Seoane bei Fans umstritten
Gladbach und die Trainerfrage: Welche Alternativen gäbe es zu Seoane?
Fans von Borussia Mönchengladbach äußern Zweifel an Gerardo Seoane. Offen bleibt die Frage, welche Alternativen aktuell verfügbar wären.
Mönchengladbach – Die Amtszeit von Gerardo Seoane bei Borussia Mönchengladbach ist ein Kampf gegen Widerstände.
Schon nach Platz 14 in seiner Debütsaison 2023/24 haben sich zahlreiche Fans für eine Trennung ausgesprochen. In dieser Spielzeit erlebten Seoane und Borussia ein zwischenzeitliches Hoch, fielen dann mit sieben sieglosen Spielen krachend auf den Boden und zogen erneut den Unmut der Anhänger auf sich.
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Beim 0:1 gegen den VfL Wolfsburg wurde Seoane beim Verlesen der Startaufstellung ausgepfiffen. Die Stimmen, die sich eine Wachablösung auf der Trainerbank wünschen, mehren sich in den sozialen Netzwerken.
Gladbach-Bosse vertrauen Seoane
Von den Klub-Bossen genießt Seoane augenscheinlich weiter das Vertrauen. Sport-Geschäftsführer Roland Virkus schätzt das Bekenntnis des 46-Jährigen zum Borussia-Weg, der vorsieht, Werte zu schaffen, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Seoane klagt nicht über die Gegebenheiten in Gladbach, strahlt in seiner Kommunikation Akribie und Ehrgeiz aus.
Womöglich hat der Trainerstuhl auch aus zwei weiteren Gründen noch nicht zu wackeln begonnen. Einerseits dürfte ein vorzeitiges Aus von Seoane zu einem kritischeren Blick auf Virkus‘ Schaffen führen. Andererseits ist die Frage, welche Alternativen verfügbar wären.
Würde Gladbach einen Trainer gegen eine Ablöse verpflichten?
Dass Gladbach einen Trainer aus einem bestehenden Vertrag herauskauft, wirkt unwahrscheinlich. Im Sommer 2021 überwiesen die Fohlen für Adi Hütter 7,5 Millionen Euro an Eintracht Frankfurt, infolge mehrerer Verfehlungen auf dem Transfermarkt erlebten beide Seiten eine enttäuschende Saison, die in der Trennung nach einem Jahr mündete.
Indes hat Virkus mehrfach betont, für Investitionen in den Kader auf Einnahmen angewiesen zu sein. Da Ablösesummen für Trainer Usus geworden sind, dürfte Borussia deshalb kaum am Budget nagen wollen.
Welche vereinslosen Trainer sind auf dem Markt?
Bei einem Blick auf den Markt finden sich mehrere Namen, die gegenwärtig vereinslos sind – noch davor steht aber eine potenzielle Lösung aus dem Nachwuchs.
Eugen Polanski sammelte 2019 als Co-Trainer des FC St. Gallen erste Erfahrungen, kehrte anschließend nach Gladbach zurück. Im Oktober 2021 übernahm der Ex-Profi die U17-Mannschaft, seit 2022 betreut er die U23. Schon in der Vergangenheit ist Polanski mit dem Cheftrainerposten in Verbindung gebracht worden.
Im Juni wäre ein weiterer junger Trainer auf dem Markt: Sandro Wagner. Der Ex-Stürmer wird Bundestrainer Julian Nagelsmann nur noch bis zum Final-Four-Turnier der Nations League assistieren. Der 37-Jährige wurde zuletzt mit 1899 Hoffenheim und dem FC Augsburg in Verbindung gebracht. Zumindest bei der TSG scheint die Trainerfrage geklärt, Sportchef Andreas Schicker will an Christian Ilzer festhalten.
Der vielleicht prominenteste verfügbare deutsche Trainer ist wohl Roger Schmidt, der ein Jahr nach einem Flirt mit dem FC Bayern aber eher nicht am Niederrhein aufschlagen wird. Zuletzt wurde er wieder heiß bei RB Leipzig gehandelt.
Gladbach könnte wieder auf die 2. Bundesliga blicken
Da Virkus gerne in der 2. Bundesliga wildert, könnte sich auch im Falle der Trainersuche ein Blick ins Unterhaus lohnen. Lukas Kwasniok machte in vier Jahren als Cheftrainer des SC Paderborn auf sich aufmerksam, knackte in jeder Saison die 50-Punkte-Marke und führte die Ostwestfalen in dieser Spielzeit auf Platz vier. Das Interesse am 43-Jährigen ist groß, am Wochenende deutete er jedoch eine mehrwöchige Auszeit an.
Während Tim Walter beim VfB Stuttgart und Hamburger SV mit spektakulärem Offensivfußball aufhorchen ließ, hielt sich der Erfolg in Grenzen. Beim VfB war nach weniger als einem halben Jahr Schluss, mit dem HSV scheiterte er zweimal in Folge in der Aufstiegsrelegation. Sein darauffolgendes Engagement bei Hull City war nach weniger als fünf Monaten zu Ende.
Das komplette Gegenteil ist Urs Fischer. Der Schweizer führte Union Berlin mit einem defensiven Spielstil in die Champions League. Der Erfolg spricht für sich, die Unioner Spielweise dürfte beim Gladbacher Publikum aber wenig Anklang finden.
Da die Schweiz seit jeher ein interessanter Markt für Borussia ist, könnte der Blick auf Raphael Wicky gerichtet werden. Der 48-Jährige gewann 2022/23 mit den BSC Young Boys das nationale Double. Seoane feierte mit dem Klub aus Bern drei Meisterschaften und einmal den Pokalsieg.
Viele Namen sind auf dem Trainermarkt
Welche Trainer wären darüber hinaus verfügbar? RB Leipzig entließ Marco Rose Ende März nach dem 0:1 gegen Gladbach, im Borussia-Park ist der Ex-Coach nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund im Sommer 2021 aber eine Persona non grata.
Ob Ex-BVB-Trainer Edin Terzić nach der Fast-Meisterschaft und dem Champions-League-Finale mit Schwarzgelb eine Aufgabe im Bundesliga-Mittelfeld anstrebt, darf angezweifelt werden.
Bo Svensson hat als Spieler eine Gladbacher Vergangenheit (Januar 2006 bis 2007) und führte Mainz in den Jahren 2022 und 2023 mit jeweils 46 Punkten in die Einstelligkeit. Erfolgreicher waren zuvor nur Thomas Tuchel (47 Punkte in 2010, 58 Punkte in 2011, 53 Punkte in 2014) und Martin Schmidt (50 Punkte in 2016). Der aggressive Pressing-Stil des Dänen passt aber weniger zum Kader.
Über Pellegrino Matarazzo sagte Ex-VfB-Sportdirektor Sven Mislintat einst, er werde ein Champions-League-Trainer. Mit den Schwaben schlitterte der US-Amerikaner allerdings dem Abstieg entgegen, auch in Hoffenheim sollte er nur bedingt Erfolg haben. In der vergangenen Saison wurden Matarazzo und die TSG mit 46 Punkten sowie 66:66 Toren Tabellensiebter. In dieser Saison war nach fünf Siegen, fünf Remis und sechs Niederlagen vorzeitig Schluss.
Die genannten Namen zeigen, dass die Trainersuche ein durchaus kniffliges Unterfangen für Gladbach ist. Sollte Seoane in seiner dritten Saison aber weiterhin keine signifikanten Fortschritte erzielen, kommen die Fohlen nicht um eine Diskussion herum.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Rene Nijhuis/MB Media
