Münchner sind Favoriten

Sechs Gründe, warum sich der FC Bayern gegen Real Madrid durchsetzen wird

Der FC Bayern hat sich mit dem 2:1-Sieg im Bernabéu eine gute Basis geschaffen, um ins CL-Halbfinale einzuziehen. Real Madrid kommt dennoch optimistisch nach München – zu Recht?

Eine Heimniederlage ist niemals eine gute Voraussetzung, wenn man in K.-o.-Duellen mit Hin- und Rückspiel die nächste Runde erreichen will. Genauso eine unangenehme Schlappe ist Real Madrid beim 1:2 im Hinspiel-Duell des Champions-League-Viertelfinales im Bernabéu gegen den FC Bayern passiert. Unmittelbar nach der Partie zeigten sich die Königlichen dennoch fast schon reflexartig überaus optimistisch, die bayerische Hürde zu überspringen und in das Halbfinale einzuziehen.

Harry Kanes Torjubel beim letzten CL-Spiel zwischen Bayern und Real in München.

Seitdem werden Argumente gesammelt, warum die Madrilenen das tatsächlich schaffen könnten. Diesen Beitrag sollten sie folglich lieber ignorieren. Aufgrund der Ausgangssituation hat es weniger mit Übermut oder gar Arroganz zu tun, wenn behauptet wird, der deutsche Rekordmeister gehe als eindeutiger Favorit ins Rückspiel in der heimischen Arena. Sechs Gründe, warum das so ist.

1. Die Formstärke des FC Bayern

Mit ganz wenigen Ausnahmen haben die Bayern über die gesamte Spielzeit stark bis überragend agiert: Startrekorde, Torrekorde, Kantersiege, überragende Auswärtssiege bei Topteams sind seit August 2025 eher die Regel als die Ausnahme. Die beeindruckende Gesamtbilanz der Mannschaft von Vincent Kompany lautet nach 45 Pflichtspielen mit zahlreichen komplizierten Auslosungen in den Pokal-Wettbewerben: 39 Siege, 4 Unentschieden und 2 Niederlagen – bei einem fantastischen Torverhältnis von 153:44.

Kein Topteam in Europa kann aktuell einen Punkteschnitt von 2,69 aufweisen, und hat gar seine Spiele mit durchschnittlich 2,42 Toren Differenz gewonnen. Der Gegner aus Madrid, abgehängter Tabellenzweiter der spanischen Liga, kann schon gar nicht mithalten: Lediglich 31 Siege in 48 Partien, 4 Remis und satte elf Niederlagen, dies alles bei 104:54 Toren.

2. Hinspielergebnis „hoffnungslos“ für Real

Derzeit kann man überall lesen, dass die Champions League DER Wettbewerb des 15-fachen Gewinners Real Madrid ist. Wenn einem Team nach einer Heimniederlage ein beeindruckendes Comeback zuzutrauen ist, dann dem königlichen. Die Realität zeigt aber ein ganz anderes Bild.

Tatsächlich ist es Real seit der Gründung der Champions League als Nachfolger-Wettbewerb des Europapokals der Landesmeister in der Saison 1992/93 kein einziges Mal gelungen, sich nach einer Heimpleite im Rückspiel für die nächste Runde zu qualifizieren. 2019/20 folgte einem 1:2 gegen ManCity eine 1:2-Auswärtsniederlage, 2008/09 einem 0:1 gegen Liverpool gar eine 0:4-Klatsche an der Anfield Road. Auch beim CL-Sieg der Bayern in der Spielzeit 2000/01 konnten die Königlichen ein 0:1 im Olympiastadion (1:2) nicht umdrehen. 2024/25 verlor Madrid beide Viertelfinal-Duelle gegen Arsenal (0:3; 1:2). Zuvor folgten auf Heim-Unentschieden saftige Auswärts-Klatschen im Rückspiel, so ein 0:4 bei City 2023.

Auf der anderen Seite ist der FC Bayern in seiner gesamten Europapokal-Historie (seit 1966/67) erst ein einziges Mal nach einem Auswärtssieg im Hinspiel ausgeschieden: im CL-Achtelfinale gegen den damaligen Titelverteidiger Inter Mailand. Dem 1:0 in San Siro folgte ein ganz bitteres 2:3 nach zwischenzeitlicher 2:1-Führung. Aber: Die Auswärtstorregelung existiert nicht mehr, dafür der VAR – und der hätte damals die 1:0-Führung von Inter aus glasklarer Abseitsposition kassiert.

3. FCB (fast) in Bestbesetzung

Auch wenn der Muskelfaserriss im Oberschenkel dem 18-jährigen Lennart Karl im doppelten Sinne sehr wehtun dürfte, wird der FC Bayern im Rückspiel in Bestformation auflaufen. Es wäre zwar schön, wenn der Jungnationalspieler auch in der heimischen Arena eine zusätzliche Option wäre, aber schon im Bernabéu wurde er von Kompany nicht berücksichtigt und saß 90 Minuten auf der Bank.

Jüngste Schiri-Skandale überschatten legendäre Duelle des FC Bayern mit Real Madrid

Real Madrid und der FC Bayern zählen zu den größten Klubs aller Zeiten. Das erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften liegt weit zurück. Im Europapokal der Landesmeister 75/76 trafen beide Klubs im Halbfinale aufeinander.
Nach einem 1:1 im Hinspiel konnten die Bayern das Rückspiel im Olympiastadion durch einen Doppelpack von Gerd Müller mit 2:0 für sich entscheiden. Am Ende konten die Münchner auch den Henkelpott bejubeln.
Auch in den 80ern trafen beide Teams aufeinander. In der Saison 86/87 setzten sich die Bayern wieder durch, 87/88 konnten die Madrilenen den Rekordmeister erstmals herauskegeln.
Erst im Jahr 2000 sahen sich beide Teams wieder – und das ganze viermal. Denn damals gab es in der Champions League noch eine Zwischenrunde, bei der beide Teams aufeinandertrafen. Dort triumphierten die Bayern klar und deutlich, doch im Halbfinale flog man gegen Anelka und Co. unglücklich raus. Die Madrilenen setzten sich am Ende auch die Krone auf.
Jüngste Schiri-Skandale überschatten legendäre Duelle des FC Bayern mit Real Madrid

Harry Kane und Serge Gnabry werden dagegen auflaufen können, auf Real-Seite aber natürlich auch Kylian Mbappé. Der hat aber schon als PSG-Spieler regelmäßig schlechte Erfahrungen mit den Bayern gesammelt. Im CL-Finale 2020 war Manuel Neuer für ihn unüberwindbar, in den Achtelfinalspielen 2022/23 kochte ihn der damals noch ziemlich unbekannte Josip Stanišić zweimal ab (0:1; 0:2). Der gesperrte Aurélien Tchouaméni und der verletzte Stammkeeper Thibaut Courtois werden den Königlichen dagegen auf schmerzhafte Weise fehlen.

4. SR Slavko Vinčić kein schlechtes Omen

Der für das Rückspiel nominierte slowenische Schiedsrichter Slavko Vinčić gehört zwar gewiss nicht zu den Unparteiischen, mit welchen die Bayern die allerbesten Erfahrungen gesammelt haben. Aber: Der Rekordmeister hat keines seiner vier K.-o.-Spiele in der Königsklasse unter seiner Leitung verloren – und das wäre die Grundvoraussetzung für ein Ausscheiden gegen Real Madrid. Die Unentschieden gegen den FC Villarreal (1:1; 2022) und Inter (2:2; 2025) bedeuteten zwar jeweils das Ausscheiden – demgegenüber stehen aber die souveränen Siege gegen Lazio Rom (3:0; 2024) und in Leverkusen (2:0; 2025), die jeweils den Einzug in die nächste Runde bedeuteten.

5. Der FCB will die Gesamtbilanz ausgleichen

Hatten die Münchner lange Zeit als „Bestia Negra“ der spanischen Hauptstädter gegolten, haben die den Spieß von 2014 bis 2024 umgedreht. Die aktuelle Gesamtbilanz zwischen den beiden Giganten lautet in der Königsklasse aus FCB-Perspektive: zwölf Siege in 29 Partien, vier Unentschieden, 13 Niederlagen. Es gibt auch Statistiken, die dies andersherum sehen: Die werten den 3:1-Sieg im Elfmeterschießen des Halbfinals 2012 im Bernabéu als FCB-Sieg, nachdem es nach 120 Minuten 1:2 gestanden hatte. Mit einem Sieg im Rückspiel in der Allianz Arena würden die Bayern die Bilanz also mindestens ausgleichen.

Apropos Angstgegner – „Bestia Negra“: Spiele in der Sommerpause gingen in schöner Regelmäßigkeit ganz klar an den FC Bayern. Das erste Aufeinandertreffen bei einem Turnier in Bilbao im August 1973 gewannen Beckenbauer, Müller & Co. mit 5:1. Auch die Trofeo Santiago Bernabéu holten sich die Münchner dreimal bei vier Teilnahmen: jeweils im Finale gegen den Gastgeber (1979; 1980; 2002). Im Audi-Cup 2015 wurden die Königlichen mit 1:0 besiegt. Und es gab einen epischen Sieg im Sommer 1980 im Olympiastadion: 9:1 nach 7:0-Halbzeitführung!

6. Weiterkommen fast genau ein halbes Jahrhundert nach dem ersten CL-Sieg gegen Real

Es gibt auch noch eine historische Komponente beim Rückspiel am 15. April 2026 in der Allianz Arena: Im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister 1975/76 standen sich beide Teams zum ersten Mal in Pflichtspielen gegenüber: Nach dem 1:1 in Madrid unter skandalösen Umständen gewannen die Bayern am 14. April 1976 das Rückspiel im Olympiastadion durch zwei Tore von Gerd Müller mit 2:0. Der erste FCB-Europapokalsieg über die Königlichen. Ein Weiterkommen fast exakt 50 Jahre später wäre so etwas wie die perfekte Abrundung der Geschichte, ein kleines Fußballmärchen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Moritz Mueller

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