Gespräche über Bundestrainer-Posten

Verband bestätigt: DFB und Klopp kommen in New York gut voran

Der DFB und Jürgen Klopp haben in New York mehr als vier Stunden in einem Flughafenhotel nahe des JFK-Airports verhandelt. Es soll eine grundsätzliche Einigung geben.

Update vom 11. Juli, 15.22 Uhr: Was Absolut Fussball und die Frankfurter Rundschau bereits berichteten, wurde nun vom DFB bestätigt: Der Verband hat mit dem designierten Bundestrainer in New York „eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

Die Gespräche sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden. „Beide Seiten sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen – vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull – letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können“, heißt es weiter.

Erstmeldung vom 11. Juli, 12.43 Uhr: Der Deutsche Fußball-Bund ist in Person von Präsident Bernd Neuendorf und Bundesligaboss Hans-Joachim Watzke offenbar vollauf zufrieden von einem 24-Stunden-Trip aus New York zurückgekehrt. Nach Informationen von Absolut Fussball und der Frankfurter Rundschau vom Frankfurter Flughafen flogen die beiden Verhandlungsführer in verschiedenen Maschinen zurück. Neuendorf eine Stunde nach Watzke in einem A 340 300 der Lufthansa, Watzke zunächst mit der Singapore Airlines.

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Beide waren tags zuvor von Frankfurt aus gemeinsam mit der Lufthansa zum John F. Kennedy International Airport geflogen und hatten ganz in der Nähe des Flughafens Jürgen Klopp und dessen Berater und Freund Marc Kosicke getroffen. Die Gespräche dauerten mehr als vier Stunden lang (alle Infos zum DFB-Gipfel hier im News-Ticker) und sollen erfolgreich verlaufen sein.

DFB-Treffen mit Jürgen Klopp verlief positiv

Neuendorf nahm möglicherweise einen späteren Flug, weil er noch letzte finanzielle Details mit Klopp und Kosicke, der seit zwei Jahrzehnten eng an der Seite von Klopp steht, zu klären hatte. Große Dissonanzen soll es ohnehin nicht gegeben haben, Klopp ist dem DFB wohl erwartungsgemäß entgegengekommen, ganz so, wie es Watzke mit seinem Hinweis auf einen „Patriotismus-Abschlag“, den er von Klopp erwarte, vorgeschlagen hatte.

In den großen Linien soll man sich also einig geworden sein. Es stehen allerdings noch Verhandlungen mit Klopps aktuellem Arbeitgeber Red Bull aus. Die will der DFB mit Hochdruck vorantreiben, es soll dazu alsbald ein Treffen mit RB-Co-Boss Oliver Mintzlaff geben. Vorteil: Mintzlaff und Neuendorf wohnen beide in Bonn, auch Watzke ist im Sauerland nicht ewig weit weg beheimatet. Zudem trifft sich Globetrotter Mintzlaff mit Klopp und Kosicke in den USA, wo Klopp noch seiner Tätigkeit als TV-Experte nachgeht.

BVB- und Liverpool-Legende, RB-Feindbild und jetzt Bundestrainer: Die Karriere von Jürgen Klopp

Schon als Spieler galt Klopp als verlängerter Arm des Trainers, als Führungspersönlichkeit und Antreiber auf dem Platz. Nach mehreren Jahren bei unterklassigen Vereinen wechselte er 1990 zum FSV Mainz 05. Für die Nullfünfer bestritt er 340 Pflichtspiele, ehe er seine Karriere im Februar 2001 beendete – um in Mainz überraschend den Posten als Cheftrainer zu übernehmen.
Weil die Vereinskasse leer war, implementierte der FSV Mainz 05 im Februar 2001 kurzerhand den noch als Spieler aktiven Jürgen Klopp als Cheftrainer. Sein Debüt auf der Trainerbank endete am 28. Februar 2001 mit einem 1:0-Heimsieg gegen den MSV Duisburg.
Von Beginn an zeigte sich Klopps außergewöhnliche Fähigkeit, Menschen mitzunehmen, Mannschaften zu begeistern und Spieler für gemeinsame Ziele einzuschwören. Obwohl ihm anfangs sogar noch der erforderliche Trainerschein fehlte, gewann Mainz unter Klopp sechs der ersten sieben Partien und schaffte den Klassenverbleib.
Der FSV Mainz 05 schaffte unter Klopp nach drei vergeblichen Anläufen im Jahr 2004 den Aufstieg in die Bundesliga.
BVB- und Liverpool-Legende, RB-Feindbild und jetzt Bundestrainer: Die Karriere von Jürgen Klopp

Mintzlaff – zuvor Geschäftsführer von RB Leipzig, ehe er nach dem Tod von Firmengründer Dietrich Mateschitz zum CEO Corporate Projects und Investments des Gesamtkonzerns aufstieg – hatte Klopp im Oktober 2024 nach neun Jahren als Chefcoach des FC Liverpool und einer halbjährigen Auszeit davon überzeugen können, als „Head of Global Soccer“ zumindest fünf Jahre lang den weltweiten Fußballspielbetrieb von Red Bull zu leiten. Der Vertrag soll jetzt statt 2029 vorzeitig zugunsten des DFB enden.

Die Ankunft und Abfahrt des Treffens von Neuendorf und Watzke mit dem Bald-Bundestrainer am Freitagmittag (Ortszeit) in einem Sitzungszimmer des TWA-Hotels ist von einem Fotoreporter der „Bild“-Zeitung dokumentiert worden. Man sieht Klopp und Kosicke bei einem Treffen in einem Café des Hotels sowie Neuendorf und Watzke mit Ziehköfferchen auf dem Weg zu dem Termin und hinterher auch wieder beim Verlassen des Hotels.

DFB spricht mit Klopp auch über Red-Bull-Posten

Dabei soll auch die Debatte um eine geplante künftige Rolle von Klopp als Markenbotschafter von Red Bull besprochen worden sein. Diese Pläne, die eine Ablösesumme im Gegenwert von Klopps Vertragsdauer und Bedeutung in zweistelliger Millionenhöhe vermeiden sollen, waren sowohl von der Fanorganisation „Unsere Kurve“ als auch von Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger fundamental kritisiert worden.

Zwanziger bezeichnete das im „FAZ“-Interview als „No-Go“ und ergänzte: „Red Bull will Macht gewinnen in den Sport hinein. Durch eine Person mit der neben dem Präsidenten wichtigsten Funktion im deutschen Fußball, vielleicht sogar die allerwichtigste.“ Wenn es Jürgen Klopp „so wichtig“ sei, Bundestrainer zu werden, „dann muss er alles andere sein lassen. Deutscher Nationaltrainer ist ein Riesenamt in dieser Gesellschaft, immer noch und trotz der Dinge, die in den letzten Jahren nicht so gut gelaufen sind. Der Bundestrainer kann nicht zwei Hüte tragen.“

Kritisiert den DFB: der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Beim DFB sieht man das weniger kritisch. Klopp arbeitet seit elf Jahren als Markenbotschafter der Deutschen Vermögensberatung, ohne dass es deshalb Probleme mit seinen Arbeitgebern gegeben hätte. Ähnlich soll auch seine Beziehung zu Red Bull sich gestalten. Absolut kein Thema ist es, dass ein künftiger Bundestrainer Klopp mit einem Red-Bull-Käppi durch die Coachingzone hastet oder bei DFB-Pressekonferenzen erscheint. Auch eine Einflussnahme von Red Bull wird beim DFB ausgeschlossen.  

Es darf erwartet werden, dass sich Klopp künftig öfter auf dem DFB-Campus in Frankfurt aufhält, als dass seine Vorgänger Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann taten. Denn Klopp, der inzwischen Opa geworden ist, hat nach seinem Liverpool-Engagement sein neues Haus in Wiesbaden gemeinsam mit seiner Ehefrau bezogen. Von dort ist man in einer halben Stunde am DFB-Campus.

Klopp dürfte auch in den Gesprächen mit Neuendorf und Watzke seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht haben, dass er sich über die A-Nationalmannschaft hinweg um die Entwicklung des deutschen Fußballs kümmert. Als globaler Fußballchef von Red Bull hat er noch einmal ganz neue Einsichten bekommen. Sein vertrauensvolles Verhältnis zu DFB-Nachwuchschef Hannes Wolf, den Klopp einst zu Borussia Dortmund holte, ist sicher hilfreich, ebenso wie die gewachsene Freundschaft zu Watzke.

Ohnehin gibt es durchaus auch Lichtblicke im Nachwuchsbereich: Die deutschen U17-Junioren wurden 2023 sowohl Europa- als auch Weltmeister, die U19 erreichte am heutigen Samstagabend das EM-Finale gegen Spanien (alle TV-Infos hier), die U21 ist Vize-Europameister. Klopp will sich alles erst genau anschauen, ehe er Vorschläge für Reformen macht, die es in jüngster Vergangenheit ohnehin schon umfangreich gegeben hat.

Der 59-Jährige dürfte für die A-Nationalmannschaft anstreben, seinen „Heavy-Metal-Fußball“ aus Dortmunder Zeiten wiederzubeleben und vorn auf schnellere Spieler setzen als Vorgänger Julian Nagelsmann. Leute wie etwa den Kölner Said El Mala, Karim Adeyemi (künftig FC Barcelona) oder Kevin Schade vom FC Brentford. Beim DFB erwartet man, dass sich der erfahrene Klopp strategisch klug und tief in viele Arbeitsbereiche hereinwühlt.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Florian Wiegand und picture alliance/dpa | Jan Woitas

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