Ex-Profi im Interview

Kastenmaier über Borussia: Gladbach braucht „ein bis zwei Kracher“

Thomas Kastenmaier hofft auf kluge Transfer-Entscheidungen von Borussia Mönchengladbach – und erläutert, wieso Tim Kleindienst bleiben sollte.

Mönchengladbach – Borussia Mönchengladbach mischt nach der Horrorsaison 2023/24 plötzlich wieder oben mit.

Die Fohlen belegen nach 28 Bundesliga-Spieltagen den sechsten Tabellenplatz und haben die Chance, erstmals seit 2020 wieder in den Europapokal einzuziehen. Es wäre das i-Tüpfelchen einer Spielzeit, die positiver verläuft als erwartet – und die einen maßgeblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Klubs haben könnte.

Ex-Profi Kastenmaier im Interview: „Gladbach hat ein neues Problem“

Auch Thomas Kastenmaier verfolgt die Situation bei Borussia gespannt. Der DFB-Pokal-Sieger von 1995 hat mit Absolut Fußball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, über den plötzlichen Aufschwung, die Perspektive des Klubs und über den Transfersommer gesprochen.

Thomas Kastenmaier hat insgesamt acht Jahre bei Borussia Mönchengladbach verbracht.
Herr Kastenmaier, Roland Virkus ist seit drei Jahren im Amt und hat zu Jahresbeginn seinen Vertrag verlängert. Wie bewerten Sie seine Arbeit als Sport-Geschäftsführer?
Wenn er es schafft, dass die Mannschaft einen europäischen Wettbewerb erreicht, dass die Truppe zusammenbleibt, und wenn er es schafft, die Mannschaft zu verstärken und punktuell ein bis zwei Kracher verpflichtet, die sofort in die Stamm-Mannschaft kommen, dann hat er einen guten Job gemacht.
Wenn es darum geht, Spieler zu halten, geht es vor allem um Tim Kleindienst. Welche Argumente sehen Sie für Borussia, damit der Stürmer über den Sommer hinaus bleibt?
Erstens: Er ist erst in Gladbach Nationalspieler geworden. Zweitens hat man schon vorher Beispiele wie Thorgan Hazard, Mahmoud Dahoud oder Ramy Bensebaini erlebt: Jeder, der von Gladbach weggegangen ist, hat gemeint, er geht zu einem anderen Klub und kommt dort groß heraus – 99 Prozent davon sind dann Ersatzspieler geworden. In Gladbach waren sie stark und haben auf hohem Niveau gespielt. Vor allen Dingen haben sie jede Woche gespielt, weil sie Stammspieler waren, und nur das macht dich besser.

Thomas Kastenmaier: Ex-Profi und Fußballlehrer

Thomas Kastenmaier begann seine Profi-Karriere beim FC Bayern und wechselte 1990 zu Borussia Mönchengladbach. Den Fohlen, mit denen er 1995 den DFB-Pokal gewann, blieb er bis zum Ende seiner Laufbahn im Jahr 1998 treu.

In der Bundesliga machte sich Kastenmaier einen Namen als Distanzschuss-Experte und erzielte im März 1995 mit einem direkten Freistoß das “Tor des Monats“. Heute betreut der 58-Jährige „Kastes Fußballschule“, die seit 16 Jahren deutschlandweit Talente fördert. Auch 2025 werden insgesamt 18 Camps veranstaltet, in denen junge Fußballer ihr Können unter Beweis stellen dürfen.

Wenn du ewig draußen sitzt und nicht zum Zug kommst, ist das für mich ein Rückschritt, deshalb sollte Kleindienst sich einen Abgang von Gladbach sehr genau überlegen. Ein Wechsel zum FC Bayern, so wie man es in Gerüchten vernimmt, wäre sowieso ein Unding, weil Kleindienst dort wahrscheinlich alle sechs Wochen mal spielen würde. Das ist nicht das, was er will, sondern er will jede Woche auf dem Platz stehen. So ehrgeizig ist er, und ich glaube, das ist der richtige Weg. Diese Rahmenbedingungen hat er in Gladbach.
Haben Sie mit dieser Leistungsexplosion von Kleindienst gerechnet, als Gladbach ihn vergangenen Sommer aus Heidenheim verpflichtet hat?
Als er vor zwei Jahren mit Heidenheim in der 2. Bundesliga gespielt hat, habe ich gedacht, er ist ein bisschen zu vergleichen mit Simon Terodde, der in der Zweiten Liga ohne Ende getroffen hat und in der Bundesliga hat es bei mehreren Vereinen nicht mit dem Durchbruch geklappt. Dass Kleindienst dann im ersten Jahr mit Heidenheim in der Bundesliga zwölf Tore geschossen hat, spricht für seine Qualität.
So war es natürlich ein großer Transfererfolg für Gladbach, dass sie relativ schnell zugeschlagen und ihn verpflichtet haben. Dass er bislang so eine überragende Saison spielt und es in der Nationalmannschaft so gut läuft, damit haben wohl nur die wenigsten gerechnet. Durch diesen Erfolg hat Gladbach ein neues Problem, dass nun auch andere Klubs auf Kleindienst aufmerksam werden.
Kleindienst hat einen sehr großen Anteil am Verlauf dieser Saison. Haben Sie Borussia gerade nach der letzten Spielzeit zugetraut, dass es so schnell in der Tabelle nach oben geht?
Das konnte man ja nicht, wenn man gesehen hat, wen sie verpflichtet haben. Sie haben in den letzten Jahren – in Anführungszeichen – fast nur Zweitligaspieler verpflichtet, außer Kevin Stöger und Kleindienst. Bei Spielern wie Ko Itakura, Nico Elvedi oder den beiden Außenverteidigern gab es immer ein Auf und Ab.

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Diego Maradona: Der Argentinier (Weltmeister 1978) feierte seine größten Erfolge auf Vereinsebene mit dem SSC Neapel. Für die Süditaliener spielte „die Hand Gottes“ von 1984 bis 1991. Die Erfolgsgeschichte endete unrühmlich. Maradona wurde des Kokain-Konsums überführt und von der italienischen Liga für 15 Monate gesperrt. Danach schaffte er es zurück in den Profi-Fußball. Im Sommer 1992 schloss sich Maradona dem FC Sevilla an.
Rafael van der Vaart: Von seinem Jugend-Verein Ajax Amsterdam kam van der Vaart 2005 zum Hamburger SV. Sechs Jahre spielte der Niederländer an der Elbe. Nach jeweils zwei Jahren bei Real Madrid und Tottenham Hotspur sowie weiteren Stationen schloss sich van der Vaart kurz vor dem Ende seiner Karriere Esbjerg fB in Dänemark an.
Torsten Frings: Bei Werder Bremen wurde der gebürtige Westfale zum Bundesliga-Profi, 1999 gewann Frings mit den Grün-Weißen den DFB-Pokal. Später spielte er für Borussia Dortmund (2002-2004) und den FC Bayern. Frings‘ Herzensclub sollte Bremen werden, nach nur einem Jahr in München kehrte er 2005 an die Weser zurück. Von 2011 bis 2023 ließ Frings seine Karriere beim FC Toronto in Kanada ausklingen.
Ailton im Trikot vom FC Oberneuland
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Genau wie der Verlauf dieser Saison. Da haben sie anfangs zu Hause gewonnen und auswärts verloren, dann hat es sich gedreht, sie haben zu Hause verloren und auswärts gewonnen. Die Liga ist ein bisschen schwächer, Mannschaften wie Leipzig, Dortmund oder Stuttgart lassen Punkte liegen. In der Planung war Tabellenplatz sieben eigentlich das höchste der Gefühle, wenn man noch Bayern, Leverkusen und Frankfurt einberechnet. Jetzt schwächeln aber drei Top-Teams, dann musst du als Borussia Mönchengladbach die Chance nutzen.
Wie kann es Borussia denn gelingen, wieder dauerhaft in die Position zu kommen, dass man in der oberen Tabellenhälfte mitspielt und reingrätschen kann, wenn die Konkurrenz schwächelt?
Du musst die Mannschaft zusammenhalten, du musst unbedingt schauen, dass kein Leistungsträger den Verein verlässt. Und du musst dich punktuell verstärken. Das ist das A und O. Es kann nur so klappen, bei uns war es damals genauso. Wir haben drei oder vier Jahre gebraucht, in denen wir uns mit Martin Dahlin, Patrik Andersson oder Stefan Effenberg punktuell verstärkt haben. So ist eine richtig gute Mannschaft entstanden – und so haben wir 1995 den DFB-Pokal gewonnen.
Auf welchen Positionen sehen Sie Nachholbedarf?
Ich sehe nach wie vor Bedarf bei den Außenverteidigerpositionen. Es braucht auch einen Innenverteidiger, auf der Sechs kann man auch noch etwas machen. Vorne ist Gladbach sehr gut besetzt, aber im Mittelfeld und vor allem in der Defensive braucht es Verstärkung.
Gerardo Seoane hatte bei Borussia keinen leichten Start und ist auch zu Beginn dieser Saison in die Kritik geraten, ehe er und die Mannschaft das Ruder herumgerissen haben. Wie bewerten Sie seine Arbeit in dieser Saison und sollte der Klub angesichts der Vertragslaufzeit bis 2026 bald mit ihm über eine Vertragsverlängerung sprechen?
Es sieht in der Tabelle so aus, dass es ein kleines Hoch gibt. Wir wissen aber, wie eng das ist. Verlierst du zwei bis drei Spiele nacheinander, bist du Tabellenzehnter. Die Erwartungshaltung in Gladbach bei Fans und Verantwortlichen ist hoch, du musst in der Tabelle nach oben kommen. In dem Augenblick, in dem du wieder etwas in der Tabelle abrutschst, kommt Unruhe auf. Dann wird sich zeigen, welche Entscheidungen die Verantwortlichen treffen. Aber es besteht kein Zeitdruck, sie können die Entwicklung noch einige Wochen abwarten.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Revierfoto

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