Lebhafte Diskussion

Muss Kleindienst raus aus Gladbach? Virkus kontert Nagelsmann

Tim Kleindienst überzeugt auch auf höchstem Niveau. Muss der Gladbacher Leistungsträger zu einem Top-Klub wechseln? Die Meinungen gehen auseinander.

Mönchengladbach – Obwohl Tim Kleindienst für das Heimspiel von Borussia Mönchengladbach gegen RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr) gesperrt ist, schreibt der Stürmer Schlagzeilen.

Muss Kleindienst zu einem Top-Klub?

Nach dem Rückspiel des Nations-League-Viertelfinals zwischen Deutschland und Italien (3:3) am vergangenen Sonntag richtete Absolut Fußball, das Fußball-Portal von Home of Sports, die Frage an Bundestrainer Julian Nagelsmann, ob Kleindienst im Sommer bei einem entsprechenden Angebot den Sprung zu einem Top-Klub wagen muss.

„Am Ende steht Spielzeit über allem. Die bekommt er in Gladbach“, sagte Nagelsmann zwar und betonte, Kleindienst solle „schauen, dass er dort konstant seine Tore erzielt und Leistung bringt, und zwar so, wie er das gerade macht.“ Dennoch ergänzte der Bundestrainer: „Wenn er das Vertrauen hat, um es bei einem noch größeren Klub als Gladbach zu tun, dann soll er es machen.“

Gladbach-Star Tim Kleindienst (l.) zieht in der Nationalmannschaft immer mehr Blicke auf sich.

In den sozialen Netzwerken wird unter Gladbach-Fans seit Wochen über die Frage diskutiert, ob Kleindienst über den Sommer hinaus zu halten ist. Neben der sportlichen Komponente spielt auch das Finanzielle eine Rolle, ab einer gewissen Größenordnung kann es sich Borussia nicht erlauben, sich nicht mit einem Angebot zu beschäftigen.

Virkus reagiert auf Nagelsmann-Äußerung zu Kleindienst

Sport-Geschäftsführer Roland Virkus sieht jedoch gewichtige Argumente, die für einen Kleindienst-Verbleib in Gladbach sprechen. „Es ist hypothetisch, zu sagen, ob einer zu einem größeren Klub muss. Vielleicht ist es genau das Setting, das er braucht, um so zu performen“, entgegnete Virkus am Donnerstag in Bezug auf Nagelsmanns Äußerung.

Alle Bundesliga-Torschützenkönige seit 2010

2010: Edin Džeko - 22 Tore für den VfL Wolfsburg. Der Bosnier dürfte einer der unterschätztesten Stürmer seiner Zeit sein. 2018 wurde er zum ersten Spieler, der in drei der europäischen Top-5-Ligen über 50 Treffer erzielte! Mit dem VfL Wolfsburg wurde er 2009 Deutscher Meister.
2011: Mario Gómez - 28 Tore für den FC Bayern. Der gebürtige Schwabe begann seine Profikarriere 2004 beim VfB Stuttgart und beendete sie sage und schreibe 16 Jahre später ebenfalls beim VfB. Der 78-malige Nationalspieler spielte zwischenzeitlich nicht nur beim FC Bayern, mit dem er unter anderem Champions-League-Sieger wurde und die Torjägerkanone gewann, sondern unter anderem auch beim AC Florenz.
2012: Klaas-Jan Huntelaar - 29 Tore für den FC Schalke 04. Huntelaar war seinerzeit ein gefürchteter Strafraumstürmer. Der „Hunter“ erreichte 2010 mit der niederländischen Nationalmannschaft das WM-Finale. Im März 2022 begann Huntelaar, zehn Monate nach seinem Rücktritt aus dem Profifußball, im Management von Ajax Amsterdam zu arbeiten.
2013: Stefan Kießling - 25 Tore für Bayer 04 Leverkusen. Auch Stefan Kießling ist nach wie vor bei seinem Ex-Verein tätig, er arbeitet in der Verwaltung von Bayer 04 Leverkusen. Kießling spielte von 2006 bis 2018 für die Werks-Elf, mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er Dritter bei der Weltmeisterschaft 2010. Trotz Forderungen von vielen Seiten, spielte Kießling in der Nationalmannschaft nie eine große Rolle, absolvierte lediglich sechs A-Länderspiele.
Alle Bundesliga-Torschützenkönige seit 2010

Es sei „völlig normal, dass ein Bundestrainer seine Meinung äußert“, in einem solchen Fall liege die Wahrheit aber in der Mitte. „Aus meiner Perspektive ist es so, dass Tim mit dem Setting, das er hier hat – er ist der Spieler, auf den sich alles fokussiert – so performen kann. Es gibt beide Seiten, aber was richtig ist, wissen wir nicht.“

Grundsätzlich freue sich Borussia „total, dass Tim genau das, was er hier machen muss — arbeiten, Tore schießen, Mentalität in die Mannschaft bringen — auch für die Nationalmannschaft macht.“ Der Sturm-Star habe unter Beweis gestellt, sein Potenzial auch auf einem höheren Niveau abrufen zu können.

Seoane: Kleindienst-Boom gut für Gladbach

In dieselbe Kerbe schlug Gladbach-Coach Gerardo Seoane auf der Spieltagspressekonferenz.

„Man darf nicht böse sein, dass er als Bundestrainer über einen Spieler, den er trainiert, seine Meinung äußert. Wir freuen uns, dass Tim bei der Nationalmannschaft auf einer höheren Bühne gut performt“, sagte Seoane und betonte: „Wir können davon profitieren, weil unser Spieler dadurch ein höheres Selbstvertrauen und die Gewissheit bekommt, auf internationalem Niveau gut performen zu können.“

Dennoch ist davon auszugehen, dass Gladbach die Kleindienst-Frage weiterhin begleiten wird. Je länger er auf diesem Niveau spielt, desto spannender wird die Frage nach dem Angebot, das weder er noch der Klub ablehnen können.

Rubriklistenbild: © IMAGO/RHR-FOTO

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