Abschiedsgeschenk für 30 Millionen Euro

BVB-Boss Watzke ermöglicht mit Agenten-Methoden Bellingham-Transfer

Der BVB hat Jobe Bellingham erfolgreich verpflichtet. Den Ausschlag gab die persönliche Überzeugungsarbeit von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Dortmund – Borussia Dortmund hat am Dienstag die Verpflichtung von Jobe Bellingham bekannt gegeben. Der 19-jährige Mittelfeldspieler wechselt vom AFC Sunderland zum BVB und könnte zum Rekordeinkauf des BVB aufsteigen. Zunächst fließen etwas mehr als 30 Millionen Euro vom Klub-WM-Teilnehmer an den Premier-League-Aufsteiger.

Dass Bellingham in Dortmund in die Fußstapfen seines älteren Bruders Jude tritt, war jedoch lange Zeit alles andere als sicher.

Konkurrenz aus Frankfurt bringt BVB in Bedrängnis

Am 25. Mai spitzte sich die Situation zu. RB Leipzig war zu diesem Zeitpunkt aus dem Rennen, Eintracht Frankfurt aber hatte sich als ernsthafter Konkurrent positioniert und galt zeitweise sogar als Favorit im Rennen um den englischen Youngster. Die Aussicht, in Frankfurt seine ganz eigene Geschichte schreiben zu können, war für Bellingham verlockend – schließlich befürchtete er nicht zu Unrecht, in Dortmund ständig mit seinem berühmten Bruder verglichen zu werden.

Die Entwicklung alarmierte die BVB-Führung. Sportgeschäftsführer Lars Ricken erkannte, dass nur noch die schwersten Geschütze helfen konnten. Nachdem bereits eine prominente Delegation des BVB für Transfergespräche in Sunderland aktiv geworden war, wandte sich Ricken nach Angaben von Sport Bild nun an Watzke und Strategie-Chef Jan-Henrik Gruszecki, der zur Familie Bellingham enge persönliche Kontakte pflegt.

Persönlicher Einsatz auf höchster BVB-Ebene

Watzke flog persönlich nach England, um den jungen Spieler und seine Familie erneut zu treffen. Das Timing war heikel – Sunderland stand im entscheidenden Playoff-Finale um den Aufstieg gegen Sheffield United. Vater und Berater Mark Bellingham machte offenbar klar: Ein Gespräch sei nur nach einem Sieg sinnvoll, ansonsten wäre Jobe nicht in der richtigen mentalen Verfassung.

Das Glück war aufseiten des BVB: Sunderland gewann das Playoff-Finale im Wembley-Stadion mit 2:1, der entscheidende Treffer fiel erst in der Nachspielzeit. Das veränderte allerdings auch die Pläne von Watzke. Das Team von Sunderland feierte in London, also musste der Flug dorthin umgebucht werden.

Vor Ort kam es zur nächsten Kuriosität: Vor dem Mannschaftshotel harrten viele Fans der „Black Cats“ aus, um ihre Idole zu feiern. Um nicht erkannt zu werden, setzte sich Watzke laut dem Bericht eine Sonnenbrille und eine Mütze auf, schlängelte sich durch die Anhänger. Es waren regelrechte Agenten-Methoden, mit denen der Klubchef sicherstellte, dass das Gespräch mit Bellingham ohne großen Aufruhr stattfinden konnte und erst im Nachhinein bekannt wurde.

Der scheidende BVB-Boss Hans-Joachim Watzke setzte sich für den Transfer von Jobe Bellingham persönlich ein.

BVB-Geschenke mit symbolischer Kraft

Für das entscheidende Treffen hatte sich Watzke offenbar etwas Besonderes einfallen lassen. Er brachte ein personalisiertes BVB-Trikot mit, das neue Modell für die anstehende Klub-WM. Das Jersey war ein echtes Unikat, da der neue Hauptsponsor Vodafone noch provisorisch aufgedruckt war – mit dem Logo in Rot statt Schwarz, wie es letztlich erscheinen soll.

Noch bedeutsamer war gewiss ein handgeschriebener Brief von Trainer Niko Kovač. In der persönlichen Botschaft betonte der Coach seine Wertschätzung für Bellingham und seinen Wunsch, mit ihm zu arbeiten – ohne Druck auszuüben.

Das entscheidende Gespräch für den Dortmund-Wechsel

Im direkten Austausch konzentrierte sich Watzke dem Vernehmen nach auf die emotionale Ebene, statt über Vertragsdetails oder taktische Pläne zu sprechen. Der BVB-Boss zeigte Verständnis für die Sorgen des Jungprofis bezüglich der Vergleiche mit seinem Bruder, machte aber deutlich: In Dortmund würde er trotzdem seinen eigenen Weg gehen können und das volle Vertrauen des Vereins genießen.

Bellingham konterte mit Offenheit, erzählte von seinem geplanten Besuch bei Eintracht Frankfurt am folgenden Tag. Doch Watzkes Worte hatten bereits ihre Wirkung entfaltet.

Bellingham: „Herr Watzke hat mich überzeugt“

Eine Woche später, am 2. Juni, soll die Entscheidung für den BVB gefallen sein. Bellingham rief laut dem Bericht zunächst Watzke, dann Sportdirektor Sebastian Kehl an und teilte seine Entscheidung für Dortmund mit. Frankfurt hatte das Nachsehen.

Bellingham bestätigte nun in seinem ersten Interview gegenüber Klubmedien die entscheidende Rolle des BVB-Geschäftsführers: „Ausschlaggebend war wahrscheinlich das Gespräch mit Herrn Watzke. Er hat mich letztendlich davon überzeugt, bei Borussia Dortmund zu unterschreiben.“

Ein BVB-Transfer als Abschiedsgeschenk

Der Transfer kommt zu einem besonderen Zeitpunkt für Watzke: Mit seinem persönlichen Einsatz hat er dem BVB sozusagen ein Abschiedsgeschenk gemacht. Ende des Jahres will der langjährige Klubchef aus dem operativen Geschäft aussteigen. Zuletzt gab es viele Berichte über einen Machtkampf um die Präsidentschaftswahl beim BVB, nachdem Amtsinhaber Reinhold Lunow überraschend seine Kandidatur für eine Wiederwahl angekündigt hatte.

Unter BVB-Fans regte sich durchaus Kritik über Berichte, die Watzke in ein besonders gutes Licht rückten, das „Team Lunow“ in die Nähe der Ultra-Szene verorteten und Horrorszenarien über einen Niedergang im Stile des FC Schalke 04 entwarfen, wenn nicht Watzke zum Präsidenten gewählt werden sollte.

Ob der Transfer von Bellingham Ende des Jahres eine Rolle spielt, sei dahingestellt. Fraglos ist: Für den scheidenden BVB-Geschäftsführer ist der Deal ein persönlicher Erfolg – und ein Beweis dafür, dass auch im Millionengeschäft Fußball manchmal die persönliche Note den Unterschied macht.

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