und Wut mit, auch wenn das niemand zugeben mag. Dass Reus 2012 zu seinem Jugendverein zurückkehrte – geschenkt. Dass er dann aber auch noch gegen die Ex besonders erfolgreich war, in 18 Spielen 15 Siege feierte und neben elf Toren zehn Vorlagen beisteuerte, machte die ganze Sache für den VfL zu einer bitteren Geschichte.
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Und gefühlt immer dann, wenn mal ein Spieler am Niederrhein herausstach, klopfte der BVB an – auch wenn im schmerzhaften Transfersommer 2012 Dante zum FC Bayern und Roman Neustädter zu Schalke wechselten und es Granit Xhaka 2016 zum FC Arsenal zog.
Sicherlich fiel es auch zahlreichen Gladbach-Fans schwer, Lucien Favre plötzlich in Dortmund an der Seitenlinie zu sehen, auch wenn der Erfolgstrainer zuvor bei OGC Nizza tätig war. Mit Marco Rose verband das Umfeld wiederum große Hoffnungen, endlich richtig angreifen zu können, bis die zweite Saison in der Bundesliga durchschnittlich verlief und im Februar 2021 der Wechsel zur schwarz-gelben Borussia bekannt wurde.
Das Schlimmste daran war aber: auf dem Rasen konnte man sich nicht revanchieren. Seit der Saison 2012/13 hat Gladbach nur sechs von 27 Spielen gegen Dortmund gewonnen, 19 Niederlagen kassiert und satte 65 Gegentore geschluckt.
Insbesondere im Westfalenstadion gab es immer eine Packung, zwölf Niederlagen in dreizehn Spielen bei 10:44 Toren sprechen eine eindeutige Sprache. Und selbst im Borussia-Park fällt es schwer, den Dortmundern ein Schnippchen zu schlagen. Umso süßer sind Erfolgserlebnisse wie am 11. November 2022, als letztmals ein Heimsieg gegen den BVB gelang (4:2).
Die VfL-Anhänger nicht gut auf den BVB zu sprechen, weil das eine Mannschaft ist, gegen die man nie so wirklich ankam – egal, wie oft man es auch versucht hat. Vielleicht ist es aber auch an der Zeit, mit der Vergangenheit abzuschließen.
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